Zwangsjacken
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. Dezember 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Bislang haben die Konjunkturprogramme wie eine Zwangsjacke gewirkt. Je mehr die Regierung gegen eine Korrektur ankämpft, desto enger schnürt sie die Zwangsjacke... und vermindert ihre Bewegungsfreiheit noch mehr. Schon jetzt haben sie mehr als 10 Billionen Dollar für verschiedene Rettungsprogramme frei gemacht... und je mehr sie versuchen, das Problem zu lösen, desto schlimmer wird es.
Es gibt nicht mehr viel Bewegungsraum. Was die Geldpolitik anbelangt, hat die Zentralbank bereits alle bis auf 100 Basispunkte verbraucht. Noch zwei, drei weitere Zinssenkungen und die Zentralbank wird bei Null angekommen sein.
Können sich die Zinsen auch auf unter Null bewegen? Nicht wirklich. Aber die Zentralbank könnte Strafen für Gelddepots verlangen... so wie es die Schweiz einst getan hat. Oder sie könnte die Währung einfach so sehr inflationieren, dass die Leute das Geld so schnell wie möglich loswerden wollen. Was sie auch tut, die Leute, die ihr Geld für schlechte Zeiten gespart haben, werden ihr Geld verlieren.
Sie verlieren ihr Geld natürlich auch heute schon. Der wahre Zinssatz auf Ersparnisse ist negativ... die Inflationsrate liegt bei 3% oder 4% während die Erträge aus dem Geldmarkt nicht vorhanden sind. Nun, nicht vorhanden könnte sich als besser erweisen. Die Sparer verdienen jedes Jahr zwei Prozent - allein aufgrund der Inflation.
Wer hat Geld gespart? Nicht die Armen.
Aber sogar die Sparer schätzen sich selbst noch glücklich. Die Aktien sind welweit um 50% eingebrochen. Gemeinschaftsfonds mussten Schläge einstecken. Hedgefonds mussten gewaltige Verluste verbuchen. Führende amerikanische Markenunternehmen sind um 50% bis 80% gefallen. Die Amerikaner der Mittelschicht mussten zusehen, wie sich ihre 401K Rentenpläne halbierten... während ihre Häuser bereits 20% des Wertes eingebüßt haben, und auch weiterhin fallen.
Die Armen haben nichts davon. Um genau zu sein, haben sie überhaupt keine finanziellen Anlagewerte.
Erinnern Sie sich an den Ratschlag, den die Finanzplaner gaben: Stecken Sie ihr Geld in ein ausgeglichenes Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen. Eine davon mag einbrechen... aber sie werden nicht alle gleichzeitig einbrechen.
Ach ja? Fast jede Anlageklasse wurde schwer getroffen... Wachstumsaktien... Einzelhändler... Technologie... Energie... die Schwellenmärkte... und nicht nur Aktien. Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Geld in eine dieser raffinierten Partnerschaften mit Swaps oder SIVs oder anderen Instrumenten gesteckt, von denen die Experten behauptet haben, sie seien so sicher wie Schatzanleihen? Dann können Sie jetzt froh sein, wenn sie überhaupt noch etwas übrig haben.
Und Rohstoffe? Sollten die nicht so knapp sein, dass sie überhaupt nicht mehr fallen können? Selbst die Zyniker bei mir im Unternehmen waren davon fast überzeugt. Wir wussten, dass Öl mit 147 Dollar zu teuer war... dachten aber, ein angemessener Preis läge bei 90 Dollar. Jetzt kostet Öl nur noch weniger als die Hälfte dessen.
Und das zeigt... dass man es nie wissen kann. Man weiß, was passieren muss, das wird auch passieren. Aber man weiß nie, wie sehr es passieren wird... oder wann.
Jetzt verlieren die Investoren ihr Geld in ALLEN ANLAGEKLASSEN - darunter auch mit Bargeld. Ist das etwas ganz Neues? Vielleicht.
Aber jetzt können wir die elegante Weisheit und die Gerechtigkeit des freien Marktes erst wirklich schätzen. Mr. Market ist ein Richter, der hängt... aber er ist dabei wenigstens gerecht.
Die große Anlageblase schien einen alten Leitspruch zu beweisen: Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden ärmer." Aber das war eine Illusion, die von einer Kreditblase hervorgerufen wurde. Die Reichen wurden reicher... aber nur auf dem Papier. Und jetzt löst sich Papier aller Art in Rauch auf. Die Reichen haben ein Viertel bis die Hälfte ihres Vermögens verloren. Und die Armen haben dagegen nur relativ wenig verloren. Jetzt werden die Reichen ärmer.
Und die Armen? Nun, sie wird es immer geben. Aber es ist nicht so schlimm, arm zu sein. Viele der Haushalte aus der Mittelschicht sind durch die Schulden umgekrempelt" Ihr Besitz liegt, mit anderen Worten, im negativen Bereich. Die Armen haben ihnen - indem sie nichts haben - etwas voraus.
Wer hätte das gedacht?