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BASF Aktie: BASF: Gewappnet für die Zukunft?

Die vergangenen Jahre waren äußerst turbulent für die Chemiebranche. Es wurde fusioniert, zugekauft und abgespalten, was das Zeug hält. Nur ein Big Player hat sich angesichts der Übernahmewelle auffällig zurückgehalten: BASF.

Der Ludwigshafener Traditionskonzern bleibt sich und seinem Konzept auch nach über 150 Jahren Unternehmensgeschichte treu. Das bedeutet, man setzt auf eine breit angelegte Aufstellung und stellt die allermeisten Chemikalien selbst her in einer Art Kettenproduktionsprozess: Die Grundstoffe werden weiterverarbeitet und die so entstehenden Erzeugnisse wiederum weiterverwertet. Der Ludwigshafener Standort mit seinen kilometerlangen Rohrleitungen, die die verschiedenen Stationen miteinander verbinden, symbolisiert diese Produktionskette auf beeindruckende Weise.

Branche konzentriert sich – BASF bleibt sich treu

Mit seiner Ausrichtung, die einst Konkurrenten wie Bayer als Vorbild diente, steht BASF mittlerweile ziemlich allein auf weiter Flur. Die anderen Branchengrößen haben längst damit begonnen, unprofitable Geschäftsbereiche abzuspalten und sich auf einige, wenige Sparten zu fokussieren.

Das gilt für den Leverkusener Bayer-Konzern, der sich erst kürzlich von seinem Lack- und Schaumstoffgeschäft getrennt und dieses unter dem Namen Covestro an die Börse gebracht hat. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurden einstige Bayer-Bereiche ausgelagert und firmieren heute unter der bekannten Marke Lanxess.

Den Trend zur Spezialisierung auf die Spitze treibt aber wohl der Zusammenschluss von Dow und Dupont: Die US-Firmen planen nach ihrer Fusion sogleich eine Aufspaltung in drei Kernbereiche.

Filetstücke auf der Resterampe?

BASF selbst ging bei der Übernahmewelle in der Chemiebranche bislang leer aus, bestenfalls passen ein paar Abfallprodukte der Konkurrenz ins eigene Portfolio, doch das ist längst nicht garantiert. In Ludwigshafen hofft man auf entsprechende Auflagen von Seiten der Wettbewerbshüter: Sollten bestimmte Bereiche bei einer Fusion zwangsausgelagert werden, könnte BASF hier zuschlagen. Bislang jedoch gibt man sich als geduldiger Zuschauer.

Diese Strategie könnte nach Einschätzung von Kritikern über kurz oder lang nach hinten losgehen. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz ist BASF weniger wendig und flexibel und braucht somit länger, um sich auf neue Herausforderungen einzustellen.

BASF Aktie: Stark genug für neue Konkurrenz?

Hinzu kommt die begründete Sorge vor neuer Konkurrenz aus dem Mittleren und Fernen Osten: Sowohl in Saudi Arabien als auch in China entstehen aktuell Chemiekonzerne, die europäischen Wettbewerbern gefährlich werden könnten. Mit Saudi Aramco wandelt sich derzeit der weltgrößte Ölkonzern in Richtung Chemie, was als notwendig erachtet wird angesichts der schwierigen Lage nach zweieinhalb Jahren niedriger Ölpreise. In China ist Chemchina mit der Übernahme von Syngenta beschäftigt und soll anschließend mit Sinochem zusammengeführt werden.

Vor allem durch günstigere Produktionskosten aufgrund geringerer Aufwendungen für Ressourcen wie Personal oder Rohstoffe wie Öl könnten Saudi Aramco und Chemchina einige Schlagkraft entwickeln. Ob eine Spezialisierung wie bei Bayer oder eine breite Aufstellung wie bei BASF sich langfristig als bessere Strategie erweisen, um sich dem entgegenzustemmen, bleibt abzuwarten.

Die BASF Aktie jedenfalls hat trotz allem ein recht erfolgreiches Jahr hinter sich, in den vergangenen zwölf Monaten verbuchte das Papier einen Anstieg um rund 50 Prozent. Analysten zeigten sich zuletzt optimistisch, dass es auch 2017 weiter aufwärts geht: Sie empfahlen das Papier mehrheitlich zum Kauf, die Kursziele belaufen sich auf bis zu 110 Euro (Citigroup). Zuletzt kostete die BASF Aktie knapp 90 Euro.

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Über den Autor Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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