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Dow Jones: US-Leitbörse vor Trendwende?

Der Freitag war ein rabenschwarzer Tag für die US-Leitbörse. Nach einer bereits rabenschwarzen Woche. Der Dow Jones Industrials Index schloss als erster US-Index unter seinem Schlusskurs von Anfang Februar, was nun neues Unglück über die Börsianer bringen könnte.

Verkaufssignal nach der Dow Theorie

Mit diesem tieferen Tief beim Dow haben wir per Definition einen Abwärtstrend vorliegen. Gemäß der „Dow Theorie“ muss dieser Abwärtstrend aber noch vom US-Transportindex bestätigt werden.

Dieser steht seit Freitag allerdings ebenfalls kurz vor einem tieferen Tief. Für dieses Bestätigungs-Signal genügt also ein erneuter, nur minimal schwacher Handelstag.

Was ist so schlimm an einem solchen Verkaufssignal? Die Tatsache, dass ein Großteil der US-Anlegerschaft auf die Dow Theorie schwört, obwohl diese in den vergangenen 40 Jahren deutlich an Aussagekraft eingebüßt hat.

Es könnte zu Beginn dieser Woche also zu einer wahren Verkaufslawine an den US-Börsen kommen, wenn viele automatische Handelssysteme und Börsenbriefe plötzlich auf einmal zu Verkäufen raten.

Sehen wir noch einen Blitzcrash?

Das ist die große Gefahr der aktuellen Börsensituation: Die US-Indizes hängen am seidenen Faden, der jederzeit reißen und sogar einen neuen Blitzcrash nach sich ziehen kann.

Dow Jones Industrials vor Trendwende?

http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=%24INDU&p=D&yr=0&mn=7&dy=0&i=t97936474109&r=1522044198638

Aus charttechnischer Sicht befindet sich der Dow Jones noch im Aufwärtstrend, da die Kurse oberhalb einer steigenden 200-Tage-Linie notieren. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Amerikaner jetzt ihrer schrulligen alten Dow-Theorie folgen.

Fundamental ist (fast) alles in Butter

Seltsamerweise zeigen die harten Fakten keinerlei Anlass, den weiter soliden Aufschwung in Frage zu stellen.

Die jüngste Wirtchaftsdaten waren solide, die Prognosemodelle zeigen ein solides Wachstum (Nowcasting-Tracker der New York Fed +2,9 % für Q1/2018, GDPNow-Modell der Atlanta Fed +1,8 %), die Unternehmensgewinne zeigten gerade erst einen Wachstumsrekord im Vergleich zum Vorjahresquartal, daneben sind in den kommenden Monaten rekordhohe Aktienrückkäufe aufgrund der US-Steuerreform zu erwarten. Was die Kurse kräftig stützen würde.

Bis auf die ambitionierte Bewertung der Aktien ist aus fundamentaler Sicht eigentlich alles in Ordnung. Wir könnten dennoch einen technisch bedingten „Ausrutscher“ an den Börsen sehen, der allein durch die einseitige Fokussierung vieler Handelssysteme auf einen bestimmten Faktor (nämlich die Dow Theorie) zustande kommt. Verrückt.

Vielleicht lösen sich die überzogenen Ängste der Börsen aber bereits in den kommenden Tagen wieder in Luft auf, während die extrem pessimistische Stimmung der Anleger wieder für steigende Kurse sorgt.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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