Zurück am Schreibtisch
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 19. Oktober 2010, 12:00 Uhr
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*** Melde mich zurück, nun wieder im bekannten Mitteleuropa.
Was ich da auf meinem Schreibtisch vorgefunden habe, ist Arbeit für fünf. Kennen Sie ja wahrscheinlich, nach gewisser Abwesendheit (körperlicher Natur).
Vorschlag: Ich komme morgen auf die Märkte zu sprechen, ok?
Für heute bin ich froh, wenn ich schnell einen Text für den Trader´s Daily einstellen kann, damit ich mich um meinen Schreibtisch kümmern kann.
Habe so einen Text, offline auf der Rückreise von Afrika vorgeschrieben. Da habe ich das bekannte Gedicht „Desiderata" als Ratgeber für mich selbst ein wenig abgewandelt. Desiderata, auch als „Lebensregel von Baltimore" bezeichnet...es mag von keinem allgemeinen besonderen Interesse sein, außer für Ihren Autor.
(Zum Glück ist der Trader´s Daily ein kostenloser Newsletter, weswegen ich mir von Zeit zu Zeit solche „Freiheiten" auch gegenüber dem Produktmanager herausnehme...)
*** Desiderata - abgewandelt
„Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann."
Denke immer daran, hinter jeder Straßenecke mag ein Dummkopf stehen und jede Minute erblickt ein neuer das Licht, so stelle dich also nicht schlecht mit ihnen. Spreche die Wahrheit leise und klar aus; höre anderen zu, auch den Dummen und Unwissenden, denn auch sie haben Geld, das sie ausgeben wollen.
„Stehe - soweit ohne Selbstaufgabe möglich -
in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu,
auch den Geistlosen und Unwissenden;
auch sie haben ihre Geschichte (...)"
Meide laute und aggressive Leute; denn sie sind ein Ärgernis für die eigene Seele.
„Wenn du dich mit anderen vergleichst,
könntest Du bitter werden und Dir nichtig vorkommen;
denn es wird immer jemanden geben,
größer oder geringer als Du.
Freue Dich Deiner eigenen Leistungen
wie auch Deiner Pläne
bleibe weiter an Deiner eigenen Laufbahn interessiert,
Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten."
„In deinen geschäftlichen Angelegenheiten
lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug.
Aber dies soll dich nicht blind machen
gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit."
Frage nicht, was du für dein Land tun kannst, frage, was dein Land für dich tun kann... ehe es Pleite macht.
Achte deine Karriere, auch die bescheidene, denn das Geld wirst du vielleicht einmal brauchen.
Übe dich in Sorgfalt bei deinen geschäftlichen Angelegenheiten... denn die Welt ist voll von Betrug. Doch sollst du auch nicht blind sein gegen die Tugenden, die sie gibt: Viele streben nach den hohen Idealen, und das Leben ist erfüllt von privatem Heldentum, doch auch voll der Dummheiten.
Sei du selber - aber nur, wenn es dir besser nicht gelingen mag. Täusche auch keine Zuneigung vor, denn was wolltest du damit bezwecken? Sei auch nicht zynisch, wenn es um die Liebe geht, denn in aller Kargheit und Ernüchterung, ist sie das ewige Grün ... oder zumindest so zyklisch wie die Bundestagswahlen.
Nehme freundlich den Rat des Alters an, gib dankbar die Dinge der Jugend auf, denn der alte Knacker weiß vielleicht etwas. Nähre die Geisteskraft, dass sie dich vor plötzlichem Unglück bewahre, vor Unglück, das schon gewiss ist (ganz besonders nach 18 Jahren, in denen Alan Greenspan der Fed vorsaß und es danach mit Ben Bernanke weiterging).
Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als es die Bäume, die Sterne und die Ringe in der Badewanne sind. Dein Recht ist es, hier zu sein. Und ob es dir klar ist oder nicht, das Universum wird sich wie vorgesehen entfalten, ob es dir gefällt, oder nicht.
Deshalb mache deinen Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung von ihm du auch hast, und keine Schulden bei den Buchmachern und den Barkeepern.
Denn trotz all dieser Schande, der Schufterei, des Betrugs und der zerbrochenen Träume - es ist immer noch eine schöne Welt.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Erich Semmler Sachsenheim (19.10. 2010 15:09 Uhr):
Lieber Herr Vaupel, mit viel Freude lese ich schon seit langer Zeit Ihre immer wieder treffende Berichte und Ansichten auch über Afrika usw. aber Ihre heutige Abwandlung des Gedichtes Desiderata hat mich doch gewaltig berührt, ich möchte mich bedanken und bitten,daß Sie weiterhin kräftig aufrütteln. mit freundlichen Grüßen aus dem Schwabenländle Erich Semmler
Antworten- Antwort von Karl Vetter (19.10. 2010 19:10 Uhr):
...dem will ich mich anschliessen, geistreich und super geschrieben, danke und freundliche grüsse aus der schweiz
- Antwort von Karl Vetter (19.10. 2010 19:10 Uhr):
- Kommentar von Maria Eisner (21.10. 2010 10:55 Uhr):
Die Spuren der Weisheit sind immer deutlicher zu erkennen! Schade, dass sich solche Erkenntnisse nicht vererben lassen, dann würde die kollektive Dummheit vielleicht weniger stark steigen.
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