MenüMenü

Daimler Aktie: Daimler Aktie tiefrot: Hier die Hintergründe zur Krise

Für Daimler kommt es gerade knüppeldicke – und der Autobauer ist selbst schuld.

Zum einen steht der Vorwurf der systematischen Abgasmanipulation im Raum, die vor zwei Jahren schon Volkswagen heftig unter Beschuss gebracht hat. Seinerzeit hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche stets das Credo wiederholt, bei Daimler werde nicht betrogen und Dieselgate sei eine Wolfsburger Angelegenheit.

Das ist so nicht ganz korrekt, wie zwischenzeitlich auch die Stuttgarter eingeräumt haben. Man habe gesetzliche Spielräume genutzt, so wie es die Konkurrenz auch getan habe. Das habe man tun müssen, schon allein mit Blick auf die Anteilseigner, sprich: die Aktionäre. Denn wie hätte man denen erklären sollen, dass man die technischen Möglichkeiten nicht nutzt, mit denen die Konkurrenz über lange Jahre gut gefahren ist?

Das Ermittlungsverfahren läuft, sowohl in Deutschland als auch in den USA sind die Behörden sehr an Daimler interessiert. Erst im Mai gab es eine großangelegte Razzia, es sieht nicht gut aus.

Gab es in Deutschland ein Auto-Kartell?

Doch als wäre das nicht schon genug, stehen seit einigen Tagen neue Vorwürfe im Raum: Demnach sollen sich die großen deutschen Autobauer – konkret geht es neben Daimler um Volkswagen, BMW, Audi und Porsche – seit den 1990er Jahren in geheimen Arbeitskreisen getroffen und abgesprochen haben. Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, würde es sich damit um eines der größten illegalen Kartelle der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte handeln. Der Wettbewerb wäre außer Kraft gesetzt, zum Nachteil der Kunden.

Besonders pikant: Auch über Technologien zur Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen sollen sich die Konzerne ausgetauscht und abgestimmt haben. Damit hätten sie womöglich gemeinschaftlich den Grundstein gelegt für den Dieselskandal.

Die Reaktionen der Unternehmen fallen höchst unterschiedlich aus: Von Volkswagen und Daimler soll eine Art Selbstanzeige vorliegen, BMW weist die Vorwürfe hingegen zurück. Anleger reagierten auf die Enthüllungen des Magazins „Der Spiegel“ am vergangenen Freitag alarmiert, die schickten die Aktien der Autobauer auf eine abrupte Talfahrt. Mit Verlusten von zeitweise rund 5 Prozent bildeten BMW, Daimler und Volkswagen die Schlusslichter im Dax.

Aktien der Autobauer unter Beschuss

Generell läuft es nicht besonders gut für die Autobauer an der Börse. Die Aktien von Daimler und Volkswagen haben in den vergangenen sechs Monaten jeweils gut 10 Prozent an Wert verloren, BMW notiert im gleichen Betrachtungszeitraum rund 7 Prozent im Minus.

Die neuerlichen Skandale kann man vor allem deswegen nicht brauchen, weil sich die Branche ohnehin in einer Umbruchphase befindet. Elektroantrieb einerseits und Technologien für selbstfahrende Autos andererseits bestimmen die Zukunftsvisionen, mit Tesla ist hier ein relativ neuer und höchst aktiver Konkurrent auf den Plan gerückt.

Aber die deutschen Autobauer sind gerade vor allem mit sich selbst beschäftigt.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

Regelmäßig Analysen über Aktien erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Felix Reinecke. Über 344.000 Leser können nicht irren.