Zweifel an der Höhe des US-Wirtschaftswachstums
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 24. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Ich sagte immer wieder, dass die offiziell angegebene Höhe des US-Wirtschaftswachstums Betrug ist. Es konzentriert sich zu stark auf Immobilien. Die Business Week berichtete, dass 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts heute schon auf Anlagen im Bereich der Wohnungsimmobilien fallen - der höchste Prozentsatz in 50 Jahren. In manchen Gegenden des Landes kommen 50 Prozent des Stellenzuwachses aus diesem Bereich - Immobilienmakler, Finanzierungsgesellschaften, Bauunternehmen, Restauratoren, Gutachter und so weiter.
Was sollte daran falsch sein? Zwei Dinge: Erstens, eine Anlage" bei Wohnungsimmobilien unterscheidet sich nicht sehr von einer Anlage in eine Eiswaffel. Beide sind Verbrauchsartikel und keine Kapitalanlagen. Die Eiswaffel wird sehr schnell verbraucht. Das Haus braucht dazu ein bisschen länger. Das Prinzip ist jedoch das gleiche. Für Beides gibt man Geld aus, um den Lebensstandard zu verbessern. Beide machen einen ärmer und nicht reicher.
Wenn das Wachstum" des Bruttoinlandsprodukts durch die Errichtung von Fabriken erzielt worden wäre, dann sähe die Sache schon ganz anders aus. Fabriken sind Kapitalanlagen. Sie erzeugen Gewinne...welche ein Maß für einen echten Zuwachs des Reichtums sind. Am Ende hat man mehr Kapital als am Anfang. Das ist bei Immobilien anders. Man gibt das Kapital dafür aus...man verbraucht es. Am Ende wohnt man besser...aber man hat weniger Kapital. (Man hat es für das Haus ausgegeben.) Und mit jedem weiteren Tag wird das Haus verbraucht...es amortisiert sich mit der Zeit...bis es nötig wird, das Haus neu zu bauen.
Das zweite Problem an der Sache ist, dass Häuser in Amerika nicht mit Kapital finanziert werden. Wer bezahlt eine Wohnung schon in bar? Nun, manche tun das. Aber die Meisten kaufen Häuser von Geld, das sie nicht haben. Sie leihen einen immer größer werdenden Teil des Kaufpreises. In diesem Fall benutzen sie nicht ihre Ersparnisse und verbrauchen sie. Sie verbrauchen Geld, das sie noch nicht einmal verdient haben, ganz zu schweigen davon, dass sie es gespart hätten. Es ist, als kauften sich Leute eine Eiswaffel und einigten sich darauf, diese erst in der nächsten Woche zu bezahlen.
Nimmt man an, dass sie immer gleich alles ausgegeben, was sie verdienen, dann werden sie die Ausgaben der folgenden Woche zurückfahren müssen. Sie werden nicht nur auf eine weitere Eiswaffel verzichten müssen, sie werden auch noch auf etwas anderes verzichten müssen, um für die Eiswaffel zu bezahlen, die sie schon gegessen haben.
Die Leute, die im amerikanischen Heimatland sitzen, leihen immer mehr Geld, damit sie es für Konsumgüter ausgeben können - insbesondere für neue Häuser. Es könnte sich als unmöglich herausstellen, diesen Trend aufrecht zu halten." Die Amerikaner haben gelesen, dass ihre Wirtschaft wächst...und deshalb nehmen sie an, dass alles ganz gut läuft.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rue (24.08. 2010 20:48 Uhr):
Hi Bill, vor Jahren (lange vor dem Crash) bereiste ein BBC Team die USA und drehte einen Fim über das Konsumverhalten der Amerikaner. Dazu befragte das BBC Team die Leute, die gerade Berge voller Einkaufswagen rausschleppten, womit sie den Einkauf bezahlt hatten. Stereotype Antwort war, natürlich mit der Creditkarte. 2. Frage, und ist das Konto gedeckt? Nein, war die ebenso überzeugte Antwort. Warum kaufen sie dann, wenn sie das Geld nicht haben? Antwort: Ich will heute leben und nicht erst morgen.
Antworten - Kommentar von Sailor Jo (25.08. 2010 03:33 Uhr):
Klipp und klar gesagt. Prima! Die Amis lieben das "Geschaefte machen", den "deal". Ich sehe Mietobjekte als Dienstleistungen. Keine Dienstleistung schafft Werte. Dienstleistungen sind ein Klotz am Bein. Da Produktion immer mehr zurueckgeht, nimmt der Dienstleistungssektor zu. Fatal! Wenn doch nur endlich mal ein paar starke Wirtschaftfuehrer sich mit ein paar klar sehenden Politikern zusammen tun wuerden und das Abgleiten in die Dienstleistungs-Dekadenz umkehren wuerden! Das waere mehr als einen Nobelpreis wert!
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