Zyklische und strukturelle Krisen
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 21. Juli 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Nichts kann so gefährlich sein wie Erfolg, ich erinnere Sie nochmals daran. Im Herbst 2002 sahen die ausländischen Investoren die Handgranate in ihrer Hand, und sie begannen sich zu wundern. Was würde passieren, wenn die anderen Ausländer entscheiden würden, dass sie genug US-Vermögensanlagen hätten? Oder schlimmer noch – was würde passieren, wenn sie plötzlich entscheiden würden, dass sie zu viele hätten?
Es gibt eine schöne Symmetrie bei allen natürlichen Dingen – und Märkte sind natürlich. Niemand designt sie. Niemand kontrolliert sie. Und sie können niemals völlig verstanden oder prognostiziert werden. Alles, was wir haben, ist Intuition ... und Erfahrung. Auf Erfolg folgt Misserfolg, und die Dinge kehren normalerweise zu ihrem fairen Wert zurück. Aber Investoren, die sehr erfolgreich waren, tendieren dazu, zu denken, dass sie außergewöhnlichen Erfolg verdienen, weil sie intelligenter oder glücklicher sind, oder weil ihre Volkswirtschaft, ihre Zentralbank oder ihre Regierung überlegen ist.
Aber die Natur in ihrer gebieterischen Einfachheit verrichten ihre Arbeit, egal, was die Leute denken: Auf warme, sonnige Sommertage folgen kalte, graue Wintertage. Irgendwie muss der Durchschnitt, der sehr langfristige Trend, wiederhergestellt werden. Die Leute können nicht für immer super-zuversichtlich sein. Sie können nicht dauernd super-bullish sein. Sie können nicht super-irgendwas auf Dauer sein. Stattdessen müssen sie ihre guten mit ihren schlechten Tagen in Einklang bringen ... ihre Abenteuerlust mit ihrer Angst ... ihr Yin und ihr Yang, so dass sie sich in der glücklichen Mitte treffen, die wir als "reales Leben" kennen. Vor sehr langer Zeit bemerkten Volkswirte, dass der Handel einem bestimmten natürlichen Rhythmus folgen würde. Sie illustrierten das, indem sie das Muster eines Schweinezüchters beschrieben.
Wenn der Preis für Schweine stieg, dann erhöhten die Farmer, da sie ja rationelle Gewinn-Optimierer waren, die Schweine-"Produktion". Aber es dauerte Zeit, die neuen Schweine aufzuziehen. Ungefähr 18 Monate später erschienen die neuen Mastschweine auf dem Markt. Das neue Angebot führte dazu, dass die Preise fielen – woraufhin die Farmer entschieden, weniger Schweine zu züchten, was dann wieder zu steigenden Preisen führte.
Dieses Muster von Expansion und Rückgang, das man auch für die gesamte Volkswirtschaft nehmen kann, ist das, auf das sich die Volkswirte beziehen, wenn sie vom "Schweinezyklus" sprechen. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Fed dieses zyklische Auf und Ab verstärkt, beim Versuch, diesen Zyklus abzuschwächen. In der Tat sah es so aus, dass die Fed mit ihrem Managen dieser Zyklen so erfolgreich geworden war, dass die die Kunst des Zentralbankings erlernt hätte. Mit anderen Worten: Es sah so aus, als ob sie den Abschwung-Teil völlig eliminiert hätte.
Allerdings gibt es noch einen anderen Typus von Abschwung, der nicht nur zyklisch ist, sondern "strukturell": Dieser Typus tritt dann auf, wenn irgendetwas mit der Struktur der Volkswirtschaft fundamental falsch ist. Seit 1945 hat die amerikanische Volkswirtschaft viele Auf und Abs hinnehmen müssen. Alle Abschwünge bis auf zwei waren von der Fed so beabsichtigt. Diese "geplanten Rezessionen" hatte sie herbeigeführt, um die Wirtschaft abzukühlen und die Inflationsraten zu senken. Mehr dazu demnächst hier im Investor's Daily!