MenüMenü

Deutsche Bank Aktie: Deutsche Bank Aktie: So gestaltet sich der schwierige Neustart

Zuletzt ist es ruhiger geworden um die Deutsche Bank. Nach turbulenten Jahren, in denen etliche Skandale, Enthüllungen, Hiobsbotschaften die Schlagzeilen beherrschten und nicht nur ranghohe Manager verbrannt, sondern auch das Vertrauen in Deutschlands größtes Geldhaus nachhaltig erschüttert wurden, besinnt man sich nun auf den Blick in die Zukunft.

Die meisten größeren Altlasten sind inzwischen abgehakt, eine milliardenschwere Strafzahlung in den USA markierte das vorläufige Ende der Aufarbeitung einer schier unendlichen Liste von tausenden offener Rechtsstreitigkeiten. Die ganz dicken Themen sind abgeräumt, nun kann die Aufräumarbeit im Inneren beginnen.

Dafür hat Deutsche Bank Chef John Cryan schon einiges in Kauf genommen. Herbe Verluste kennzeichneten das Jahr seines Amtsantritts, auch eine Kapitalerhöhung, die lange aufgeschoben wurde, war letztlich notwendig.

Kulturwandel und Brexit-Zwänge

Zum immer wieder gepredigten Mantra des beabsichtigten „Kulturwandels“, der Exzesse der Vergangenheit für die Zukunft unwahrscheinlicher machen sollte, gesellten sich äußere Zwänge. Als Konsequenz aus der globalen Finanz- und Bankenkrise wurden die Regulierungen und Auflagen von politischer Seite verschärft. Und dann kam das Brexit-Votum.

Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union wird wohl wenige Branchen so hart treffen wie das Investmentbanking, das seit Jahrzehnten in London angesiedelt war – und nun wohl größtenteils nach Frankfurt umziehen wird.

Das stärkt einerseits den Standort, sorgt aber andererseits auch für mehr Konkurrenz vor Ort. Doch die Deutsche Bank befindet sich gerade ohnehin auf neuen Pfaden, will sich zurückbesinnen auf alte Tugenden – und frühere Schwächen nun als Stärken nutzen.

Deutsche Wurzeln plötzlich Stärke statt Schwäche

Hatte man sich in den 1990er Jahren während der Hinwendung zum Investmentbanking noch an angelsächsischem Führungsstil orientiert und versucht, die als „typisch deutsch“ geltenden Geschäftspraktiken möglichst in den Hintergrund zu drängen, scheint nun gerade die Expertise mit Blick auf deutsche und europäische Entwicklungen im internationalen Bankenumfeld stärker gefragt zu sein.

Das jedenfalls will die Deutsche Bank als USP, als Unique Selling Point, für sich nutzen, um ihre Position auf den internationalen Spielwiesen der Bankenbranche zu behaupten und wieder zu stärken.

Zugleich besinnt man sich in der Heimat wieder stärker auf Privatkunden, Kleinsparer und Mittelständler, wenn auch nur halb freiwillig: Noch vor einem Jahr wollte die Deutsche Bank die ungeliebte Tochter Postbank eigentlich loswerden, das hat jedoch nicht funktioniert. Nun soll das Privatkundengeschäft stärker integriert werden.

Deutsche Bank Aktie legt zu, aber …

Kurzum: Der Umbau ist in vollem Gange, die Selbstfindung der neuen Deutschen Bank noch längst nicht abgeschlossen. An der Börse immerhin hat sich die Deutsche Bank Aktie in diesem Jahr wieder etwas robuster gezeigt, stieg im Sommer auf bis zu 17,85 Euro und notiert im Vergleich zum Vorjahreswert derzeit fast 50 Prozent im Plus bei knapp 14 Euro.

Die Analysten sind unterdessen noch nicht vollends überzeugt von Imagewandel und Erfolgsspur, sie raten noch mehrheitlich zur Vorsicht im Hinblick auf die Aktie des größten deutschen Geldhauses und warnen vor Kurseinbrüchen auf zum Teil unter 10 Euro (Citigroup: Kursziel 9,50 Euro).

Der Weg ist noch weit.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

Regelmäßig Analysen über Aktien erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Felix Reinecke. Über 344.000 Leser können nicht irren.