Zuckermarkt: Knackpunkt Indien
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 28. September 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Größtenteils rechnen die großen "Datenerheber" für 2010/11 mit einem Primärmarktüberschuss - also eigentlich kein Grund für steigende Preise. Und tatsächlich sind die, im Vergleich zu den Vorjahren, entspannten Aussichten Grund für die Preisflaute Mitte des Jahres.
Von einem Produktionsanstieg für 2010/11 kann zwar relativ sicher ausgegangen werden, doch von einem sicheren Zuckerüberfluss kann noch lange nicht die Rede sein, angesichts der niedrigen Lagerbestände.
Gerade das niedrige Lagerbestandslevel aus dem Vorjahr ist aber ein wichtiger Punkt, denn nur ein deutlicher Angebotsüberschuss kann dazu verwendet werden, die niedrigen Bestände wieder aufzustocken. Ansonsten bleiben die Bestände auf niedrigem Niveau, was zur Verunsicherung führt, insbesondere wenn Wetterkapriolen sich ungünstig auf die Ernte auswirken. (wie aktuell)
Knackpunkt Indien
Die Reaktionen der Marktteilnehmer sind also nicht völlig aus der Luft gegriffen, trotz der Erwartungen auf eine steigende Produktion und einen Primärmarktüberschuss (lediglich die Stärke der Rallye [oder besser gesagt die Nachhaltigkeit dieser Stärke] kann, auch angesichts des hohen spekulativen Interesses, ein wenig in Frage gestellt werden).
Insbesondere da im Moment die "Last" der Produktion vor allem auf Brasilien ruht, während die Ernte in Nord-Indien erst im Oktober beginnt. Generell sind solche Phasen (kurz vor oder während einer Ernte) natürlich sehr sensible Phasen, in denen Wetter und Umwelt starken Einfluss auf die Preise begründen. Wenn also in Brasilien während der Erntephase Trockenheit herrscht (nebenbei bemerkt: zuletzt sind in den brasilianischen Anbaugebieten wieder deutlichere Mengen an Niederschlag gefallen), dann äußert sich dies gerne in preisunterstützender Nervosität und zwar trotz eines erwarteten Produktionsanstiegs. Ebenso verhält es sich, wenn in den indischen Anbaugebieten, wo die Ernte kurz bevor steht, zu hohe Niederschläge fallen, was die Besorgnis in Bezug auf eine Verzögerung bis hin zu Ernteschäden antreibt.
Alles in allem wird man allerdings erst hinterher wirklich genau wissen, wie stark der Produktionsanstieg und der prognostizierte Überschuss ausfallen werden.
Somit bleibt auch in diesem Jahr die indische Ernte der Knackpunkt, denn (trotz aller Prognosen) muss die kommende indische Ernte erst einmal ihr Potenzial und die deutliche Produktionsausweitung, welche Indien schließlich wieder in den Exportstatus erheben soll, bestätigen.
So lange aber noch die Unsicherheiten vorherrschen und der spekulative Faktor weiterhin freudig am Werk bleibt, wirken auch kleinste Wetternachrichten oder nach unten revidierte Prognosen deutlich preisunterstützend. Heute ist der Oktober-Kontrakt auf Sugar 11 sogar kurzzeitig über die 27 US-Cent-Marke gestiegen und notiert damit nur noch etwas mehr als 3 US-Cent von seinem Anfang des Jahres erreichten Hoch entfernt. Grundsätzlich ist es also nicht auszuschließen, dass die Spekulanten die 30 US-Cent-Marke noch einmal sehen wollen, bis...ja bis, die Realität einsetzt. Die könnte aber, wenn Indiens Ernte die Erwartungen bestätigt, wieder für einen deutlichen Preisrückgang sorgen.
Warten auf Indiens Ernte
Überhaupt dürften der Markt (und das Angebot) endlich ein wenig entspannen, wenn Indiens neue Ernte auf den Markt kommt, was den Preis bis zum Ende des Jahres wieder auf ein günstigeres Preislevel bis maximal 20 US-Cent zurückführen könnte.
Was danach kommt? Tja, das hohe Preislevel sollte im Umkehrschluss natürlich zwangsläufig zu weiteren Produktionsausweitungen und schließlich auch zu einer deutlicheren Aufstockung der Lagerbestände führen, was im kommenden Jahr den Aufwärtsdruck mildern sollte...sofern nicht alles anders kommt. :-)
So long liebe Leser...so viel einmal zu meinen Überlegungen zur aktuellen Ausgangslage am Zuckermarkt...allerdings gibt es natürlich noch einen anderen langfristigen Betrachtungswinkel, den man nicht unterschätzen sollte...denn langfristig steigt die Nachfrage nach Agrarrohstoffen weltweit an, bei tendenziell langfristig unzureichender Produktionsausweitung, was langfristig (zusätzlich zu anderen Faktoren, wie einem steigenden Anlageinteresse und ebenso langfristigen Inflationsbefürchtungen) auch zu steigenden Agrarrohstoffpreisen führen wird....so, nun aber genug für heute von den Agrarrohstoffen...ich hoffe Sie sind mir nicht böse, weil ich die Fortsetzung der Silber-Reihe nun doch auf morgen verschieben muss...für heute verabschiede ich mich damit und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend...bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus
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