Zum Börsengang von Kabel Deutschland
Cindy Bach in Insider Daily
vom 23. März 2010, 14:30 Uhr
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die Zeit der massiven Überzeichnung eines Börsengangs ist definitiv vorbei. Die Träume vom schnellen Geld bei der Erstnotiz eines Unternehmens sind mit der Dot.Com-Blase einfach so geplatzt. Steht heute für ein Unternehmen ein IPO an, dann geschieht dies zumeist ohne großes Tamtam, mit gemäßigter Nachfrage und in der Erstnotiz nur passabel ausfallenden Aufschlägen zum Ausgabepreis. Gestern stand nach mehr als zwei Jahren IPO-Abstinenz" erstmals wieder ein Unternehmen zum Gang an die Deutsche Börse in den Startlöchern. Doch wer ein Freudenfeuerwerk erwartet hatte, wurde enttäuscht.
Mäßige Nachfrage und geringer Kursaufschlag
Wenn selbst die "Bild"-Zeitung einem Börsengang ihre Aufmerksamkeit schenkt, dann scheinen die Erwartungen der Öffentlichkeit doch recht groß gewesen zu sein. Aber in den Mittagsstunden machte sich auf Bild.de dezente Enttäuschung breit. Denn die Aktien von Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber stießen trotz zweieinhalbjährigem IPO-Entzug" an ihrem ersten Handelstag nur auf verhaltene Nachfrage.
Die Papiere kamen zunächst kaum über den Ausgabepreis von 22 Euro hinaus. Gestartet waren die Anteilsscheine zwar recht zuversichtlich mit 22,50 Euro. Doch dann schwankte der Kurs zwischen dem Höchstwert von 22,82 Euro und dem bislang tiefsten Tagesstand von 22,10 Euro recht schwerfällig vor sich hin. Dennoch zeigte sich Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein zufrieden mit dem ersten Handelstag der neuen Aktie. "Das ist absolut gelungen. Wir haben eine solide und breite Aktionärsbasis gewonnen und sind sehr zufrieden damit", sagte er in Frankfurt. Der erfolgreiche Börsengang sei ein gutes Zeichen für den deutschen Kapitalmarkt und die deutsche Wirtschaft insgesamt.
Kein Geld für KDG - US-Finanzinvestor macht Kasse
Dabei ist der Gang an die Börse für das Unternehmen selbst nur ein kleiner Erfolg": Zwar nimmt Kabel Deutschland mit der Ausgabe der 34,5 Mio. Aktien etwa 760 Mio. Euro ein. Doch die Einnahmen bleiben nicht in der Kasse des hoch verschuldeten Unternehmens, sondern gehen komplett an die US-Beteiligungsfirma Providence. Der US-Finanzinvestor war vor sieben Jahren beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber eingestiegen und hofft nun auf steigende Kurse, damit er seine erworbenen Anteile entsprechend seiner Geschäftsstrategie Stück für Stück gewinnbringend veräußern kann.
Eine wichtige börsenhistorische Bedeutung kommt diesem IPO trotz des mäßigen Erfolges dennoch zu. Der Börsengang von Kabel Deutschland ist der erste nach der großen Finanzkrise. Viele Unternehmen hatten in den vergangenen zwei Jahren mit der Börse geliebäugelt und mussten ihre Pläne aufgrund der Krise auf Eis legen. Mancher Börsengang scheiterte gar kurz vor der Erstnotiz - wie beispielsweise die Deutsche Bahn. Nun hoffen Experten, dass nach KDG weiteren Aspiranten der Sprung an die Börse leichter fällt.
Weitere IPOs noch im März
Und die nächsten Anwärter lassen auch nicht lange auf sich warten. Der Chemikalienhändler Brenntag, die Modekette Tom Tailor und der chinesische Armaturenhersteller Joyou wollen noch im März KDG an die Börse folgen. Dabei könnte Brenntag ähnlich viel erlösen wie Kabel Deutschland. Am oberen Ende der Preisspanne läge das Volumen bei 837 Mio. Euro. Die Erwartungen an die Börsenneulinge sind hoch. Enttäuschen sie, wird die Tür auf das Börsenparkett vermutlich wieder klemmen. Hoffen wir, dass sie gut geölt wurde.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach