J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom
Heute möchte ich mich einmal mit dem US-Handelsbilanzdefizit beschäftigen – das ja so gerne als DER Belastungsfaktor für den Dollar zitiert wird.
Also:
Die USA importieren mehr als sie exportieren.
Ok.
Die USA haben das eigentlich so ziemlich immer seit ihrer Gründung getan, bis auf Zeiten, in denen es wirtschaftlich sehr schlecht ging.
Denn in solchen Zeiten haben die niedrigen privaten Einkommen und eine dumme Wirtschaftspolitik die Importe gedrosselt.
Wie wäre es damit, wenn die USA die Importe begrenzen würden, um die Handelsbilanz auszugleichen? Also keine BMWs mehr aus München importieren, sondern nur noch BMWs kaufen, die im amerikanischen Spartanburg hergestellt worden sind? Vielleicht sollten die USA auch die bürokratischen Hürden erhöhen, Strafzölle einführen?
Dann würden die Europäer und Asiaten weinen, weil ihre Handelsbilanzüberschüsse verschwinden würden.
Es ist nun einmal so: Die Überschüsse eines Landes sind die Defizite eines anderen. Um die amerikanische Handelsbilanz auszugleichen, müssen die USA entweder ihre Importe verringern oder ihre Exporte steigern. Und weder das eine noch das andere ist im Interesse Europas oder Asiens.
Übrigens spielen die Handelsdefizite in anderen Fällen keine so wichtige Rolle:
Das britische Handelsbilanzdefizit hat sich im Oktober auf 5,3 Milliarden Pfund erhöht, nachdem die britischen Importe auf ein Allzeithoch erhöht haben, und gleichzeitig die Exporte in Nicht EU-Staaten um 7,5 % zurückgegangen sind. Und was macht das britische Pfund? Es steigt gegenüber dem Dollar auf ein 16-Jahres-Hoch.
Das britische Handelsbilanzdefizit belief sich in den ersten 10 Monaten des Jahres 2004 auf 34 Milliarden Pfund; das waren schon 1,2 Milliarden Pfund mehr als im Gesamtjahr 2003. Das britische Handelsbilanzdefizit liegt nun bei 5,5 % des BIP – und ist damit relativ gesehen fast so groß wie das der USA. Und Großbritannien ist ein Netto-Exporteur von Erdöl ...
Und dennoch fällt der Dollar weiter (und nicht das Pfund). Denn überall gibt es jetzt Bären aus Gewohnheit.
Aber wenn es an Bären nicht mangelt ... wie kommt es dann, dass der Dow Jones in 6 Wochen 800 Punkte gestiegen ist? Für den jüngsten Kursanstieg kann man keine "irrationalen Übertreibungen" verantwortlich machen!
2004 war das zweite Jahr in Folge, das nach den Verlustjahren 2001 und 2002 wieder Gewinne des Aktienmarktes gebracht hat. Und es waren nicht nur einige isolierte Sektoren, die gestiegen sind; Innerhalb des S&P 500 sind 85 Sektoren gestiegen, und nur 28 gefallen. Der durchschnittliche amerikanische Aktienfonds hat im Jahr 2004 fast 9 % zugelegt.
Und das alles in einem Markt voller Bären.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group