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Aktien: Abercrombie & Fitch: Panik-Montag lässt Anleger zittern

Der gestrige Montag war ein wirklich tiefschwarzer Tag für den angeschlagenen US-Modekonzern Abercrombie & Fitch (A&F), zu dem auch die Zweitmarke Hollister gehört. Die Aktie fiel im New Yorker-Handel um über 21%, nachdem es sich ausfantasiert hatte mit der Übernahmefantasie.

Das Unternehmen mit Sitz in New Albany (Ohio) erklärte den Versuch eines Verkaufs an Investoren für gescheitert. Ein weiterer Rückschlag für den Konzern, für den es ohnehin in den letzten Jahren eher bescheiden lief. Aber von vorn…

„Willst du gelten, mach dich selten“ – dieser von Großmüttern gerne erteilte Flirttechnik-Rat gilt offenbar auch für Modeunternehmen, zumindest im Fall von Abercrombie & Fitch.

Eigentlich hatte das Unternehmen Kultstatus bei Teens und Twens, die Marken des Konzerns waren beliebt und heißbergehrt. Wollte man „in sein“, so musste man zumindest ein, zwei Kleidungsstücke der Amerikaner zuhause im Schrank hängen haben.

Mit der Expansion begann Abercrombies Stern zu sinken

Die Beliebtheit der A&F-Klamotten bei europäischen Jugendlichen speiste sich aber insbesondere daraus, dass das Unternehmen außerhalb der USA gar nicht vertreten war. Das machte das Label erst richtig interessant.

Jugendliche ließen sich scharenweise die Kleidungsstücke von Freunden oder Bekannten aus den USA mitbringen, wenn diese dort ihren Urlaub verbrachten.

Erst 2011 wurde in Düsseldorf eines der ersten A&F-Geschäfte in Kontinentaleuropa eröffnet, schnell folgten Stores in weiteren europäischen Städten.

Und hier schließt sich der Kreis zu Großmutters gut gemeintem Dating-Ratschlag: Ist man für einen Mann immer „präsent“ und eine zu leicht zu erobernde „Beute“, ist man ganz schnell abgeschrieben. An die Ware von A&F konnte man nun auch diesseits des Atlantiks ganz einfach heran.

Die Kleidung war leicht verfügbar und für viele Jugendliche rutsche sie damit in die Kategorie „Mainstream“ ab.

Ex-CEO Michael Jeffries sorgte für ein kontroverses Image

Auffällig wurde das Unternehmen aber auch aufgrund seines exzentrischen Ex-CEOs und Chairmans Michael Jeffries. A&F heimste sich wegen Jeffries diskriminierender und teilweise rassistischer Attitüde zunehmend Kritik ein.

Er sorgte für ein kontroverses Image, indem er sagte, er wolle nur durchtrainierte Kunden mit Waschbrettbauch, „coole, attraktive Menschen“. Für Mitarbeiter galten übrigens die gleichen hohen Ansprüche: Als Verkäufer hatten nur diejenigen Chancen, die mit Modelmaßen aufwarten konnten.

Die Folge: Jeffries nahm Ende 2014 seinen Hut, aber der Konzern kam nicht aus der Krise. Die Verkäufe sinken seit vier Jahren.

Und nun der nächste Rückschlag: Die Übernahmepläne sind geplatzt. Trotz verschiedener Interessenten und vorläufiger Gespräche mit potenziellen Investoren seien die Verhandlungen beendet worden, teilte Abercrombie & Fitch gestern mit.

Nach „umfassender Überprüfung aller relevanten Faktoren“ sei der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen, dass die entschlossene Ausführung des eigenen Geschäftsplans im besten Interesse der Aktionäre sei, sagte Vorstandschef Arthur Martinez.

Doch die Marktreaktion macht deutlich, dass Anleger wenig Vertrauen haben – sie schickten die Aktie auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren.

Chart: Abercrombie & Fitch-Aktie

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(Quelle: comdirect.de)

Abercrombie & Fitch galt mit körperbetonter Kleidung, großformatigen Logos und provokanter anzüglicher Werbung einst als Trend-Label. Nun ist die Aktie am Montagabend bei Handelsschluss an der Wall Street auf 9,59 Dollar zurückgefallen.

Noch im vergangenen Jahr notierte sie oberhalb der 30-Dollar-Marke, 2013 noch über 50 Dollar. Zu ihren Spitzenzeiten im Jahr 2007 brachte es die Aktie sogar auf Kurse oberhalb der 80-Dollar-Marke. Der Abwärtstrend seit dem 2011er-Hoch ist intakt.

An der Börse hatte man auf einen rettenden Investor gehofft. Die Mitteilung, dass ein Verkauf nicht zustande kommt, wurde am Markt als Zeichen gedeutet, dass offenbar sowohl Beteiligungsfirmen als auch Konkurrenten vor einem Sanierungsversuch zurückschrecken.

Sie sehen, was heute „in“ ist, kann morgen schon „out“ sein. Nur wenige Marken wie etwa der Sportartikelhersteller Adidas schaffen immer wieder das Comeback. Wie es mit Abercrombie & Fitch weitergeht, das werden die nächsten Monate bzw. Jahre zeigen.

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Über den Autor
Kathrin Dörfeld

Kathrin Dörfeld betreut als Redakteurin den neuen Dienst Aktien Daily.

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