Zurück in der Seitwärtsbewegung
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 23. August 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Nun befindet sich der Dax wieder in seiner Seitwärtsbewegung. Der Ölpreis hat den Markt nicht weiter nach unten drücken können, die schlechten Konjunkturdaten in den letzten Wochen haben den Markt nicht weiter belastet. Der Markt scheint einfach nach oben zu wollen.
Wenn ich kurz zurückschauen darf: Der Dax hatte die Seitwärtsbewegung nach unten gebrochen. Er ist damit den Weg des größten Schmerzes gegangen, die Bullen wurden aus dem Markt getrieben und als der Himmel sich nicht nur verdunkelte, sondern schwarz schien, drehte der Markt. Zunächst zaghaft, dann immer klarer. Es folgten ein zwei Short-Squeezes und jetzt steht der Markt wieder bei 3780 Punkten. Damit ist bisher fast alles so gelaufen, wie ich es befürchtet hatte – es hat nur etwas länger gedauert als gedacht. Zugegeben, diesmal war es eine wirkliche Zitterpartie. Auch ich war aufgrund des hohen Ölpreises skeptisch und habe mich manches Mal gefragt, ob wir nicht doch noch einen Crash erleben. Aber auch diesmal hat sich gezeigt, dass antizyklischen Handeln der beste Weg zum Börsenerfolg ist. Selbst der "Hassmailindikator" hat mal wieder das Tief getroffen – soweit perfekt.
Nur, war es das jetzt? Kommt jetzt die Wahlrallye? Ich rechne immer noch damit. Wir befinden uns allerdings weiterhin in einer sehr schwierigen und geopolitisch immer noch unsicheren Situation. Gerade flackern wieder die Unstimmigkeiten zwischen Nordkorea und den USA auf. In Nadschaf ist die Situation immer noch nicht geklärt. Mit anderen Worten, es kann gut sein, dass es vorher noch zu ein oder zwei kleinen Schockmomenten kommen wird. Wir sind zwar wieder in der Seitwärtsbewegung, doch wirklich stabilisieren würden sich die Situation erst, wenn der Dax die 3900/3910er Marke nachhaltig überwindet. Bis dahin ist auf jeden Fall noch Vorsicht angesagt. Zumal die amerikanischen Indizes aus charttechnischer Sicht eher uneindeutig sind.
Und so wie sich die Märkte im Moment gebärden, ist damit zu rechnen, dass es den Bullen nicht leicht gemacht wird. Erst einmal müsste sich der Ölpreis deutlich schwächer zeigen, dann sollte die Yukos-Krise ein gütliches Ende finden und im Irak müsste sich die Situation entschärfen. Es bleibt also für die Bullen noch ein beschwerlicher Weg, auf dem viele Steine liegen, über die so ein Bulle schmerzlich stolpern kann. Sollte die 3910er Marke gebrochen werden, dann ist 4170 wieder Kursziel. Sollte hingegen der Dax nun wieder unter sein letztes Tief bei 3618 Punkten fallen, dann würde ich die Seitwärtsbewegung als endgültig gescheitert erklären.
Im Moment steht der Dax an der oberen Linie seines seit dem 01.07.04 existenten Abwärtstrend. Im Tageschart ist diese Linie deutlich überwunden, im Stundenchart hängt der Dax an dieser Linie gerade fest (15 Uhr). Sollte dieser Abwärtstrend nachhaltig überwunden werden, dürfte die 3900/3910er Marke eigentlich kein Problem sein.
Ich fasse mich heute ein wenig kürzer, da bei den amerikanischen Korrespondenten, insbesondere bei Bill Bonner, heute offensichtlich die Schreibwut ausgebrochen ist. Bill Bonner, gerade von seinem Amerika-Aufenthalt zurück, scheint seine Arbeit doch sehr vermisst zu haben. Doch zunächst zu Martin Weiss.