Bulle & Bär. Hausse & Baisse. Rauf und runter.
Schaut man sich die Charts bekannter Börsenbarometer wie MSCI, S&P 500 oder Dax an, wird auf den ersten Blick klar, was Statistiker und Börsenanalysten Mantra-mäßig wiederholen: Langfristig kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung – nach oben.
Dabei liegt die Betonung auf dem eher unscheinbaren Adjektiv „langfristig“. Sind das fünf Jahre, zehn Jahre, 20 Jahre oder noch mehr Jahre? Sicher ist allein, dass wir alle – um einen uralten Börsen-Kalauer zu zitieren – langfristig tot sind …
Doch bis dahin vergehen ab Geburt gerechnet 80 bis 85 Jahre. Ausreichend Zeit, falls denn alles gutgeht und man als Investor in mehr als der Hälfte der Fälle ein glückliches Händchen hat, durchaus prächtige Renditen mit Aktienanlagen einzufahren. Doch wohl jeder von uns hat über die Jahre und Jahrzehnte wiederholt Wechselbäder der Gefühle erlebt.
Auf und Ab sind an den Börsen Alltag
Also Phasen an den Börsen, in denen die Aktienkurse scheinbar ungebremst zulegten und Jahresgewinne ab 30 Prozent aufwärts erzielten. Aber es gab auch Zeiten, da rauschten börsennotierte Unternehmensbeteiligungen, wie es schien, ungebremst in die Tiefe. Jene Aufs und jene Abs wird es auch in Zukunft geben, weil die einfach zu Aktieninvestments dazugehören.
Denn mal regieren die Bullen und ein anderes Mal die Bären. Da gilt es, sobald die Börsen gen Süden zeigen, die Nerven zu behalten. Und auch einmal an Gewinnmitnahmen zu denken, sobald die Aktienmärkte ein Hoch nach dem anderen markieren. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass Bulle & Bär als Metaphern für starke und schwache Aktienmärkte stehen?
Die Geschichte von Bulle & Bär
Die – oft auch nur vorübergehende – Entwicklung an den Aktienmärkten mit Tiernamen zu versehen, hat etwas recht Naiv-Possierliches. Wobei beide, Bulle und Bär, alles andere als Kuscheltiere sind. Man begegnet dem einen in der Regel auf der Weide, dem anderen im Wald. In beiden Fällen dürfte selbst für ausgesprochene Tierfreunde „Abstand halten“ oberstes Gebot sein.
Doch seit wann gehen Bulle & Bär auf der einen und Aktieninvestments auf der anderen Seite gleichsam Hand in Hand? Die Ursprünge dieser recht eigenwilligen rhetorisch-metaphorischen Symbiose datieren angeblich auf das 17. Jahrhundert. Tatsächlich gab es damals bereits Investmentmärkte – letztlich initiiert durch die Niederländische Ostindien-Company (VOC), die als erstes Unternehmen Aktien ausgab und eine Börse in Amsterdam etablierte – den Vorläufer moderner Investmentmärkte. Geld angelegt wurde in Gewürze und koloniale Rohstoffe, überdies auch in Edelmetalle, Kunst und Immobilien. Es gab sogar erste Spekulationsblase wie die bei Tulpenmanie.
Seit jeher profitieren Investoren von Bullenmärkten und leiden unter Bärenmärkten. Bei den erstgenannten lassen wir Gewinne laufen, bei denen zweitgenannten gilt es, Verluste zu begrenzen. Doch woran erkennt man einen Bärenmarkt?
Kriterien eines Bärenmarktes
Sind über längere Zeit fallende Kurse bereits ein Bärenmarkt? Nicht unbedingt, denn dessen Hauptkriterium ist, dass die – in unserem Fall – Aktien um mindestens 20 Prozent im Vergleich zu den jüngsten Höchstständen abrutschen. Investoren halten sich weitgehend zurück, die Nervosität steigt. Ein Bärenmarkt kann etliche Monate dauern oder sogar mehrere Jahre. Im statistischen Schnitt kommt es alle drei bis fünf Jahre zu einem ausgedehnten Bärenmarkt, woran sich steigende Kurse im Rahmen eines Bullenmarktes anschließen.
Um Missverständnissen und übertriebenen Ängsten vorzubeugen: Falls Aktienkurse sich eine Zeit lang Richtung Süden bewegen, ist dies nicht unbedingt ein Bärenmarkt. Befristete Kursverluste von um die zehn oder auch 15 Prozent sind in der Regel eine „Korrektur“, während derer die Märkte und somit Investoren neue Kraft schöpfen – im Idealfall für den nächsten Aufschwung. Trigger für den Start eines Bärenmarktes hingegen können eine Rezession sein, die hohe Inflation, geopolitische Krisen. Im schlimmsten Fall alle drei zusammen.
Schutz vor (hohen) Verlusten in Bärenmärkten
Es gibt tatsächlich die eine oder andere Stellschraube, insbesondere für private Anleger, um dramatische Verluste in Bärenmärkten zu begrenzen. Zum einen die alte Regel: Nicht alle Eier in einen Korb legen. Anders ausgedrückt: breite Diversifizierung über unterschiedliche Assetklassen. Dazu zählen neben Aktien auch Festzinspapiere, Edelmetalle und Immobilien(fonds). Auch Kryptowährungen können in angemessenen Dosen Risiken aus einem Portfolio nehmen. Ausschließlich auf Aktien bezogen empfehlen sich (Investmentfonds)-Sparpläne. Dank des Cost Average sorgen fallende Märkte unterm Strich für günstige Einstandspreise. (Semi-)Profis unter den privaten Anlegern schließlich sichern Aktienportfolios durch Short-ETFs, Put-Optionen und/oder Short-Zertifikate ab.