Zuckerpreise unter Druck: die Gründe
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 15. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
heute wollen wir uns wieder mit dem Zuckermarkt beschäftigen. In der letzten Woche haben wir uns ausführlich die fundamentale Ausgangslage im Zuckermarkt angesehen. Das Ergebnis: der Zuckermarkt befindet sich nach wie vor in einem Defizit, auch wenn für das laufende Erntejahr und vor allem für das kommende Erntejahr ein deutlich sinkendes Defizit erwartet wird.
Somit lässt sich die fundamentale Ausgangslage nur bedingt und nicht alleinig als Begründung für den starken Preisrückgang seit Ende Januar heranziehen. Seit dem Hoch Ende Januar hat der Preis für Rohzucker Sugar 11 an der NYBOT (ICE US) um mehr 33% abgegeben.
Was also ist der Grund für diese Preisentwicklung? Tatsächlich lassen sich zwei Gründe für diese Entwicklung ablesen....
Die physische Nachfrage zeigt sich mittlerweile verhalten
Sie erinnern sich, dass ich am 16.12.2009 (als der Zuckerpreis über die 24 US-Cent-Marke nach oben ausbrechen konnte) geschrieben hatte, dass sich mittlerweile in Indien eine interessante Situation abzeichnete. Denn Indien hatte zu diesem Zeitpunkt seit rund 45 Tagen kein Käufe auf dem Weltmarkt mehr getätigt. Meine Schlussfolgerung: "Nun sind die trendfolgenden Spekulanten natürlich in der Lage den Markt noch weiter nach oben zu pushen, setzt dann aber nicht wieder eine deutliche physische Nachfrage ein, könnten die Preise auch leicht wieder zurückrutschen." Und genau so, sollte es auch kommen....
Die Spekulanten (mit denen beschäftigen wir uns auch gleich noch) hatten den Preis schließlich bis Ende Januar auf bis zu 30 US-Cent pro Pfund getrieben. Waren die Importeure vorher schon vorsichtig, war es nun mit der Kauffreude ganz dahin. Indien cancelte schließlich den Kauf von 100.000 Tonnen, Ägypten sogar 300.000 Tonnen und auch Pakistan zuckte zurück. Und nach wie vor lässt die hohe Preisvolatilität die Importeure verhalten zurück.
Spekulanten reduzieren Netto-Long-Position
Am 19. Januar hielten die Non-Commercials (also die großen Spekulanten) 212.333 Long-Kontrakte (Sugar 11, ICE Futures US, Futures&Options combined). Damit waren die Non-Commercials 189.379 Kontrakte Netto-Long. Doch dann hatten sich die Spekulanten wohl genug ausgetobt, denn mittlerweile bauen sie ihre Netto-Long-Position kontinuierlich ab. Am 2.März betrug die Netto-Long-Position der Non-Commercials noch 153.218 Kontrakte. Und laut dem letzten CoT-Bericht vom 9.März sind die Non-Commercials nur noch 139.890 Kontrakte Netto-Long. In der Woche bis zum 9.März haben die Non-Commercials auch ihre Short-Position um 13.057 Kontrakte auf 22.549 erhöht.
Hier haben wir nun also 2 Gründe für den Preisrutsch seit Ende Januar vorliegen: zum einen erweist sich die physische Nachfrage aufgrund der hohen Preisvolatilität zurückhaltend und zum anderen schwindet das spekulative Interesse, welches zuvor die Preise noch weiter nach oben getrieben hatte.
So sieht es also im Moment aus...und wie könnte es wohl weitergehen? Stellen wir einige Überlegungen im 2.Teil an!
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