Zur Zinserhöhung der Fed
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 11. August 2004 12:00 Uhr
ENL5454
Da lag ich gestern mit meiner Einschätzung im Trader's Daily zur Fed-Sitzung ja ziemlich daneben. Ich zitiere mich selbst:
"Ich weiß, einige US-Kommentatoren rechnen mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Nach den schlechten US-Arbeitsmarktdaten vom letzten Freitag (nach denen der Dollar direkt 2 Cent verloren hatte) wird sich das aber wohl erledigt haben."
Aber genau diese Zinserhöhung um 25 Basispunkte kam dann doch. In der Begründung ignorierte Alan Greenspan die schlechten Daten, er malte weiter ein ziemlich rosiges Bild der US-Wirtschaftslage. Ob er wirklich davon überzeugt ist?
Die gestrige Zinserhöhung macht psychologisch schon Sinn: Hätte er die Zinsen nicht erhöht, hätte es am Markt sinngemäß geheißen: "Seht mal, er unterbricht den Zinserhöhungszyklus, also geht es der Wirtschaft wohl doch nicht so gut wie bisher angenommen, da verkaufen wir mal lieber schnell unsere Aktien."
Das wurde durch diese Zinserhöhung verhindert. Komisch, oder? Denn in den volkswirtschaftlichen Lehrbüchern steht doch, dass Zinserhöhungen die Aktienkurse tendenziell fallen lassen. Diesmal sind die Kurse nach der Zinserhöhung aber gestiegen.
Jaja, die Lehrbücher. Wieder einmal wird da die Psychologie nicht berücksichtigt. Und die Börse besteht zu einem großen Teil – vielleicht 50? – aus Psychologie. Denn die Akteure sind Menschen.