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Allianz Aktie: Allianz nach Verkaufsempfehlung unter Druck

Die Zinsen sind niedrig. Das gilt trotz der jüngsten Zinsanhebungen der Federal Reserve in den USA, wo der Leitzins sich dennoch auf historisch niedrigem Niveau bewegt. Für Europa gilt es allemal, denn die Europäische Zentralbank setzt im Gegensatz zur US-Notenbank bislang nicht auf Zinserhöhungen und hat dies auch für die nächste Zeit erst einmal ausgeschlossen.

Neben Anlegern trifft diese Zinspolitik vor allem die Versicherungsbranche. Insbesondere Lebensversicherungen sind in den vergangenen Jahren zunehmend in Verruf geraten, einige Versicherer haben damit begonnen, sich von teuren Altverträgen zu verabschieden. Nicht so die Allianz: Sie hält fest an früher abgeschlossenen Produkten. Doch im Vergleich zu Policen, die vor 30 Jahren abgeschlossen wurden, lohnt sich eine Lebensversicherung aus Sicht der Kunden heute kaum noch.

Allianz punktet bei Lebensversicherungen

Umso mehr überrascht, dass die Allianz für 2016 gerade in diesem Bereich gute Geschäftszahlen meldet. Deutschlands größter Versicherungskonzern hat es offenbar geschafft, sich auf das Niedrigzinsumfeld einzustellen und entsprechend zu reagieren.

Die Allianz Deutschland verbuchte im Bereich Lebensversicherung bei den Beitragseinnahmen ein Plus

von 6,4 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro, das Geschäft mit Neuverträgen wuchs um 21 Prozent. Damit entwickelte sich die Sparte besser als andere Geschäftsbereiche des Dax-Konzerns.

Das Betriebsergebnis der Schaden- und Unfallversicherung ging im Vergleich zum Vorjahr um 7,8 Prozent zurück auf 1,1 Milliarden Euro, was auf höhere Kosten durch Großschäden zurückgeführt wurde. Auch in der privaten Krankenversicherung rutschte das Ergebnis deutlich ab um 21,4 Prozent binnen Jahresfrist, der operative Gewinn ging im gleichen Zeitraum auf 168 Millionen Euro zurück. Der Vorstand begründete dies mit Investitionen vor allem im Bereich Digitalisierung.

Unterm Strich verbuchte die Allianz jedoch ein Plus von 12,4 Prozent auf fast 2 Milliarden Euro beim Nettogewinn. Anleger dürfen sich neben einer hübschen Dividendenrendite von 4,3 Prozent auch über den zuletzt wieder gestiegenen Aktienkurs freuen: Auf Jahressicht legte die Allianz Aktie um rund 19 Prozent zu und pendelte zuletzt um die Marke von 170 Euro.

Allianz Aktie: Analysten uneins

Die Reaktionen der Analysten auf die Gemengelage fallen indes gemischt aus. Die meisten Beobachter bescheinigen der Allianz Aktie weiteres Aufwärtspotenzial, wobei die Dimensionen unterschiedlich gesehen werden: Viele sehen das Papier mit 175 bis 185 Euro nur knapp über seinem aktuellen Kurs, während beispielsweise die Experten von JP Morgan mit einem Kursanstieg auf 199 Euro rechnen und damit das höchste Kursziel ausgeben.

Zeitgleich veröffentlichte die Société Générale in der vergangenen Woche eine gegenteilige Einschätzung: Mit Blick auf mangelnde Kosteneinsparungen und dadurch fehlende Wachstumsperspektiven senkte Analyst Nick Holmes das Kursziel von 175 auf 155 Euro und sprach sich für Gewinnmitnahmen aus. Anleger folgten dieser Empfehlung und verpassten dem Kurs zum Wochenausklang einen Dämpfer. Langfristig jedoch ist noch nichts entschieden.

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Über den Autor
Felix Reinecke

Nach mehreren Stationen bei renommierten deutschen Tageszeitungen berichtet er seit 2016 regelmäßig für den Investor Verlag über die wichtigsten Ereignisse in der Wirtschaftsbranche - egal ob Mittelstandsunternehmen von der schwäbischen Alb oder IT-Konzern aus dem Silicon Valley.

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