Zweites Rettungspaket für Griechenland beschlossen
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 21. Februar 2012, 13:00 Uhr
ENL5454
es ist DIE Meldung des Tages: Griechenland erhält 130 Milliarden Euro aus dem Rettungsschirm EFSF. Die Euro-Länder haben sich, nach mehr als zwölfstündigen Beratungen, im Grundsatz auf einen Rettungsplan verständigt. Nationale Parlamente, darunter der Bundestag, müssen dem allerdings noch zustimmen. Hierfür ist noch bis Mitte März Zeit, denn dann werden die nächsten Forderungen gegen Griechenland fällig, die das Land nur mit den Hilfsgeldern begleichen kann.
Markt zeigt sich wenig überrascht
Zwar hatte eigentlich jeder bereits mit weiteren Hilfen für Griechenland gerechnet, doch ein kleiner Rest an Unsicherheit ist nun aus dem Markt. Dieser zeigte sich am heutigen Tage bislang recht unbeeindruckt. Während einige ein Überschreiten der 7.000-Punkte-Marke fest auf dem Plan hatten, gab der DAX jedoch eher nach. Wohl, weil im Vorfeld jeder bereits auf ein weiteres Hilfspaket gesetzt und daher bereits gekauft hatte. Nun werden diese Positionen wieder aufgelöst (sell on good news).
Kredithilfen und Garantien
Das neue Rettungspaket in Höhe von insgesamt 130 Mrd. Euro setzt sich aus zwei Positionen zusammen. Zum einen werden Kredithilfen in Höhe von 100 Milliarden Euro für den griechischen Schuldendienst geleistet. Am 20. März muss Griechenland 14,5 Milliarden Euro Schulden tilgen, die das Land ohne die Hilfen schon nicht hätte begleichen können. Zum anderen dienen 30 Milliarden Euro als Anreiz für die privaten Gläubiger, ihre alten Anleihen gegen neue mit langer Laufzeit umzutauschen. Die 30 Mrd. Euro dienen also der Absicherung der neuen Anleihen.
Deutlich geringere Zinsen
Die Zinssätze für die neuen Anleihen sollen bei niedrigen 2% beginnen, steigen später auf 3% und erst nach 2020 auf 4,3%. Insgesamt spart Athen hierdurch in den kommenden 8 Jahren 150 Mrd. Euro.
Auch die Zinsen für das im Mai 2010 gewährte erste Hilfspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro werden deutlich gesenkt und halbieren sich auf 150 Basispunkte über dem Euribor.
Freiwilliger Forderungsverzicht
Der freiwillige Forderungsverzicht erscheint nun so gut wie sicher. Banken, Versicherungen und Fonds werden laut ersten Meldungen unmittelbar auf 53,5% der ausstehenden Kredite verzichten, statt zuvor geplanten 50%. Dies bedeutet für Athen nach Angaben des internationalen Bankenverbands IIF eine weitere Entlastung um 107 Milliarden Euro (zuvor waren 100 Mrd. geplant).
Wer sich nun wundert, warum "nur" 53,5% vereinbart wurden, während doch in der letzten Zeit schon stets von mehr als 70% Forderungsverzicht privater Gläubiger gesprochen wurde, dem dürfte folgende Info helfen: Der Forderungsausfall beinhaltet zum einen den Verzicht auf 53,5% des Nennwertes der Anleihen und zum anderen die entgangenen Zinsen. Damit addieren sich die Abschreibungen auf etwa 70% der Gesamtverbindlichkeit aus Zinsen und Tilgung.
Sperrkonto
Auch das insbesondere von Deutschland geforderte Sperrkonto wird es nun geben. Auf diesem Konto wird künftig außerhalb der Verfügungsgewalt der griechischen Regierung Geld gelagert, mit dem Zinsen und Tilgungen gezahlt werden müssen. Auf dem Konto soll stets ausreichend Geld für die Schuldentilgung der folgenden drei Monate liegen. Bereits ein Teil der neuen Kredite fließt auf dieses Konto.
EZB beteiligt sich (nicht)
Wenn Sie nun des öfteren lesen, auch die Europäische Zentralbank (EZB) würde nun einen Beitrag zur Entschuldung Griechenlands leisten, indem sie künftige Gewinne aus ihren Beständen griechischer Staatsanleihen an die Mitgliedstaaten ausschüttet, dann ist dies keine neue Entwicklung. Denn die EZB schüttet Ihre Gewinne immer an die beteiligten Länder nach einen festgelegten Schlüssel aus. Und die Länder können dies dann frei verwenden, also es auch an Griechenland weitergeben. Eine direkte Staatshilfe ist der EZB nach wie vor nicht gestattet und erfolgt auch weiterhin nicht.