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Aktien: „Die chinesische Frühstücks-Mafia“

Auf diese Gäste hätte sie gerne verzichtet. Eine Französin hat in meinem kleinen Dorf im Lot-Tal nördlich von Toulouse aus einem alten verfallenen Weiler in traumhafter Lage mehrere Ferienhäuser- und Wohnungen aufgebaut.

Gites (Häuser für Selbstversorger) und Chambre d’hôte, was in etwa Bed & Breakfast entspricht.

Bestnoten auf Tripadvisor

Die Preise sind gehoben, der Standard aber auch. Die Gites und Chambre d’hôte werden mittlerweile in allen Reiseführern empfohlen. Auf Tripadvisor bekommt die Französin, die ich schon seit Jahren kenne, Bestnoten. Und zwar nicht nur von Franzosen.

Zu den Gästen zählen auch Deutsche, Schweizer, Briten, Amerikaner, Australier, Japaner und – leider – seit kurzem auch Chinesen.

Nehmen, was man bekommen kann

Letzte Woche hat sich für mehrere Tage ein chinesisches Ehepaar mit Eltern einquartiert. Der Mann arbeitet in Paris und hat seine Eltern aus China nach Frankreich eingeladen.

Schon nach dem ersten Frühstück macht meine französische Freundin eine negative Überraschung: Die Chinesen haben den Frühstückstisch verlassen und das Büffet ist leer geräumt. Zusätzlich fehlen: Teller, Bestecke, Marmeladen-Töpfe, Kaffeedosen.

Dafür bekommt die Gastgeberin von ihren chinesischen Gästen am Abend dann die zweite negative Überraschung präsentiert: Man bräuchte jetzt für die nächsten Tage kein Frühstück mehr, obwohl es so gebucht war.

Abräumen, bevor andere zugreifen

Denn die chinesischen Gäste verspeisen in ihren Zimmern das, was sie am ersten Tag abgeräumt haben.

Meine französische Freundin sagt: „Ich war so konsterniert. Und ich habe mich für die Chinesen so geschämt. Wie kann man so dreist und gleichzeitig so peinlich sein! Ich musste sogar darum bitten, Dosen und Töpfe für andere Gäste wieder zurückzugeben.“

Scherzhaft fügt sie hinzu: „Wie eine chinesische Frühstücks-Mafia“. Abräumen, bevor andere zugreifen.

Geduldet, aber unbeliebt

Bei meinen vielen Reisen in Asien habe ich dieses Phänomen rücksichtsloser Chinesen immer wieder erlebt – ob in Malaysia, Indien, Vietnam oder zuletzt in Laos und Kambodscha.

Ein älterer Hotelmanager, der ein einfaches, aber traumhaft gelegenes Hotel in der Nähe eines Wasserfalls in Laos leitet, sagte mir: „Die Chinesen sind nicht besonders beliebt. Wir dulden sie einfach.“

Und dann erzählt er mir: Das gilt nicht nur für Touristen, sondern auch für Unternehmen. Das sehen Sie übrigens auch an der Börse

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Über den Autor
Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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