Zur Lage am US-Immobilienmarkt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 07. Oktober 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Vor 5 Jahren verdiente das US-Bauunternehmen Lennar 1,24 Dollar je Aktie. Heute sind es über 5 Dollar je Aktie.
Natürlich sind nicht nur die Gewinne gestiegen, sondern auch der Aktienkurs. Im September 1999 konnte man eine Lennar-Aktie für 8 Dollar kaufen. Am 20. September 2004 stand der Kurs bei über 45 Dollar.
Dieser Trend bei den Gewinnen von Lennar und beim Kurs der Lennar-Aktie geht mit einem anderen Trend Hand in Hand: Von 1965-1995 blieb der prozentuale Anteil der amerikanischen Haushalte mit eigenem Immobilienbesitz relativ konstant – bei ca. 64 %. Dann begann ein Bullenmarkt im Immobilienbesitz – und im zweiten Quartal dieses Jahres lag der Anteil der Haushalte mit Immobilienbesitz bei fast 70 %.
"Ein Huhn in jeden Topf", das war früher einmal ein Slogan in den USA, ähnlich wie "Wohlstand für alle". George W. Bush versuchte es letzten Monat mit einem neuen Slogan, beim Parteitag der Republikaner: "Heute setzen wir ein neues Ziel: 7 Millionen erschwingliche Häuser in den nächsten 10 Jahren, damit mehr amerikanische Familien die Tür öffnen und sagen können 'Welcome to my home'."
Es wurde nicht erwähnt, wie diese neuen Häuser finanziert werden sollten. Aber ich denke, ich weiß es.
Die amerikanischen Privathaushalte haben derzeit "die größten Netto-Defizite seit 76 Jahren", so Paul Kasriel von Northern Trust. Sie haben Häuser gekauft – und mit Hypotheken finanziert. Sie haben ihre alten Wagen gegen neue Geländewagen eingetauscht ... und sich dann noch einen gekauft. Finanziert durch die Erhöhung bestehender Hypotheken. Niemals ging das so leicht.
Aber das hat einen Haken. Kasriel bemerkt, dass niemals zuvor zum Ende eines Immobilien-Booms hin die monatlichen Zahlungen im Verhältnis zum Nachsteuer-Einkommen so hoch wie jetzt waren. "Die Haushalte könnten sich überschuldet haben", so sein Fazit. "Das bedeutet, dass sie sich vielleicht nicht weiter verschulden können, um die zusätzlichen Dollar zu haben, die sie bei steigenden Zinsen zusätzlich brauchen ..."
Ob die privaten amerikanischen Haushalte schon heute überschuldet sind, das weiß ich nicht. Aber dass sie eines Tages überschuldet sein werden, daran habe ich keinen Zweifel.
Ich werde das im Auge behalten.