Zwei Arten der Inflation
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 30. Mai 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Es gibt zwei Arten von Verbraucherpreisinflation. Es gibt die Inflation durch Druck auf Lohnseite… und die Inflation durch Zug auf der Kostenseite.
Oder ist es andersherum? Ganz egal. Die bekannteste Art der Inflation kommt dann, wenn sich eine Wirtschaft aufheizt… dann brauchen die Unternehmen mehr Arbeitskräfte… und deswegen verlangen die Arbeiter mehr Geld.
Die Arbeitgeber kommen den neuen Lohnforderungen nach… und erhöhen dann die Preise, um die Gewinnmargen aufrecht halten zu können. Die Folge: Eine Verbraucherpreisinflation.
Die weniger bekannte Art der Inflation tritt dann auf, wenn die Preise des Einzelhandels durch höhere Produktionskosten nach oben getrieben werden. Das ist eine andere Art der Inflation, denn sie gibt den Verbrauchern nicht die Möglichkeit, die höheren Preise zu zahlen.
Bislang haben wir nur einen sehr kleinen Anstieg der Löhne sehen können. Wenn die Preise steigen, dann müssen sich die Verbraucher einschränken. Die offensichtliche Folge ist eine zurückgehende Nachfrage… und das reduziert den Preisdruck.
Während die Preise des Großhandels ihren Weg in die Verbraucherpreise finden, so findet auch der Widerstand der Verbraucher seinen Weg zurück zu den Herstellern. Die Folge? Die Pferde gehen unter, und dann kommen sie wieder zurück. Da daa, da daa.
Die Hersteller fahren die Produktion angesichts der geringeren Nachfrage zurück. Die Folge: Die Preise fallen. Doch an dieser Stelle muss ich drei Unebenheiten erwähnen – die alle die Größe der Rocky Mountains haben.
Zum einen haben Sie sicher schon das Wort “Entkopplung” gehört. Ich habe Angst gehabt, es zu verwenden, denn es klang auf Englisch irgendwie anrüchig.
Aber jetzt stelle ich fest, dass es sich auf die scheidenden Wege bezieht… zwischen den reifen Ökonomien der Vereinigten Staaten und Europas… und den wachsenden Ökonomien der restlichen Welt. Lange Zeit nahm man an, dass „wenn die Vereinigten Staaten niesen, sich der Rest der Welt eine Erkältung einfängt“.
Nun, heute sind wir uns dessen nicht mehr so sicher. Der Rest der Welt scheint gegenüber den amerikanischen Keimen mittlerweile immun geworden zu sein. Ich weiß es nicht, aber vielleicht würde ein Rückgang der Verbraucherausgaben in den USA die Menschen in China, Indien und Russland nicht davon abhalten, weiter zu kaufen.
Die Folge: Die normalen korrigierenden Rückkopplungsschleifen würden sich verheddern und dann kaputt gehen. Die Preise würden auch weiterhin steigen, selbst wenn sich die amerikanische Wirtschaft in einer Konjunkturabschwächung befindet. Und das würde die Amerikaner in eine schreckliche Lage bringen – in der sie weniger Geld verdienen, die Lebenshaltungskosten aber weiterhin steigen würden.
Zum anderen werden weltweit die Preise in Dollar ausgezeichnet. Und die Wächter des Dollars – die Behörden – sind entschlossen, die Amerikaner weiterhin dazu zu bringen, Geld auszugeben, selbst wenn sie keines mehr haben.
„Steuernachlässe“… Finanzspritzen für die Hypotheken… geringere Zinssätze… geringere Standards bei der Kreditvergabe – die Verantwortlichen geben alles, und versuchen das Geld weiter im Fluss zu halten. Ich ging davon aus, dass die Flut der Liquidität die Preise für Öl, Gold und Rohstoffe wie Bojen nach oben treiben würde.
Das ist ganz deutlich eingetreten. Aber wird es auch andauern? Und das bringt mich zur dritten Unebenheit. Viele Rohstoffe schienen sich meiner Ansicht nach in der Nähe eines Blasengebiets zu befinden. Öl ist beispielsweise ein wichtiger Rohstoff. Aber es ist immer noch einfach nur ein Rohstoff. Und dieser Rohstoff hat Nutzer. Er hat Hersteller.
Außer im Falle eines Krieges, verändert sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage nicht über Nacht. Wie ist es dann möglich, dass sich der Preis in weniger als zwei Jahren verdoppeln kann… oder dass er vor Ende dieses Jahres um weitere 25 Dollar ansteigen kann? (Um genauso viel wie der gesamte Ölpreis vor vier Jahren?), wie T. Boone Pickens vorhersagt. Wie kann er auf 200 Dollar steigen, wie Goldman vorhersagt?
Die Antwort darauf ist einfach – der Preis steigt aufgrund von Spekulation, und nicht aufgrund von Angebot und Nachfrage. Öl könnte sich daher schon in einer Blase befinden. Vor fünf Jahren wurden nur 13 Milliarden Dollar in die Indizes des Ölmarktes investiert. Heute sind es 260 Milliarden, wie es in einem Artikel der Financial Times heißt.
Am Futures-Markt wird Öl normalerweise kurzfristig verkauft – da die Ölunternehmen die zukünftige Produktion hedgen wollen. 1990 war nur 13% des offenen Interesses langfristig. Heute sind es 58%. Abgesehen davon arbeiten die Märkte auch. Wenn die Preise steigen, dann bringt das zusätzliches Angebot mit sich.
In den jüngsten Nachrichten erfuhr man, dass Ölunternehmen viermal so viel für Forschung und Bohrungen ausgeben, wie noch vor acht Jahren. Natürlich gibt es Gründe dafür zu glauben, dass Öl noch weiter steigen könnte. Aber die Märkte sind Märkte… und Blasen sind Blasen.
Und es gibt eine Sache, auf die man sich verlassen kann… Blasen platzen immer.