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Dax 30: Dividende: Die Deutschen arbeiten für die Rendite ausländischer Investoren

Heute bin ich doch regelrecht erschrocken, als ich bei meinem allmorgendlichen „News-Screening“ Folgendes auf boerse.ard.de las: „Deutsche Konzerne schütten in diesem Jahr so viel Dividende aus wie noch nie. Aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX fließen über 46 Mrd. Euro. Das Dumme ist nur: Bei dem warmen Dividendenregen halten nur wenige deutsche Anleger die Hände auf.“

Nicht, dass mir dies nicht schon längst bewusst gewesen wäre, doch die blanken Fakten, die der Bericht in seinem weiteren Fortlauf lieferte, rüttelten mich einmal mehr wach, auch Sie noch einmal „anzustupsen“ und Ihnen die Notwendigkeit und vor allem die Vorzüge von Dividendentiteln aufzuzeigen.

Deutschland war in der Vergangenheit und ist auch heute noch ein Land der Sparer, obwohl es beispielsweise im Gegensatz zu den „guten alten D-Mark-Zeiten“ im Grunde genommen keine Zinsen mehr gibt.

Kapitalbildende Lebensversicherungen, Bausparverträge, Rürup- und Riester-Rente und was es nicht sonst noch alles an Sparprodukten gibt: Das Gros unserer Mitbürger verzichtet heute freiwillig auf attraktive Renditen, weil sie nach wie vor (oder auch wieder) um Aktien einen großen Bogen machen.

Die Deutschen gehen leer aus

Beklagen dürfen sich die Deutschen also nicht, denn sie haben sich ihr Schicksal selbst auserkoren. Trotz fehlender Anlagealternativen sind sie in Aktien einfach zu wenig investiert – im internationalen Vergleich unterinvestiert.

Dabei sei die Überlegenheit der Aktie als Langfristinvestment vielfach belegt, zudem fließe Jahr für Jahr reichlich Dividende, wie Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bei Vorstellung der aktuellen Dividendenstudie der Aktionärsschützer erläutert.

Aus dieser geht eindeutig hervor, dass sich über den schönen Dividendenregen überwiegend ausländische Investoren freuen.

Wie die Studie belegt, gibt es in Deutschland rund 9 Mio. Aktionäre, das entspricht gerade einmal rund 14% der Gesamtbevölkerung. Damit haben Anleger hierzulande etwa 460 Mio. Euro in Aktien investiert – nur 8% des gesamten Geldvermögens!

„Die Deutschen arbeiten für die Rendite ausländischer Investoren“

Wirft man einen genaueren Blick auf die Aktionärsstrukturen unserer DAX-Konzerne, wird einem schnell klar, dass mehr als 70% der Aktien im Ausland liegen.

Ein Trend, der sich bereits seit einigen Jahren fortsetzt: Mehr und mehr ausländische Investoren vertrauen auf deutsche Top-Unternehmen, wohingegen viele Deutsche nach wie vor die Aktienanlage scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Kaum vorstellbar, doch bei einigen Firmen wie beispielsweise bei Adidas, SAP, Henkel oder Linde liegen sogar rund 90% der Aktien im Ausland.

Die sich daraus ergebende Rechnung ist einfach: Unfassbare 90% der Gewinnausschüttung einiger unserer DAX-Firmen fließt damit ebenfalls ins Ausland.

Die Experten von boerse.ard.de drücken es noch etwas anschaulicher aus: „Die Deutschen arbeiten vor allem für die Rendite ausländischer Investoren.“

Insgesamt liegen nur noch drei DAX-Mitglieder mehrheitlich in deutscher Hand, nämlich die Deutsche Bank, die Deutsche Lufthansa sowie der Autobauer Volkswagen.

Der folgenden Übersicht können Sie den Anteil deutscher Aktionäre (in %) an den jeweiligen DAX-Konzernen entnehmen.

DAX 30Anteil deutscher Aktionäre DAX 30 Anteil deutscher Aktionäre
Adidas8,0%Fresenius Medical Care12,4%
Allianz33,8%Fresenius43,0%
BASF40,0%Heidelberg-Cement31,0%
Bayer22,4%Henkel (Vz.)  10,0%
BMW14,7%Infineon34,0%
Beiersdorf18,0%Linde10,9%
Commerzbank25,0%Merck14,1%
Continental17,2%Munich Re  38,8%
Daimler36,4%Pro7Sat127,0%
Deutsche Bank  56,0%RWE28,0%
Deutsche Börse  18,0%SAP8,0%
Deutsche Lufthansa  68,8%Siemens28,0%
Deutsche Post  43,7%ThyssenKrupp
Deutsche Telekom  31,7%Volkswagen63,0%
E.ON37,0%Vonovia

(Quelle: DSW, boerse.ard.de; Hinweis: Angaben nur, soweit die Firmen eine regionale Segmentierung ihrer Aktionärsstruktur veröffentlichen.)

„Es sieht fast so aus, als hätten die deutschen Anleger kein Vertrauen in unsere Wirtschaft. Doch wahrscheinlich liegt die Erklärung weniger in dem mangelnden Vertrauen in die hier ansässigen Unternehmen, als vielmehr in der bereits beschriebenen Abneigung gegen die Aktie als Anlagevehikel“, resümiert Marc Tüngler.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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