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Commerzbank Aktie: Commerzbank Aktie: Warum die Quartalszahlen nur auf den ersten Blick gut aussehen

Spätestens seit der Finanzkrise sind Deutschlands Großbanken ihr Saubermann-Image los. Statt biederer Sparbuch-Attitüde haben Glanz und Glamour des internationalen Investmentbankings Einzug gehalten – und Spuren hinterlassen.

Im Zocken um kurzfristige Gewinne sind so manche Banker allein über Boni reich geworden, die Banken verbuchten Milliardengewinne. Doch nach und nach kommt raus, dass es dabei zumindest juristisch nicht unbedingt mit rechten Dingen zuging. Dunkelgrauzonen wurden betreten und teils klar überschritten.

Steuerzahler werden vermutlich Minus machen

Manipulationen, Skandale, Steuerhinterziehung – immer mittendrin: Deutsche Bank und Commerzbank. Letztere wurde im Zuge der Finanzkrise vom deutschen Steuerzahler gerettet, seitdem ist die Bundesregierung mit einem Anteil von rund 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank. Das ist nunmehr 10 Jahre her, seitdem wartet das Finanzministerium auf einen guten Zeitpunkt zum Ausstieg, bei dem der Steuerzahler zumindest keine Verluste macht.

Doch der Weg dorthin ist noch denkbar weit. Wie Analysten jüngst vorgerechnet haben, müsste die Commerzbank Aktie bei mehr als 25 Euro notieren, damit der Staat seine Nullnummer realisieren kann. Stattdessen bewegt sich der Kurs – trotz steilen Anstiegs in den vergangenen Monaten und einem Plus von knapp 80 Prozent auf Jahressicht – gerade im Bereich um die 12 Euro.

Q3 Bilanz – nur auf den ersten Blick erfreulich

Die Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal lassen sich nun positiv oder negativ interpretieren: Die gute Nachricht ist, dass die Commerzbank den Sprung zurück in die Gewinnzone geschafft hat und ein Quartalsergebnis von 472 Euro verbucht nach einem Verlust von 288 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Die schlechte Nachricht ist, dass dieser Gewinnsprung lediglich auf einmaligen Sondereffekten beruht. Sie hat sich von Beteiligungen getrennt und das Gebäude, in dem sie ihren Hauptsitz hat, den Frankfurter „Commerzbank Tower“, verkauft. Beides bessert die Bilanz auf, zumindest für den Moment.

Commerzbank Aktie – wann greift der Umbau?

Grundlegend aber kämpft die Commerzbank mit den gleichen Problemen wie schon seit Jahren. Die Kostenstruktur konnte bislang nicht nachhaltig verbessert werden, stattdessen bleiben die Ausgaben unverändert hoch – trotz des tiefgreifenden Umbaus, den das Geldhaus seit etwa einem Jahr massiv vorantreibt.

Dabei soll das Privatkundengeschäft ausgebaut werden, während zugleich Stellen wegfallen. Letzteres verursacht Abfindungskosten, ersteres schlägt sich zwar in steigenden Kundenzahlen nieder, zahlt sich aber finanziell bisher nicht aus.

Zudem reißen die Probleme nicht ab: Kaum ist ein Skandal erledigt, winkt schon das nächste Desaster. Beispiel gefällig? Jahre hat die Commerzbank gebraucht, um die maroden Schiffskredite aus den Büchern zu kriegen – und nun, da diese Baustelle erledigt ist, muss das Management eingestehen, dass das Geldhaus in die berüchtigten Cum-Ex-Geschäfte verwickelt ist.

Das Drama ist demnach noch lang nicht ausgestanden. Wie lang der Bund noch warten muss, um heil aus der Sache herauszukommen? Ungewiss. Auch Analysten sehen nach der jüngsten Rally kaum noch weiteres Aufwärtspotenzial, die Mehrheit rät lediglich zum Halten der Commerzbank Aktie.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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