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Deutsche Telekom Aktie: Telekom Aktie: Angewiesen auf die Tochter

Immer wieder gibt es richtungsweisende Entscheidungen im Leben, die sich im Nachhinein als geradezu schicksalhafte Fügung erweisen können – selbst wenn sie ganz anders verlaufen, als man das ursprünglich geplant oder gewünscht hatte.

Dieses Phänomen trifft ab und an auch Großkonzerne. Bestes Beispiel: Deutsche Telekom. Die wollte ihr Sorgenkind T-Mobile US vor einigen Jahren gerne an den Konkurrenten AT&T verkaufen, doch die Wettbewerbshüter stellten sich quer. Der Deal platzte, die Bonner sahen sich genötigt, die ungeliebte Tochter zu behalten. Und dann kam John Legere.

Manager im Magenta-Shirt

Der charismatische Manager übernahm vor fünf Jahren das Ruder bei T-Mobile US und krempelte den Laden gewaltig um. Er führte neue Flatrate-Tarife ein, die intensiv und aggressiv beworben wurden, um Kunden von der Konkurrenz wegzulocken. Legere selbst ist zu einer der wichtigsten Werbeikonen geworden, stets tritt er im magentafarbenen Shirt auf, verkörpert so die Marke und seine Geschäftsstrategie.

Das Marketingkonzept erweist sich als ausgesprochen erfolgreich. Etliche Neukunden konnte T-Mobile US seither für sich gewinnen, der Jahresumsatz der Telekom-Tochter ist seit 2013 um mehr als 50 Prozent gestiegen. Inzwischen trägt die Sparte einen gewaltigen Batzen zum Gesamtvolumen der Deutschen Telekom bei – und sorgte zuletzt vor allem für kräftiges Wachstum.

Die Luft wird dünner

Und so ließ man Legere gewähren, der Mann genießt das Vertrauen der Konzernführung und etliche Freiheiten, schließlich gibt der Erfolg ihm Recht. Doch mit den rasanten Wachstumszahlen könnte es vorerst vorbei sein, für 2017 wird ein Rückgang bei der Neukundenakquise erwartet. Das liegt zum einen an zunehmender Marktsättigung, zum anderen aber auch daran, dass die Konkurrenz nicht schläft.

Längst haben auch die Wettbewerber am US-Mobilfunkmarkt erkannt, auf welche Tarifstrukturen die Kunden anspringen und haben damit begonnen, T-Mobile US mit den eigenen Waffen zu schlagen. Zudem haben AT&T und Verizon Vorteile mit Blick auf den zukünftigen, noch schnelleren Netzstandard 5G.

Telekom Aktie unter Druck

Kurzum: Für T-Mobile US dürfte es in Zukunft schwieriger werden, an die schwindelerregende Erfolgsstory der letzten Jahre anzuknüpfen. Dennoch dürfte die Telekom weiterhin auf ihre neue Lieblingstochter setzen. Ihr bleibt auch nicht viel anderes übrig, denn das Geschäft am deutschen Heimatmarkt läuft denkbar schleppend, EU-weit sieht es nicht viel besser aus, gerade nach dem politisch beschlossenen Aus für europäische Roaminggebühren.

Die Telekom Aktie, die im Mai noch 17,50 Euro kostete, hat sich von ihrem Jahreshoch inzwischen wieder ein Stück weit entfernt und wurde zuletzt knapp unter 16 Euro gehandelt. Analysten zeigten sich zuletzt jedoch mehrheitlich zuversichtlich, etliche Experten sprachen Kaufempfehlungen für die T-Aktie aus, die Kursziele liegen dabei jenseits des bisherigen Jahreshochs und reichen bis 21 Euro (Goldman Sachs).

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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