Zur Auswahl von Optionsscheinen
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 25. Mai 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Ich hoffe, Sie hatten angenehme Feiertage. Zum Beginn dieser verkürzten Woche etwas zum Thema Optionsscheine. Recht spezifisch...wenn Sie mit Optionsscheinen nichts am Hut haben, am besten überspringen (möchte nicht für „vergeudete Zeit" verantwortlich sein). Los geht´s:
Trader´s Daily-Leser Gerhard J. schrieb mir:
"Sie behandeln ja gerade das Thema Optionsscheine und da ist mir noch eine Sache unklar. Zum Hedging meiner Aktienanlagen setze ich gerne einen Put Optionsschein auf den DAX/DOW ein. Bei der Auswahl, z.B. auf der Euwax Homepage, kann man die verfügbaren Scheine nach den Kennzahlen sortieren lassen. Dort suche ich mir eine passende Laufzeit und ein sinnvolles ´Omega´ heraus und meist werden dann einige Scheine mit unterschiedlicher ´Innerer Volatilität` angeboten. Meine Frage: Wenn ich die Wahl zwischen 2 Scheinen mit identischer Laufzeit und Omega, aber unterschiedlicher innerer Vola habe, welcher wäre denn dann vorzuziehen? Danke für die Antwort."
Meine Antwort:
So ist die Sach`: Je höher die „innere Volatilität"= „implizite Volatilität" bei einem Schein ist, desto teurer ist er. Im Fachjargon heißt das: Die implizite Vola ist eingepreist.
Hier im Trader´s Daily verwenden wir eine klare Sprache, wenn möglich wird Deutsch geschrieben. (Zeigt sich ja schon am Namen des Newsletters, oje...)
Also, nun in der Sprache, in der Lutherbibel und Bürgerliches Gesetzbuch geschrieben sind:
Wenn davon ausgegangen wird, dass der Basiswert, auf den sich ein Optionsschein bezieht, stark schwankt...
...dann ist dieser Optionsschein teurer. Und zwar teurer als einer, dessen Basiswert voraussichtlich nicht so stark schwankt.
Gemessen wird diese Schwankungsfreudigkeit nicht am Alkoholspiegel, sondern an einer Kennzahl. Eben der „impliziten Volatilität".
Das ist kein fix feststehender Wert, sondern er wird vom jeweiligen Emittenten geschätzt. (Und das gefällt mir gar nicht; übrigens ein Grund, warum ich lieber „Turbos" mag, denn da spielt dieser Faktor so gut wie keine Rolle.)
Und damit zur Frage des Lesers: Wenn er die Wahl zwischen zwei ansonsten identischen Scheinen hat, welche aber eine unterschiedliche „implizite Volatilität" haben...
...dann sollte er den Schein mit der geringeren „impliziten Volatilität" nehmen. Denn dieser ist relativ günstiger. Dann könnte der Leser schon davon profitieren, wenn der Wert der Volatilität ansteigt.
Im Gegenzug hat er bei dem Schein mit hoher „impliziten Volatilität" ein doppeltes Verlustrisiko: Denn auch wenn der Basiswert selbst nicht fällt, dann kann der Kurs des Scheins schon fallen, wenn die „implizite Volatilität" zurückgeht.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Ihr
Michael Vaupel
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