Zum Thema "Investment-Fonds"
Alexander Hahn in Investoren Wissen zum Thema Fonds
vom 13. Februar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
immer wieder erreichen mich Fragen zum Thema "Investmentfonds". Bisher habe ich dies bei Investoren Wissen bewusst nicht angesprochen, denn ich bin kein großer Freund von weiten Teilen der Finanzindustrie. Natürlich gibt es eine Reihe von Fondsmanagern, Vermögensberatern, Brokern etc. die ihre Arbeit wirklich gut, gewissenhaft und im Interesse des Kunden machen (diese haben meinen Respekt und meine höchste Anerkennung), aber die Realität sieht leider anders aus, was die Masse betrifft.
Heute möchte ich daher mit einigen Punkten einmal aufräumen und manch einem salbungsvoll daherschwafelnden Fondsverkäufer, egal ob er sich Bankberater, Vermögensberater oder wie auch immer nennt, die Maske vom Gesicht reißen (Nochmals: Ich spreche hier nicht über alle, sondern nur über eine große Teilgruppe der Angehörigen dieser Zunft! Bitte beim Weiterlesen berücksichtigen...)
Sehen wir uns doch zunächst einmal an, ob der nette Herr bzw. die nette Dame, welche Ihnen bei Ihrem letzten Besuch schon wieder einen Investmentfonds andrehen wollte, überhaupt die gleichen Interessen hat, wie Sie.
Interessen der Finanzindustrie vs. Ihre Interessen
Vieles nennt sich heute "Berater" in der Finanzindustrie. Die meisten Leute sind es aber nicht. 100% unabhängige Finanzberater haben einen festen finanziellen Satz (z.B. pro Stunde) und beraten Sie dementsprechend frei von Provisionszwängen (Hierzu gehören im erweiterten Sinne auch die Börsenbriefe des Investor Verlags. Zwar wird hier keine individuelle Anlageberatung durchgeführt, aber die Vergütung der Autoren und Analysten erfolgt ausschließlich durch Ihre Abogebühr und weitere Finanzierungskanäle sind strikt untersagt).
Verkäufer, die sich auch gerne zur Tarnung "Berater" nennen, arbeiten in der Regel ohne direkte Vergütung und erhalten ihr Geld durch Abschlussprovisionen für den Verkauf von Produkten.
In anderen Worten: Kaufen Sie einen Fonds, so fließt aus dem Ausgabeaufschlag Geld in die Taschen des Fondsverkäufers. Hier entsteht schon das erste Problem: Der Verkäufer befindet sich im Interessenkonflikt zwischen dem Produkt mit höchster Provision und dem, was für Sie als Anleger am besten geeignet ist. Und wenn doch die Hypothek des eigenen Hauses abzuzahlen oder die Leasingrate für den Wagen fällig ist oder der Kredit für den großen Fernseher, den die Frau unbedingt wollte... Wer lässt schon gerne Provision auf dem Tisch liegen? Wie es um weite Teile der Ethik in der Finanzbranche steht, zeigt uns ja heutzutage meist ein einziger Blick in die Zeitung...
Gleichzeitig gibt es bei Banken und anderen Fondsverkäufern natürlich auch bestimmte Extraprovisionen um die Ladenhüter und gammeligen Papiere besser loszuwerden. Ein schöner wohlklingender Name daraufgesetzt, ein buntes Prospektchen mit warmen Worten gedruckt und reicht dies nicht, tut der Vertriebsdruck von oben auf die Finanzverkäufer oftmals sein übriges. Es war z.B. sehr interessant festzustellen, dass fragwürdige Lehman-Pleitezertifikate damals deutlich überwiegend an gutgläubige Personen über 60 Jahre verkauft wurden. Ein Schelm, wer hierbei böse Dinge denkt?
Es geht aber noch weiter. Sagen wir, Sie haben nun einen Fonds gekauft und zahlen den Ausgabeaufschlag. Hierdurch wird zunächst einmal Ihr Investitionskapital dezimiert, um dem Verkäufer seine Provision zu zahlen. Was haben Sie unter dem Strich davon? Eine "Beratung", die nicht einmal frei von Interessenkonflikten ist. Und dafür haben Sie auch noch gezahlt...
Sie sitzen nun also mit dem neu erworbenen Fonds im Depot zu Hause und freuen sich auf die Rendite, die man Ihnen vollmundig versprochen hat. KLICK. Nun hat die ewige Melkmaschine bei Ihnen vollständig angedockt. Wenn Sie bei einer Filialbank sind, werden nicht selten Depotgebühren berechnet. Darüber hinaus wird jedes Jahr die Managementgebühr für den Fonds fällig und weitere Abzüge, welche die Fondsgesellschaft noch in Rechnung stellt.
Aber es geht hier doch meist nur um 1% bis 2% pro Jahr, Herr Hahn. Das kann doch keinen umbringen und dieser kleine Lohn steht dem Fondsmanager für seine "professionelle" Arbeit (über 60% der Fondsmanager scheitern übrigens bereits kläglich daran, ihren Vergleichsindex zu schlagen und bringen somit überhaupt keinen Mehrwert, sondern vernichten Geld) doch zu? Oder nicht?
Die nicht ganz offensichtliche Wahrheit hinter der jährlichen Managementgebühr
Stellen wir uns doch einmal vor, Sie haben kürzlich einen Fonds gekauft, den Sie für Ihre Altersvorsorge nutzen wollen. Sagen wir, Sie sind 30 Jahre alt und möchten den Fonds bis 65 halten. Pro Jahr fallen 1,4% Gebühren an (Steuern im folgenden Beispiel zur Vereinfachung ausgeblendet. Dies ändert jedoch nichts an dessen Gültigkeit).
Durch die Gebühren von insgesamt 1,4% pro Jahr ergibt sich ein Rendite-Vernichtungsfaktor von ca.
1 - 0,986^35 = 38,95%
Das heißt, Sie verlieren 38,95% Ihres Endergebnisses an die Finanzindustrie aufgrund des Zinseszinseffekts.
Gehen wir von 10.000 EUR und 7% jährlicher Rendite aus.
Ohne Finanzindustrie: ca. 106.765 EUR am Laufzeitende
Mit Finanzindustrie: ca. 67334 EUR, d.h. Sie werfen der Finanzindustrie in diesem Fall ca. 39.431 EUR in den Rachen!
Wenn Sie nun berücksichtigen, wie viele Fonds kläglich scheitern, überteuert sind und oftmals ihre Versprechungen überhaupt nicht einhalten oder von Fondsmanagern geführt werden, welche vielleicht gerade einmal nach ein paar einfachen Modellen wie Gleitschnitten oder ein paar Daten, welche der Computer ihnen liefert, arbeiten und oftmals ohne solides System Ihr Geld verspielen... Halten Sie dies für einen angemessenen Preis? Sehen Sie doch einmal in Ihr aktuelles Fondsdepot.
Hat man Ihnen versprochen, "Bei Gefahr gehen wir raus." oder "Wir managen das professionell."? Sind Gebühren, welche Ihnen solche Beträge (s.o.) aus der Tasche ziehen für derartige Performance gerechtfertigt (bei Brokern sieht dies übrigens oftmals genauso schlecht aus, da diese meist in Abhängigkeit der Transaktionen, welche in Ihrem Depot durchgeführt werden, bezahlt werden, was auch nicht unbedingt zu Ihrem Vorteil ist)?
Die Entscheidung können nur Sie für sich selbst treffen. Ich habe jedoch meine Zweifel.
Ein Punkt bleibt aber noch:
Was passiert, wenn Sie die Nase voll haben und Ihre Anlagen verkaufen möchten?
Was viele Anleger nicht wissen ist, dass die Zunft der Fondsverkäufer Bestandsprovisionen kassiert. In anderen Worten: So lange der Fonds bei Ihnen im Depot liegt, erhält der Verkäufer des Fonds von der Gesellschaft, welche das Geld aus Ihrem eigenen Vermögen über die Gebühren holt, eine Provision. Wenn Sie nun beim nächsten Crash zu Ihrem Fondsverkäufer gehen und sagen: "Ich will verkaufen." steht dieser natürlich wieder vor einem Interessenkonflikt. Wenn er jeden aus den Fonds "rauslässt" verliert er natürlich seine Bestandsprovisionen, was für ihn weniger Einkünfte pro Monat bedeutet und wiederum Druck von oben. Die leichteste Variante ist es da natürlich zu sagen "Sitzen Sie das aus." oder "Aktien steigen langfristig immer" (übrigens Blödsinn). Ganz findige Verkäufer empfehlen in manch solchen Fällen gar einen Nachkauf und somit wird noch mehr Geld der Gebühren-Melkmaschine zugeführt (und meist letztlich vernichtet).
Aber wieder ist es das Gleiche: Sie bezahlen (denn die Bestandsprovisionen kommen ja aus Ihrem Vermögen), damit Sie vom Fondsverkäufer, der dank Ihrem eigenen Geld(!) im Interessenkonflikt steht, "beraten" werden. Wessen Bestes mag Ihr Gegenüber da wohl im Sinn haben?
Sie wissen es sicher am besten.
Ein Wort zum Schluss
In diesem Artikel habe ich bewusst die negative Seite der Finanzindustrie und von Investmentfonds hervorgehoben. Wie Sie sehen können, bin ich kein Freund von bestimmten Bereichen der Finanzindustrie. Mich stört es einfach, dass sich offiziell das Ziel auf die Fahnen geschrieben wird: "Wir machen Sie reich." dabei geht es primär um Gebührengenerierung und das Halten von Investmentgeldern.
Natürlich gibt es viele Bereiche, in denen ein gezielter Einsatz von Investmentfonds Risiken sehr gut reduzieren kann und wie bereits erwähnt ist nicht jeder Fondsmanager schlecht (wenn auch die Mehrheit).
Auch ist mir klar, dass viele Anleger nicht die Zeit bzw. das Interesse haben, sich mit ihrer eigenen Kapitalanlage näher zu befassen, und somit meinen, nicht an Investmentfonds vorbeizukommen (ich halte dies zwar für einen Fehler, aber letztlich liegt dies natürlich im Ermessen jedes Einzelnen).
Wie auch immer Sie es handhaben... Mit diesem Artikel wollte ich lediglich auf die Seiten des Fondsgeschäfts bzw. der Finanzindustrie hinweisen, die sonst gerne nicht erwähnt werden.
Ich selbst kaufe übrigens prinzipiell keine Investmentfonds sondern lediglich ETFs (wobei es auch hier gilt, sich vor sog. "aktiv gemanagten" ETFs in Acht zu nehmen. Diese sind meist nicht viel mehr als herkömmliche Investmentfonds in neuem Outfit). Meist sind diese deutlich niedriger von ihren Gebühren und das lästige und unnötige "Drumherum" wie "Beratung", Ausgabeaufschläge, etc. entfällt. Fairheitshalber muss ich aber sagen, dass ich diese Produkte nicht für Buy&Hold Strategien verwende, da solche Strategien meiner Erfahrung nach fast nicht funktionieren. Viel eher ist dies m.E. oftmals ein bewusst aufgebauter Mythos, um möglichst lange Ihr Geld bei der Finanzindustrie zu halten.
Beste Grüße
Alexander Hahn
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