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Siemens Aktie: Siemens Aktie: 5 Gründe für zukünftig stagnierende Gewinne

Die Siemens Aktie hat in diesem Jahr eine Achterbahnfahrt hinter sich gebracht: Nach steilem Anstieg in den ersten vier Monaten ging es anschließend fast ebenso steil wieder bergab. Im Herbst schaffte es der Kurs, sich erneut auf bis zu 125 Euro aufzubäumen, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten.

Das Geschäftsjahr immerhin, das bei Siemens jeweils von Anfang Oktober bis Ende September dauert, hat der Traditionskonzern erfolgreich abschließen können. Umsatz, Marge und Gewinn konnten gesteigert werden. Doch damit hängt zugleich die Messlatte für das neu angelaufene Geschäftsjahr 2017/2018 recht hoch – und weitere Ergebnissteigerungen scheinen aus heutiger Sicht zumindest fraglich, wenn man bedenkt, welche Herausforderungen in nächster Zeit anstehen.

Erstens: Schwächelndes Kraftwerksgeschäft

Bereits zuletzt hat sich angedeutet, dass dieser Geschäftsbereich in die Krise schlittert, und zwar nicht nur bei Siemens, sondern branchenweit. Es werden schlichtweg wesentlich mehr Turbinen produziert als verkauft.

Um diesen Überkapazitäten entgegenzuwirken, will Siemens in der Division Power & Gas gleich mehrere tausend Arbeitsplätze streichen. Die Kosten hierfür dürften sich im dreistelligen Millionenbereich befinden und das Ergebnis entsprechend belasten.

Zweitens: Gegenwind in der Windkraft

Der Bau von Windkraftanlagen ist politisch gewollt im Zuge von Energiewende und Klimaschutz und wurde dementsprechend lang subventioniert. Inzwischen aber steht das Geschäft weitgehend auf eigenen Füßen, die Unterstützungsleistungen und Vergünstigungen laufen aus – stattdessen herrscht ein harter Konkurrenzkampf mit heftigem Preisdruck in der Branche.

Das geht auch an Siemens nicht spurlos vorbei. Auch in diesem Bereich reagiert der Konzern mit Stellenabbau, konkret stehen weltweit 6.000 Arbeitsplätze vor dem Aus. Auch das wird immense Kosten nach sich ziehen.

Drittens: Geopolitische Verwerfungen

Die Krisen in der Welt gehen auch an Siemens als einem der größten deutschen Exporteure nicht spurlos vorbei. Ob verbale und atomare Aufrüstung im Nordkorea-Konflikt oder das neuerliche Pulverfass in der Golfregion nach der Rücktrittserklärung des libanesischen Ministerpräsidenten – die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Geschäftsabschlüsse sind derzeit nicht die besten.

Stattdessen herrscht größte Verunsicherung in zahlreichen wichtigen Zielregionen. Aber wer sich für militärische Konflikte rüstet, wird parallel kaum in große Infrastrukturprojekte investieren.

Viertens: Startkosten für Medizintechnik-IPO

Siemens hat in den vergangenen Jahren seine Medizintechniksparte unter dem Namen Healthineers ausgebaut, die im kommenden Jahr eigenständig an die Börse gebracht werden soll. Das ist bekanntlich erst einmal mit Startkosten verbunden und führt zudem zu einer höheren steuerlichen Belastung. All das drückt zusätzlich aufs Ergebnis.

Fünftens: Fusion mit Alstom

Kosten verursacht auch die geplante Zusammenführung der Zugsparte mit dem französischen Wettbewerber Alstom, um gegen Konkurrenz aus Fernost bestehen zu können. Mittelfristig soll sich der Deal zwar auszahlen, vorerst aber dürfte auch das die Bilanz belasten.

Fazit: Es geht erst einmal abwärts

All diese Faktoren sind erwartbar und wenig überraschend. Siemens Anleger sollten sich dementsprechend darauf einstellen, dass die genannten Aspekte die nächste, vermutlich auch die übernächste Jahresbilanz belasten werden und das Wachstum schwächer ausfallen wird als man es zuletzt gewohnt war.

Allerdings sind viele dieser Faktoren einmalige Belastungen, die sich mittelfristig auszahlen sollten. Langfristig orientierte Aktionäre sollten also bei der Stange bleiben und nicht den Mut verlieren.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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