Zweifel an Griechenlandrettung
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 20. Februar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
die Mehrheit der Euro-Finanzminister stellt sich offenbar inzwischen auf ein Scheitern der Griechenland-Rettung am heutigen Montag und damit auf einen Staatsbankrott ein, berichtete am Freitag das Nachrichtenmagazin "Spiegel Online". Grund dafür sei dem Bericht zufolge
die jüngste Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF). Griechenland könnte danach bis zum Jahr 2020 trotz des teilweisen Forderungsverzichts der privaten Gläubiger seine Schuldenlast nur auf 129 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verringern und nicht die vereinbarten 120 Prozent erreichen. Oberhalb dieser Marke betrachtet der Internationale Währungsfonds (IWF) die langfristige Schuldentragfähigkeit als nicht mehr gegeben. Damit wäre ein weiterer Schuldenschnitt nötig, dem die Gläubiger aber wohl kaum zustimmen dürften.
Weiterhin berichtet das Nachrichtenmagazin, dass die Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister am vergangenen Mittwochabend "große Zerwürfnisse offenbart" habe. Der IWF- Vertreter habe erklärt, dass man ein zweites Griechenland-Programm nicht unterstützen werde, solange die Schuldentragfähigkeit des Landes nicht gewährleistet sei.
Unterdessen tauscht die Europäische Zentralbank (EZB) Presseberichten zufolge ihre griechischen Staatsanleihen um, damit sie von einem zwangsweisen Schuldenschnitt über sogenannte Collective Action Clauses (CAC) verschont bleibt. Italiens Ministerpräsident Mario Monti will unterdessen die Euro-Finanzminister dazu bringen, die nächste Griechenland-Tranche bereits heute zu beschließen und damit nicht erst auf einen Beschluss beim nächsten EU-Gipfel warten. Damit könnte die griechische Staatspleite doch noch aufgeschoben werden. Die unendliche Geschichte geht weiter. Polit-Theater vom Feinsten, bis keiner mehr durchblickt. Ich habe den Eindruck, das ist durchaus so gewollt...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Manfred Tischler (20.02. 2012 10:15 Uhr):
Mittlerweile geht mir das Herumeiern der sogenannten Finanzfachleute (für die sich die Politiker offenbar halten) wegen Griechenland gehörig auf den Geist.Als Techniker bin ich alles andere als firm in Geldsachen, aber das braucht es gar nicht: Die Verwendung des Hausverstands genügt, um zu erkennen, dass um jeden Euro schade ist! Griechenland ist in "vernünftigen Denkhorizonten" (was für Wortblasen da oft entstehen...) ganz einfach nicht in der Lage, das Geld zurückzuzahlen, ja mehr noch, dieser Staat beweist beinahe täglich, dass er nicht einmal in der Lage ist, sich selbst zu erhalten! Es versumpft Million um Million, und in einem Jahr wieder und dann erneut und... Die Griechen haben sich mit Hilfe falscher Zahlen in den Euro geschwindelt. An diesem Spiel war deren heutiger Regierungschef maßgeblich beteiligt, um nicht zu sagen, er war der Rädelsführer. Und heut soll genau er der Retter sein??? Raus aus dem Euro! Vielleicht denkt einmal wer darüber nach, dass die Drachme eine Riesenchance für die Wirtschaft dort wäre: Natürlich muss sie erst einmal um Größenordnungen abgewertet werden, Importwaren werden unerschwinglich teuer, aber das ist die Chance für die nationale Wirtschaft: Vieles, was jetzt gedankenlos aus China kommt (oft einfachste Haushaltsgegenstände), entsteht wieder im eigenen Land und belastet nicht mehr die Außenhandelsbilanz! Schlusswort: Je ausgeprägter das Fachwissen, desto mehr verkümmert vielfach der Hausverstand. Die EU bräuchte Leute an der Spitze, die beides haben...
Antworten - Kommentar von Albert Karl (20.02. 2012 13:42 Uhr):
Es sind zuviele Akteure hinter den Kulissen, die - jetzt im Stadium, wo es an das "Eingemachte" geht - mit aller Gewalt versuchen, möglichst Verlustfrei aus dieser Misere herauszukommen. Mir scheint, jede daran beteiligte Institution, aber auch die beteiligten privaten Gläubiger kochnen noch in letzter Minute ihr "Süppchen" . Die letzten "beissen die Hunde" und das sind dann wir europäische Steuerzahler über dem EFSF bzw. ESM.
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