Zwei Arten von Kenntnis und zwei Arten von Denken
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 14. März 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Nietzsche spezifizierte zwei verschiedene Arten von Kenntnis. Da gibt es die Dinge, die man durch persönliche Erfahrungen und Beobachtung kennt. Diese nannte er Erfahrung". Daneben gib es noch das abstrahierte Wissen, von dem man denkt, dass man darüber Kenntnis hat, in Wirklichkeit jedoch übernimmt man nur die Kenntnis desjenigen, der seine Erfahrung über Zeitungen oder Diskussionsforen verbreitet. Das nannte Nietzsche Wissen".
Was Nietzsche übersah, war, dass es nicht nur zwei verschiedene Arten der Kenntnis gibt, sondern auch zwei vollkommen unterschiedliche Formen des logischen Denkens bzw. der Schlussfolgerung.
Die erste Art logischer Schlussfolgerung bezieht sich auf Sachverhalte, die sich von Begebenheiten des täglichen Lebens ableiten lassen. Wenn Sie jemanden beobachten, der sehr hoch in eine Baumkrone klettert und diese dann mitsamt dem Kletterer abbricht, dann können Sie daraus ableiten, dass Ihnen bei gleichem Tun dasselbe passieren könnte. Der Tradition Nietzsches folgend nenne ich diese Art der Schlussfolgerung schwer überlegen", da sie die logische Folgerung anhand der unmittelbaren Erfahrung bzw. Beobachtung mit einschließt.
Wenn man aber seine Gedanken auf den Krieg gegen den Terror oder die nächsten Wahlen richtet, dann durchläuft man einen völlig anderen Denkprozess. Anstatt über Sachen nachzudenken, die man kennt, denkt man über Dinge nach, die man gar nicht kennen und deshalb auch nicht erklären kann. Ich nenne diese Art des Denkens das Lumpendenken". Schlägt man z.B. eine beliebige Zeitung auf, dann wird man höchst wahrscheinlich einen ähnlichen Artikel finden wie den von Zbigniew Brzezinski in der International Herald Tribune mit dem Titel Zeit, für Amerika einzuschreiten." Schon befinden wir uns in einer anderen Welt.
Ich widerspreche Brzezinski. Amerika kann nicht einschreiten, da eine Nation nur als abstrakte Entität existiert. Ein amerikanischer Soldat kann jemanden erschießen, ein amerikanisches Flugzeug kann eine Bombe abwerfen, doch Amerika an sich ist für ein Einschreiten viel zu groß. Was auch immer Amerika tut, es wird nur von einer verschwindenden Prozentzahl getan werden...die meisten Amerikaner werden keine Rolle spielen, manche werden sich den Maßnahmen widersetzen, und an mehr als nur einigen werden die Ereignisse völlig unbemerkt vorübergehen.
Was für Interessen spielten eine Rolle, so könnte man fragen und wie konnte jemand überhaupt wissen, was ein Einschreiten im Hinblick auf all diese Interessen bezwecken sollte? Nicht im Entferntesten konnte der Autor des Artikels darauf eine Antwort geben, jedoch hielt das Brzezinski nicht davon ab, ihn zu schreiben. Letztendlich werden die 4,8 Millionen Juden in Israel die andauernde Unterdrückung von 4,5 Millionen Palästinensern (von denen 1.2 Millionen israelische Bürger zweiter Klasse sind) nicht durchhalten. Über diese Vorgehensweise," so mahnte er, würden die Israelis ihre eigene Demokratie und ihre eigenen Moralvorstellungen und damit auch die Selbstachtung aufs Spiel setzen."
Unter diesen Umständen kann Amerika die weltweite Meinung zu diesem Thema nicht ignorieren..."
Ich habe keine Meinung zur Situation im Nahen Osten. Ich bin US-Amerikaner, aber ich zeige auch nicht mehr Interesse an dem, was zwischen Israel und Palästina passiert, als an dem Verhältnis zwischen Simbabwe und Südafrika. Ich zeige bloß auf Brzezinskis Ansichten, als Beispiel für Lumpendenken.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Karl Ludwig Kunstein (14.03. 2011 08:54 Uhr):
Dieses Lumpendenken wird leider von der "Journaylle" in immer stärkerer Weise unterstützt indem sie verzerrende, aus dem zusammenhang gezogende Zitate an "ihren" Stellen drucken, korrekte und zum Ausgleich geeignete Informationen weglassen etc. Das sind klassische Instrumente der "Psychologischen Kriegsführung" und dienen lediglich dem "Gemeinwohl, ....mein Wohl....mein Wohl. Egozentriker und Narzisten aller Länger vereinigt euch.
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