Zucker vor einem neuen Bullenmarkt
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 18. November 2008, 20:00 Uhr
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Sie erinnern sich bestimmt noch an den Jahreswechsel von 2005 zu 2006. Damals verdoppelte sich der Preis von Zucker innert kürzester Zeit von 9 auf 18 US-Cent pro Pfund und hielt sich sehr lange auf einem relativ hohen Niveau, bis dann ab Juli 2006 ein drastischer Preisverfall auf 12 Cent einsetzte. Denn niemand rechnete damit, dass Brasilien seine Zuckerrohrproduktion wegen der erwarteten Ethanolnachfrage so stark, nämlich von 28 Millionen auf über 32 Millionen Tonnen ausweiten würde.
Bestimmt kennen Sie noch den einen oder anderen Zeitungsartikel von Anfang 2006, in dem die generelle Zuckerknappheit, die russischen Importe (Russland verbraucht doppelt so viel Zucker wie es selbst produzier), die Zusatznachfrage durch die Zumischung von Ethanol in den herkömmliche Benzin, die EU-Zuckersubventionspolitik und vielerlei andere Gründe aufgezeigt wurden, die besagten weshalb der Zuckerpreis nicht nur gestiegen ist, sondern vor einem Anstieg steht, wie dies zuletzt nur 1966-1974 der Fall war, über dessen Hintergründe ich Sie im gestrigen Daily informiert habe.
Der Zuckerpreis hat sich in den letzten Monaten bei knapp über 11 US-Cents pro Pfund stabilisiert.
Erstmals seit 2006 soll die Zuckerproduktion in diesem Jahr wieder hinter dem Verbrauch zurückliegen
Der globale Konsum von Zucker, soll um 2,3% auf 165,5 Millionen Tonnen steigen, während die Produktion um 4,4% auf 161,6 Millionen Tonnen zurückgehen soll. Dies jedenfalls sind die Erwartungen der Internationalen Zucker Vereinigung (ISO).
In den USA wird die Anbaufläche für Zuckerrüben wegen des tiefen Preisniveaus landesweit von 1,2 auf 1,08 Millionen Acre zurückgehen.
In Australien, dem weltweit drittgrössten Exporteur, wird die Ernte in diesem Jahr bedingt durch Regenfälle und einen geringeren Düngereinsatz, welcher das Resultat der extrem teuren Düngemittelpreise war, um rund 10% fallen.
Brasilien nutzt als weltgrösster Exporteur immer mehr Zucker für den Eigengebrauch. 57% der brasilianischen Zuckerrohrproduktion wird als Treibstoff für alkoholbetriebene Autos genutzt werden, was ein Anstieg von 54% im letzten Jahr wäre.
Auch Pakistan wird in diesem Jahr statt 4,7 Millionen Tonnen wahrscheinlich nur rund 3,7 Millionen Tonnen produzieren.
Diese und weitere Faktoren dürften im Zuckermarkt allein in diesem Jahr zu einer Unterdeckung von 3,6 Millionen Tonnen führen. Deshalb stieg der Zuckerpreis im Verlauf dieses Jahres zwischenzeitlich von 12 auf 16 US-Cents pro Pfund.
Doch hielt der Anstieg sich nicht lange. Der Hauptgrund dafür ist, dass aufgrund der guten Ernten der letzten Jahre, Lagerbestände aufgebaut wurden. Insgesamt 69 Millionen Tonnen weltweit. Diese sollen bis 30. September 2009 jedoch auf rund 65,2 Millionen Tonnen zurückgehen. Diese Lagerbestände würden selbst bei einer Unterversorgung im Zuckermarkt von rund 5 Millionen Tonnen ausreichen, um die Mehrnachfrage weltweit theoretisch für die nächsten 14 Jahre zu decken.
Also nicht unbedingt ein Argument für steigende Zuckerpreise. Doch Vorsicht, ich habe eine Reihe von Gründen gefunden, weshalb der Zuckerpreis bereits im nächsten Jahr deutlich höher stehen könnte.
Wobei hier der global wachsende Zuckerkonsum, der wichtigste Faktor ist. Seit 1962 stieg die globale Zuckernachfrage von 50 Millionen Tonnen pro Jahr auf nun rund 160 Millionen Tonnen jährlich. Allein in den letzten 10 Jahren stieg der Konsum von 120 Millionen Tonnen im Jahr 1998 um 40 Millionen Tonnen an.
Geht also die Förderung substantiell zurück, so sind die Lagerbestände allein schon wegen dem erwarteten Nachfragewachstum innerhalb von wenigen Jahren aufgebraucht.
Die generelle Zurückhaltung der Anleger vor Rohstoffinvestments, der starke Rückgang des Ölpreises, der auch die Agrarrohstoffe belastete, da ein wesentlicher Kostentreiber in der Landwirtschaft der gestiegenen Ölpreis war, führte dazu, dass Zucker wieder in Richtung 11 US-Cents zurückfiel.