Zuckerprognose vom November bestätigt
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 11. Februar 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
während in den USA die Offiziellen mit Enttäuschungen um sich werfen (erst gestern enttäuschte US-Finanzminister Timothy Geithner die Erwartungen mit dem halbgaren und schwerfällig umsetzbaren Public Private Investment Funds" -Plan die Bad Bank-Hoffnungen und heute macht der US-Kongress wieder Zicken wegen der Höhe des Konjunkturprogramms, obwohl der US-Senat gestern in der Mehrheit für ein 838 Milliarden USD-Paket votiert hatte) und dem zwischenzeitlichen Optimismus wieder einen Dämpfer verpasst haben, möchte ich heute einmal von der ganzen Misere Abstand nehmen und mich einem Rohstoff widmen, der mich bislang ganz und gar nicht enttäuscht hat.
Dem Zucker! Um zu verstehen warum ich sage, dass der Rohstoff Zucker mich bislang ganz und gar nicht enttäuscht hat, müssen Sie zunächst wissen was ich von diesem Rohstoff (oder besser gesagt von der Preisentwicklung) erwarte.
Zu diesem Zweck habe ich Ihnen heute einen Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 18. November letzten Jahres mitgebracht:
Das wichtigste für einen Anleger in Rohstoffen ist eigentlich, dass er in der Lage ist zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, die nicht auf dem Radarschirm der Spekulanten auftauchen. So werden Sie in den aktuellen Statistiken und Erwartungen wenige Anhaltspunkte finden, die für einen massiven Anstieg der Zuckerpreise und eine Investition in Zucker sprechen. Die Erwartungshaltung der Analysten ist konservativ, denn diese erwarten bis Ende 2009 im Schnitt nur einen Zuckerpreis von rund 13 bis maximal 15 US-Cents.
Doch Analysten neigen in der Masse dazu mehrheitlich falsch zu liegen, denn sie trauen sich oft nicht extreme Prognosen abzugeben, die eine hohe Fehleranfälligkeit besitzen. Deshalb tendiert der Mensch dahin, dass er die Erwartungen seiner Kollegen anschaut und nur tendenziell aber nicht substantiell von dieser Erwartung abweicht. Denn der Analyst würde bei Nichteintreten seiner Prognose dann von allen anderen Analysten ausgelacht und in den Medien lächerlich gemacht.
Doch sage ich, bringt uns eine extreme Kursprognose an den Märkten weiter, als das "Konsensdenken", welches unweigerlich zu hohen Verlusten führen muss. Für uns Privatanleger ist es viel einfacher die Gründe für Extremprognosen nachzuvollziehen und zu bewerten und dann diese Prognose ernst zu nehmen oder eben in den Papierkorb zu werfen.
Also habe ich mich auf die Suche nach einer Extremprognose für Zucker gemacht und bin auch in einigen Studien fündig geworden.
Den größten Rückgang in der Produktion wird voraussichtlich Indien verbuchen müssen. Hier steht in einzelnen Analysen etwas von einem bis zu 16% Rückgang der Produktion. Da man sich in Indien wegen der tiefen Zuckerpreise auf Alternativen konzentriert. Da Indien im letzten Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen Zucker produziert und damit weltweit Rang zwei nach Brasilien und vor China einnahm, müssen Sie solche Aussagen extrem ernst nehmen.
Dies würde bedeuten, dass das US-Landwirtschaftsministerium USDA einmal mehr mit der Schätzung der indischen Produktion von 28 Millionen Tonnen (10% Rückgang) daneben liegen würde. Der Ausfall für die Weltproduktion würde dann allein durch Indien bedingt rund 5 Millionen Tonnen ausmachen und die Unterversorgung würde dann entsprechend auf Richtung 7 Millionen Tonnen steigen.
Nur höhere Preise würden hier bei den Produzenten einen Anreiz für mehr Anbaufläche schaffen.
Deshalb könnte Zucker, wenn das Szenario eintritt, auch einer der größten positiven Überraschungen in den nächsten 2 Jahren werden.
Sollte der Zuckerpreis entgegen dieser Prognosen aber weiter fallen und wieder unter 10 US-Cents stehen, würden die Produktionssenkungen noch sehr viel drastischer ausfallen und ein Preis von unter 10 US-Cents ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber auf jeden Fall nur temporär sein.
Da nirgendwo sonst in der Welt die Absatzpreise eine so große Rolle für die Preisprognosen spielen, als bei den Agrarrohstoffen, ist es deshalb wichtig, dass man einen Rohstoff wie Zucker immer nur am unteren Ende eines Bandes kauft. Immer dann wenn keiner einen starken Anstieg erwartet. Und dann muss man viel Geduld aufbringen, bis die Unterversorgung von Spekulanten erkannt wird und der Preis auf ein neues höheres Niveau steigt. Dieses könnte bei Zucker zwischen 15 und 20 US-Cents liegen."
So viel dazu...wenn Sie wissen möchten, wie es seit November weiter gegangen ist, dann lesen Sie bitte im 2.Teil weiter...