Zuviel Nachrichten?
Investors Daily
vom 02. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Der Chicago Einkaufsmanagerindex ist gefallen. Oh nein ... verkaufen! Moment, die OPEC kürzt die Produktion. Oh nein ... kaufen! Nein, verkaufen! Der Dollar fällt wieder gegenüber dem Euro. Er fiel noch stärker gegenüber dem Yen. Soll man den Yen kaufen? Den Dollar verkaufen? Der Erdgaspreis steht auf einem 18-Jahres-Hoch. Verkaufen! Kaufen! Tot umfallen! Ich weiß es nicht.
Die Nachrichten bestimmen das Verhalten der Leute. Sie reagieren so, wie ein Huhn auf ein scharfes Messer reagiert. Sie rennen dahin und dorthin. Und dennoch denken sie, dass die Nachrichten kritisch wichtig sind. Man kann nicht zu reich oder zu dünn sein ... oder zuviel Nachrichten erhalten, so denken sie.
Ich bin mir da nicht so sicher. Sagt ein Quartalsbericht einer Firma wirklich mehr aus als ein Jahresbericht? Und was wäre dann mit einem Monatsbericht? Einem Tagesbericht? Einem stündlichen Bericht? Was wäre mit einem Report über jede Sekunde jedes Tages? Würden Sie dann mehr wissen? Oder weniger?
Oder könnten Nachrichten ein bisschen wie Demokratie, Schulden oder selbst gemachter Alkohol sein? Ein bisschen davon ist kräftigend ... aber wenn man zuviel davon nimmt, dann wird man blind.
*** Eine kurze Mitteilung von meinem Londoner Kollegen, Simon Nixon:
"Ich habe das Wochenende in Split, an der wunderschönen dalmatischen Küste Kroatiens verbracht. Ich nahm da an einer Konferenz teil, auf der Wege zur Stärkung der Demokratie auf dem Balkan diskutiert wurden."
"Ich erfuhr von den anderen Teilnehmern, dass es in Albanien, Bulgarien und Rumänien über 200 politische Parteien gibt, und ähnlich lächerlich hohe Zahlen wurden mir für Serbien, Mazedonien, Bosnien und Kroatien genannt."
"Ich fragte mich, ob es möglich sei, zuviel Demokratie zu haben. Was für eine Frage gibt es, auf die die richtige Antwort 'mehr Politiker' lauten würde?"
*** Das Titelthema der Londoner Times: Die toten Amerikaner, die im irakischen Falludscha an einer Brücke aufgehängt wurden.
Aber in der modernen illusorischen Welt wird die Demokratie als Allheilmittel für alle sozialen Krankheiten angesehen. Selbst dieser barbarische Akt in Falludscha soll durch einen Mangel an Demokratie verursacht worden sein. Colin Powell meint: "Das irakische Volk wird frei sein. Sie werden Demokratie haben."
Ich weiß nicht, woher er das weiß. Aber für mich sah es so aus, als ob die Iraker bereits zuviel Freiheit hätten. Wenn sie das Wahlrecht hätten ... dann frage ich mich, was für fürchterliche Dinge sie dann hervorbringen würden.