Zwei weniger schöne US-Statistiken
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 5. November 2010, 16:00 Uhr
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wenn man zahlreichen Medien glaubt, so befinden sich die USA in einer wirtschaftlichen Erholung. Diese könnte zwar stärker sein, aber es geht eher auf- als abwärts, so vielerorts der Tenor.
Sieht man jedoch einmal hinter die Fassade, gibt es unter anderem zwei ganz besondere Statistiken, welche ein Bild zeichnen, was zeigt, dass die Erholung, sofern in real überhaupt vorhanden und nicht nur künstlich herbeigerechnet, an den Menschen vorbeigeht.
Amerikaner auf Lebensmittelmarken
Gerade erst im August stieg die Anzahl der Amerikaner, die von staatlichen Lebensmittelgutscheinen abhängen, erneut um eine halbe Million. Damit ist diese Statistik bei einem Allzeithoch von 42,4 Millionen Menschen, die sich auf die Regierung verlassen, um ihre absoluten Grundbedürfnisse gestillt zu bekommen.
Im Jahresvergleich ist die Anzahl der Lebensmittelmarkenempfänger damit um 17% gestiegen. Im Vergleich zum August 2007, also zu vor der Krise, liegt der Anstieg gar bei 58.5%
Als Lebensmittelmarkenempfänger enden hauptsächlich die Amerikaner, welche ihre Arbeit verloren haben und keinen neuen Job mehr finden, womit wir auch schon bei der nächsten Statistik wären, der amerikanischen Arbeitslosenstatistik.
US-Arbeitslosenstatistik: Interessante Teilgrößen
Wie Sie wissen, gibt es bei komplexeren Statistiken, dabei die US-Arbeitslosenstatistik natürlich eingeschlossen, zahlreiche Unterkategorien.
Im Falle der US-Arbeitslosenstatistik fällt hierunter etwa die Kategorie "People who want a job now" [=Leute, die jetzt sofort einen neuen Job möchten] oder die Anzahl derer, die nicht in der "Labor Force" sind [d.h. die Leute, welche nicht für die Arbeitslosenstatistik berücksichtigt werden, da man sie nicht mehr zur "arbeitenden Bevölkerung" zählt].
Auch hier gab es interessante Entwicklungen, welche unter anderem der amerikanische Börsenblog "Zerohedge" in einem kleinen Artikel sehr gut zusammenfasst.
Haben wir es wirklich mit einer wirtschaftlichen Erholung zu tun?
Diese Frage mit "Ja" oder "Nein" zu beantworten, ist sicherlich zu einfach. Festhalten lässt sich, dass die US-Regierung und die amerikanische Notenbank alles versuchen, um eine Rezession zu vermeiden, koste es, was es wolle.
Dies führt mit Sicherheit in einigen Bereichen dazu, dass es vorübergehende Aufwärtsbewegungen gibt. Diese sind jedoch meist künstlich angeheizt und dürften kaum dauerhaft nachhaltig sein.
Die tieferliegenden Probleme wurden nicht nur in den USA seit Beginn der Krise noch nicht angepackt und gekonnt vermieden. Dabei wäre gerade eine Rezession nötig, um zahlreiche Fehlentwicklungen, welche durch ständiges Herummanipulieren an und Stören der Wirtschaft in den USA in den letzten Jahrzehnten immer mehr Einzug hielten, zu korrigieren.
Soweit wird es aber nicht kommen, so lange die aktuellen Täter weiter an den Schalthebeln bleiben.
Viel mehr gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Jahren mehr und mehr Gelddruckerei sehen werden.
Eine Nebenwirkung hiervon werden sicherlich steigende Zinsen sein. Mein Kollege Jeff Clark beobachtet hier auch schon mit Sorge die Entwicklungen und hat daher im zweiten Artikel der heutigen Ausgabe eine klare Warnung für Sie.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Beste Grüße
P.S.:
Abschließend möchte ich noch auf die kleine Diskussion zum Thema "Freigeld" hinweisen, die sich doch noch entwickelt hat (und danke allen bisherigen Kommentatoren unter Ihnen für Ihre Teilnahme). Einfach ans Ende des Artikels scrollen. Hier können Sie mehr lesen...
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Paul Höß (05.11. 2010 22:34 Uhr):
42,4 Millionen Menschen, die sich auf die Regierung "verlassen", um ihre absoluten Grundbedürfnisse gestillt zu bekommen. Mehr Zynismus geht wohl nimmer. Der Heilige Markt würde es sicher richten, wenn nur nicht die Verbrecherische Regierung es immer wieder verhinderte. Der Glaube an von Mises gibt die unerschütterliche Kraft alle Realitäten zu ignorieren. Realität ist, daß ein positiver Zinssatz (=Armensteuer) den kontinuierlichen Kapitaltransfer von den Habenichtsen zu den Kapitalbesitzern erzwingt. Wenn es dann wieder genügend solche gibt, die mutwillig nichts mehr zu beißen haben, gibt es halt den nächsten größeren Krach, 2008 war noch nix los. Mal sehen ..
Antworten- Antwort von Alexander Hahn (07.11. 2010 16:43 Uhr):
Sehr geehrter Herr Höß, herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ich denke, mein Artikel war an der besagten Stelle missverständlich bzw. unbeabsichtigt unglücklich formuliert. Was ich meinte ist, rund 42 Millionen Menschen, die auf die Regierung angewiesen sind und sich somit auf diese verlassen müssen. Ich bin selbst öfters in den USA und habe dort auch einige Zeit gelebt und gearbeitet. Die Realitäten sind mir soweit auch besonders abseits der touristischen Zentren und Städte bekannt. Keinesfalls würde es mir in den Sinn kommen, diesen Leuten pauschal zu unterstellen, sie würden sich auf Lebensmittelmarken ausruhen. Auf einen gewissen Prozentsatz trifft dies zwar definitiv zu (wie auch in der BRD bei einen Hartz IVlern). Es gibt aber sicherlich noch deutlich mehr Menschen, die es gerne anders hätten und sehr an ihrer Situation leiden. Im Zins alleine hier das Übel zu sehen halte ich für etwas zu kurz gegriffen. Nicht mal Gesell selbst beschränkte sich nur hierauf. Darum sehe ich auch Freigeld sicher nicht als das heutzutage gerne von den Gesell'schen Anhängern gepriesene allheilende Wundermittel (im Gegenteil...). Dass allerdings das aktuelle Geldsystem ein weltweiter Betrug zugunsten weniger und gegen die Massen der Menschen ist und so nicht dauerhaft Bestand haben kann und darf, darüber braucht es sicher keine Diskussion, denn da stimme ich Ihnen völlig zu. Beste Grüße Alexander Hahn
- Antwort von Alexander Hahn (07.11. 2010 16:43 Uhr):