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VW Aktie: VW-Schlüsselfigur zu langer Haftstrafe verurteilt

In den USA ist am späten Abend des 06.12. wegen des VW-Abgasskandals der Volkswagen-Manager Oliver Schmidt zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren und einer Geldbuße von 400.000 Dollar verurteilt worden. Damit wird der Mann bestraft, der für die US-Behörden die Schlüsselfigur im jahrelangen Betrugssystem war.

Und der vom FBI mit einem Fahndungsfoto gesucht und Anfang des Jahres in Miami spektakulär verhaftet wurde. Noch bis August hatte der Manager alle Vorwürfe bestritten. Dann legte er ein umfangreiches Geständnis ab und packte aus.

Schmidt war schon immer Amerika-Fan. Das erste Gehalt bei VW ging gleich für eine USA-Reise drauf. Seine Hochzeit feierte er in einem Autohaus in Florida. Mit seiner Frau besitzt er zahlreiche Immobilien in den Staaten. Seine US-Karriere ging steil nach oben. Ab 2004 war Schmidt für Volkswagen in Nordamerika aktiv. 2012 stieg er dann zum Chef des Umwelt- und Technologie-Büros (Engineering and Environmental Office) von VW auf. Diese Sparte war für alles zuständig, was bei VW-Autos aus dem Auspuff kommt. Und die im engsten Kontakt mit den US-Behörden stand.

Erst vor wenigen Tagen, und damit kurz vor seiner Verurteilung, schrieb Schmidt einen Brief an seinen Arbeitgeber. Darin beschreibt er, dass er sich missbraucht und im Stich gelassen fühle. Auch das passt zum VW-Konzern. Seit Jahrzehnten jagt in Wolfsburg ein Skandal den nächsten.

Es wird getrickst, gelogen und betrogen. Bei kaum einem Unternehmen sind Management, Gewerkschaften und die Landespolitik so eng verzahnt wie bei VW. Auf diesen drei Säulen steht der Autobauer. Noch immer ist der tiefe Sumpf aus Management, Betriebsrat und Politik nicht trockengelegt.

VW-Skandale: Ein kleiner Auszug aus den letzten 25 Jahren

1990 – Devisenskandal: Ein Mitarbeiter fügt dem VW-Konzern durch Devisengeschäfte einen Schaden von 170 Millionen € zu.

1996 – Opernball-Affäre: VW lädt Gerhard Schröder zum Opernball nach Wien ein. Auf Firmenkosten. Die Loge kostet mehr als 12.000 €. Schröder war zu dem Zeitpunkt Ministerpräsident in Niedersachsen und Mitglied im Aufsichtsrat.

1997 – Schmiergeldaffäre ABB und Skoda: VW-Mitarbeiter sollen Schmiergelder entgegengenommen haben. Vom Schweizer Unternehmen ABB. ABB hatte den Auftrag zum Bau einer Lackiererei für Skoda erhalten. Der stellvertretende Vorstandschef von Skoda nimmt seinen Hut.

1998 – Lopez-Affäre: Der ehemalige VW-Vorstand hatte bei seinem Wechsel von GM zu VW Geheimunterlagen gestohlen und wurde zu einer hohen Geldstrafe verdonnert. VW zahlt daraufhin auch 100 Millionen Dollar an GM.

2004 – Gehaltsaffäre: Sechs SPD-Abgeordnete stehen auf der Gehaltsliste von VW. Kassieren mehrere Hunderttausend Euro an Gehältern.

2005 – Korruptionsaffäre: Ein Sumpf aus Verflechtungen zwischen Management, Betriebsrat und der niedersächsischen Politik kommt ans Tageslicht. Jahrelang wurden Puffbesuche bezahlt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. VW-Betriebsratschef Volkert nimmt seinen Hut.

2015 – Beginn des Abgasskandals: Erstmals ermitteln US-Behörden gegen VW. Das Management versucht in den ersten Wochen alles zu vertuschen. Erst als es nicht mehr anders geht, rückt VW Informationen raus und gesteht die Schuld ein. Mittlerweile hat sich VW in den USA auf Zahlungen in Höhe von mehr als 23 Milliarden Dollar geeinigt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Aufarbeitung wird noch Jahre dauern.

Trotz der Verurteilung von Schmidt, ist der Fall für VW noch längst nicht abgeschlossen. Und das ist gut so. Schmidt ist Teil eines Netzwerkes, bei dem noch viel bedeutendere Führungskräfte ihre Finger mit im Spiel hatten. Ich persönlich wünsche mir, dass die Behörden jeden Stein und jede noch so kleine Aktennotiz umdrehen. Und alle Schuldigen mit äußerster Härte bestrafen.

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Über den Autor Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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