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Lufthansa Aktie: Lufthansa Aktie: Quasi-Monopolist dank Air Berlin Pleite?

Air Berlin ist pleite, das Gerangel um die Übernahme von Teilen der zu zerschlagenden Airline ist in vollem Gange. Profitieren könnte davon am Ende vor allem die Lufthansa – und ihre Aktionäre.

Am Freitag endete die Angebotsfrist. Mehrere Offerten sind eingegangen von Interessenten, die die Airline als Ganzes oder Teile davon übernehmen wollen. Die Entscheidung darüber, welches Gebot den Zuschlag erhält, soll am 25. September fallen – einen Tag nach der Bundestagswahl also. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Denn die Tendenz der Bundespolitik ist offenkundig: Sie würden gerne eine Stärkung der größten deutschen Fluglinie sehen, der Lufthansa. Diese hat einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ geboten, um 70 bis 90 Maschinen von Air Berlin zu übernehmen, darunter auch die 38 Flugzeuge, die bereits für die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines gemietet und im Einsatz sind.

Lufthansa: Quasi-Monopol dank Air Berlin Zerschlagung?

Bekäme die Lufthansa den Zuschlag, würde ihre Marktmacht dadurch erheblich ausgebaut. Auf innerdeutschen Strecken würde sie dadurch quasi Monopolstellung erhalten, aber auch auf wichtigen europäischen und einigen Langstreckenverbindungen würde ihre Position deutlich gestärkt.

Europäische Konkurrenten von der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet bis hin zu Ex-Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, der gemeinsam mit Thomas Cook und Condor ebenfalls für Teile der Air Berlin geboten hat, laufen dementsprechend Sturm gegen die Offerte der Lufthansa. Dennoch gilt sie bislang als aussichtsreichste Option – nicht zuletzt, weil beide Gesellschaften schon Monate vor der Pleite Verhandlungen aufgenommen hatten, das Interesse der Lufthansa an Teilen von Air Berlin besteht schon länger.

Befreiungsschlag nach schwieriger Phase

Für die Lufthansa wäre die Übernahme der Air Berlin-Flotte ein Befreiungsschlag. Sie würde gleich auf mehreren Ebenen profitieren. Ein Billigkonkurrent ist vom Markt gefegt, in der Folge dürften die Ticketpreise kräftig anziehen. Die Margen für die Lufthansa würden wieder steigen, nachdem sie sich in den vergangenen Jahren zwischen dem Preisdruck der Billigairlines einerseits und den Premiumangeboten aufstrebender, vornehmlich arabischer Airlines andererseits aufgerieben hatte.

Zudem konnten zuletzt nach langem Hin und Her Kosteneinsparungen bei der Lufthansa realisiert werden – und die Währungseffekte spielen der Airline zusätzlich in die Tasche. Während Tickets in derzeit starken Euro verkauft werden, ist vergleichsweise günstiges Kerosin in schwachen Dollar zu bezahlen. Dies stärkt die Einnahmeseite einerseits und reduziert den Kostenfaktor andererseits zusätzlich.

Lufthansa Aktie: Anleger profitieren schon jetzt

Unterm Strich dürften die Tickets für Passagiere teurer werden, wenn die Lufthansa die gewünschten Teile von Air Berlin übernimmt. Margen und Gewinne der Lufthansa dürften jedoch kräftig anziehen, was wiederum Anlegern zupass käme.

Die Lufthansa Aktie jedenfalls hat seit Anfang August noch einmal kräftig Fahrt aufgenommen, allein im letzten Monat hat sie sich um 10 Prozent verteuert, auf Jahressicht gar mehr als verdoppelt. Zuletzt wurde das Papier für rund 22,40 Euro gehandelt. Im ersten Halbjahr hatte die Lufthansa Rekordzahlen gemeldet.

Die Mehrheit der Analysten rät dennoch zunächst dazu, die Lufthansa Aktie lediglich zu halten. Die Kursziele werden dabei überwiegend im Bereich zwischen 20 und 24 Euro angesetzt. Es gibt jedoch auch Kaufempfehlungen mit Kurszielen von bis zu 30 Euro.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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