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Deutsche Bank Aktie: Deutsche Bank Aktie im Sinkflug

Wenn man die Rede von Deutsche Bank Chef John Cryan bei der diesjährigen Hauptversammlung verfolgt hat, konnte man einen Eindruck davon gewinnen, dass sich das Geldhaus auf einem guten Weg sieht.

Akribisch zählte der Brite die Erfolge des vergangenen Jahres auf: die Reduzierung riskanter Altbestände in der Bilanz, die Verbesserung der Kernkapitalquote auf den besten Wert seit drei Jahren (11,8 Prozent), die Beilegung weiterer juristischer Auseinandersetzungen, insbesondere in den USA.

Steiniger Weg in rosige Zukunft?

Auch die angekündigten Kostensenkungen zeigen bereits Wirkung, wo wurden die bereinigten Kosten im abgelaufenen Jahr um 6 Prozent auf 24,7 Milliarden Euro reduziert. Bis 2018 soll dieser Posten auf rund 22 Milliarden Euro weiter verringert werden und bis 2021 auf 21 Milliarden.

Um dorthin zu gelangen, muss jedoch erst einmal Geld in die Hand genommen werden – und das hat, so Cryans Lesart, zum 1,4 Milliarden Euro schweren Jahresverlust beigetragen, den die Deutsche Bank im vergangenen Jahr zu verschmerzen hatte. Die Aktionäre versuchte der Brite zu beruhigen, indem er den Blick auf die Erträge von 30 Milliarden Euro lenkte, die „in einem schwierigen Umfeld“ erzielt wurden. Auf dieses Potenzial dürften Anleger sich freuen, „wenn wir erst einmal die Rechtsstreitigkeiten und unseren Umbau hinter uns gelassen haben“, so Cryan.

Doch es sieht so aus, als könnte das noch eine Weile dauern – zumal die Deutsche Bank gut darin ist, sich immer wieder in neue Streitigkeiten zu verstricken. Aktuelles Beispiel: Donald Trump.

Deutsche Bank Aktie muss Federn lassen

Zu dem umstrittenen Immobilientycoon und heutigen US-Präsidenten unterhält die Deutsche Bank rege Geschäftsbeziehungen, Trump hat Konten und Kredite bei der Deutschen Bank – und das wiederum bringt Letztere nun in Erklärungsnot.

Konkret hat eine Gruppe demokratischer Abgeordneter aus dem US-Kongress eine Anfrage an Cryan gestellt, wonach er mögliche Russland-Verbindungen Trumps – beispielsweise über Bürgschaften für Kredite – offenlegen solle. Die Deutsche Bank hat eine Frist am vergangenen Freitag verstreichen lassen und verlangt nun mehr Zeit, um eine Antwort zu formulieren. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass diese aus Sicht der Abgeordneten zufriedenstellend ausfallen wird.

Auch die Beteiligung des Emirats Katar an der Deutschen Bank sieht gerade nicht so schön aus, da der Staat von seinen arabischen Nachbarn in dieser Woche in die Isolation getrieben wird. Mehrere Staaten haben ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, auch zahlreiche Flugverbindungen wurden gestrichen.

Der Deutsche Bank Aktie ging zuletzt ebenfalls die Luft aus, auf Monatssicht hat das Papier um gut 10 Prozent an Wert verloren, auf Wochensicht waren es allein rund 7 Prozent. Auch die Analystenstimmen sind zuletzt skeptischer geworden. Seit Ende April gab es keine Kaufempfehlung mehr, stattdessen wird eher vor den Risiken gewarnt. Allzu große Sprünge traut der Aktie derzeit kaum jemand zu.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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