Zyklisches Verhalten und die guten alten Psychofallen
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 27. Juni 2006 16:00 Uhr
ENL5454
Runter, rauf, runter, rauf – die Börse weiß zur Zeit nicht so Recht, wo sie hin will. Nach dem Einbruch seit Anfang Mai haben sich die Märkte jetzt aber wenigsten etwas beruhigt. In den letzten zwei Wochen ging es sogar ein paar Prozentpünktchen nach oben. Viele Anleger sind inzwischen jedoch nicht mehr investiert. Viele davon sind dummerweise sogar ausgerechnet im Tief vor zwei Wochen ausgestiegen.
Zyklische Anleger verschenken 1,2 Prozent Gewinn im Jahr
Mit der breiten Masse teuer kaufen und dann auch billig verkaufen – das ist leider ein Fehler, der oft gemacht wird. Wie das Deutsche Aktieninstitut DAI herausgefunden hat, geht dieses zyklische Investieren richtig ins Geld. Nach Erkenntnis der DAI-Experten lag nämlich die durchschnittliche jährliche Rendite von Privatanlegern, die nach Kurssteigerungen teuer gekauft und dann nach Kursrückgängen billig verkauft haben, seit 1989 um 1,2 Prozent niedriger, als bei Anlegern, die bei einer Korrektur ruhig blieben und ihren Aktienanteil im Depot konstant hielten.
Rechnen wir einmal, was diese 1,2 Prozent Renditeunterschied pro Jahr auf lange Sicht ausmachen. Der breite Markt mit dem DAX bringt Ihnen langfristig betrachtet eine durchschnittliche Rendite von acht Prozent. Die 1,2 Prozent weniger bei zyklischem Verhalten schmälern Ihren jährlichen Ertrag entsprechend auf 6,8 Prozent.
Sehen wir uns die harten Fakten an: Wenn Sie heute 10.000 Euro anlegen und jährlich acht Prozent Gewinn machen, haben Sie in zehn Jahren rund 21.600 Euro, in 20 Jahren sind es schon 46.600 Euro, nach 30 Jahren ziemlich genau 100.000 Euro. Wenn Sie aber nur 6,8 Prozent durchschnittlich pro Jahr verdienen, sieht die Rechnung vor allem nach 20 und 30 Jahren wegen des Zinseszinseffektes ganz anders aus: Aus 10.000 Euro Startkapital werden dann nämlich nur etwa 37.300 bzw. 72.000 Euro.
Bei 6,8 Prozent Rendite pro Jahr steigt Ihr Ausgangsbetrag in 30 Jahren etwa auf das Siebenfache, bei acht Prozent dagegen auf das Zehnfache! In der Rechnung sind die hohen Bankspesen, die Ihre Gewinne zusätzlich schmälern, noch nicht einmal drin.
Aber eigentlich sollte Ihnen so etwas gar nicht passieren. Denn Börse ist nicht etwas für das Schnelle Geld und auch kein Roulettespiel. Für Normalanleger, die sich nicht jede Minute um die Märkte kümmern können und auch nicht wollen, sind Aktien vor allem langfristig gesehen erste Wahl. Wie die Berechnungen des DAI zeigen, schneiden Sie mit antizyklischem und besonnenem Verhalten auf lange Sicht richtig gut ab.
Tipp:
Vermeiden Sie folgende zwei Fehler:
- Psychofalle Nummer 1: Den Kursen hinterherlaufen: Das passiert vor allem den Übervorsichtigen. Diese Gruppe der Anleger sieht einer Haussephase zu lange zu und steigt meist erst am Ende der Aufwärtsbewegung ein, weil sie nichts verpassen will. Mein Rat für Sie also: Laufen Sie der breiten Masse nicht hinterher!
- Psychofalle Nummer 2: Ohne Plan Spekulieren: Machen Sie sich einen Plan für den Ein- und Ausstieg. Am besten geeignet sind dafür unsere guten alten Bewertungskennziffern: Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV, Kurs-Buchwert-Verhältnis KBV, Dividendenrendite oder die Eigenkapitalquote. Setzen Sie auf Firmen die günstig bewertet sind und bleiben Sie solange investiert, solange die Story intakt ist bzw. bis sie aufgeht. Ist eine Aktie nach den Kennziffern nicht mehr billig, dann weg damit. Und zwar egal, was andere Börsianer dazu sagen.