Zweite Schockwelle
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 16. Juni 2009, 07:30 Uhr
ENL5454
Nach fast 100 Tagen Zwischenerholung feierte die Krise am gestrigen Montag ein eindrucksvolles Comeback. Der deutsche Leitindex verlor fast vier Prozent und ging gar unter der Unterstützung von 4900 Punkten bei 4889,94 Punkten aus dem Handel.
Bank- und Autoaktien unter Druck
Einmal mehr waren es die üblichen Verdächtigen, die an der Spitze der Verlierer-Liste bei den deutschen Standardwerten standen. Der Autobauer Daimler (Minus 6,5 Prozent), die Commerzbank (Abschlag in Höhe von 6,42 Prozent) und die Deutsche Bank mit einem Kursrückgang von 5,83 mussten die prozentual höchsten Abschläge hinnehmen. Auch die Siemens-Aktie kam mit fast fünf Prozent unter die Räder. Nicht zuletzt nach der Aussage von Vorstandschef Löscher, der zumindest für Siemens noch keine Anzeichen für das Erreichen der Talsohle sieht.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, diese Krise ist - wie es Herr Löscher trefflich formuliert - in seiner Geschwindigkeit und globalen Ausbreitung einzigartig. Es wäre wahrlich fahrlässig, frühzeitig das Ende auszurufen und zur normalen Tagesordnung" überzugehen.
Nächste Runde der Bankenkrise?
Denn möglicherweise wird es nicht mehr lange dauern, ehe auch in den Massenmedien das Thema Bankenkrise wieder ganz oben auf die Agenda gesetzt werden wird. Ihrem jüngsten Monatsbericht zufolge rechnet die EZB frühestens Mitte 2008 mit einem neuen Wirtschaftsaufschwung. Die Hoffnung auf eine Besserung könnte aber durch eine neue Schockwelle im Bankensektor jäh zunichte gemacht werden. Zwar geht selbst EZB-Finanzstabilitätsexperte Krusec davon aus, dass die Banken in der Eurozone zumindest für das Jahr 2009 ausreichend kapitalisiert seien, um die anstehenden Verluste zu verkraften. Die große Unbekannte sei aber das Jahr 2010.
Sommer der Entscheidung
Falls aber die Rezession länger anhalten werde, kommen immer mehr Firmen unter Druck und stellen den Bankensektor vor eine erneut heftige Belastungsprobe. Sehr spannend wird es insofern schon in den kommenden Monaten, wenn die Verantwortlichen in den Unternehmen schlussendlich entscheiden, ob Kapazitäten und Beschäftigung an die dauerhaft veränderte Marktlage angepasst werden müssen. Anders formuliert, Massenentlassungen, Insolvenzen und signifikante Einkommenseinbußen werden alles andere als dazu beitragen, eine nachhaltige Stabilisierung des geschwächten Bankensektors zu unterstützen.
Ob dann am Ende des Tages der Total-Zusammenbruch der Finanzbranche noch verhindert werden kann, steht auf einem anderen Stern.
Letztlich wäre es wahrlich fatal, derartige Risiken zu unterschätzen und als unwahrscheinlich abzutun.
Werden die Investoren dieses Gefahrenpotential erneut maßloß unterschätzen?