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Deutsche Börse Aktie: Deutsche Börse Aktie: LSE-Fusion vor dem Scheitern?

Es ist schon eine recht kuriose Situation, in die sich die Betreiber der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) hineinmanövriert haben. Vor etwa einem Jahr gaben beide Unternehmen bekannt, fusionieren zu wollen, um gemeinsam den größten und stärksten Börsenbetreiber Europas zu bilden und als solcher auf dem Weltmarkt mitzumischen.

Doch kaum waren die Fusionspläne öffentlich, ging das Gezerre und Gezanke auch schon los. Insbesondere der Streit um den Hauptsitz drohte zwischenzeitlich zu eskalieren: Ursprünglich hatte man sich auf London verständigt, doch das Brexit-Votum im Juni hat die Karten neu gemischt.

LSE und Deutsche Börse: Fusion praktisch gescheitert

Deutsche Aufsichtsbehörden befürchteten fortan schwindenden Einfluss, wenn sich der Hauptsitz in Großbritannien – und somit demnächst außerhalb der Europäischen Union – befindet. Eine nachhaltige Lösung war nicht in Sicht, stattdessen wurde die Stimmung immer schlechter. Beobachter halten die Pläne bereits für faktisch gescheitert.

Doch diese Blöße will man sich nicht geben. Stattdessen betonen Vertreter der LSE wie auch der Deutschen Börse öffentlich munter weiter, man arbeite am Zusammenschluss – der jedoch am Veto der europäischen Wettbewerbshüter scheitern dürfte.

Diese hatten – wie üblich – Auflagen formuliert und ihre Zustimmung an deren Erfüllung gebunden. Die LSE weigert sich aber, einen Teil dieser Bedingungen zu erfüllen. Konkret geht es um den Verkauf von Mehrheitsanteilen an der italienischen MTS, einer Handelsplattform für Anleihen.

Auf diese Weise lässt sich die Verantwortung für das Scheitern der Fusionspläne bequem nach Brüssel abwälzen, ohne dass LSE oder Deutsche Börse selbst das Aus der Verhandlungen erklären müssten. Offiziell wollen sich die europäischen Wettbewerbshüter bis zum 3. April zu der Sache äußern.

Deutsche Börse Aktie: Frankfurt punktet, London verliert

Zugleich stellen LSE und Deutsche Börse jedoch auch ihre jeweiligen Vorzüge in den Vordergrund und betonen die eigene Stärke, die auch ohne den Zusammenschluss gegeben sei. Perspektivisch jedoch dürfte die Deutsche Börse sich weiterhin nach potenziellen Partnern umschauen, um international stärker an Bedeutung zu gewinnen.

Frankfurt als Finanzplatz, Banken- und Börsenstandort und Wertpapierhandelszentrum Deutschlands gilt als größter Profiteur des Brexits. Inwieweit London seine bisherige Stärke außerhalb der EU wird behaupten können, bleibt indes abzuwarten.

Zahlreiche Firmen und vor allem Banken haben bereits reagiert und kurz nach der Brexit-Abstimmung damit begonnen, Geschäfte auf das europäische Festland zu verlagern. Sollten die Fusionspläne also tatsächlich scheitern – und darauf deutet derzeit alles hin – könnte die Deutsche Börse daraus stärker hervorgehen als die LSE.

Anleger sollen für die Turbulenzen, die auch im Aktienkurs ablesbar sind, nun durch eine höhere Dividende entschädigt und besänftigt werden. Auf Jahressicht legte der Wert der Deutsche Börse Aktie um knapp 10 Prozent zu.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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