Zucker springt an
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 05. Juni 2007 12:00 Uhr
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Letzte Woche unterhielt ich mich mit meinem Kollegen und Co-Autor Daniel Wilhelmi; er meinte sinngemäß: Schade, die Trendwende bei Zucker habe er nun wohl verpasst. Dabei hätte ich doch gerade in den letzten Wochen für Zucker „getrommelt“, übrigens als so ziemlich der einzige Analyst.
Ja, das hatte/habe ich in der Tat, und ich bin weiter bullish für Zucker. Und noch ist es überhaupt nicht zu spät, auf Zucker zu setzen. Der Zuckerpreis ist weiter „im Keller“, auch wenn er letzte Woche angesprungen ist. Dazu ein Auszug aus dem letzten Strategiepapier, welches ich bei meinem kostenpflichten Dienst (www.rohstoff-signale.de) verschickt habe:
„Kaum hatte ich mich in die neuesten Daten zur anstehenden brasilianischen Ernte eingearbeitet, freute ich mich: Da stand schwarz auf weiß, dass in Brasilien dieses Jahr 50,5% der Zuckerernte in die Ethanol-Produktion gesteckt werden sollen! Das hatte ich zwar schon„immer“ (seit ca. halbem Jahr) gesagt/geschrieben, aber nun ist es offiziell, meine Prognose ist eingetroffen. Mit der Folge, dass der Zuckerpreis kurz danach ca. 10% nach oben schoss.Es kommt noch besser: Gerade lese ich, dass Indien bis 2011 eine 10%ige Beimischungspflicht für Ethanol durchsetzen möchte. Sehr gute Basis für einen nächste Woche weiter steigenden Zuckerpreis! Wir sind dafür sehr gut positioniert, keine Frage.“
Besonders die Nachricht „10% Ethanol-Beimischungspflicht“ ist für den Zuckerpreis sehr, sehr bullish. Denn hier geht es um gewaltige Mengen: Allein in diesem Jahr dürfte es in Indien 1,1 Millionen neue Autos auf den Straßen geben.
(Dieses Wachstum könnte sich nächstes Jahr noch beschleunigen, wenn der indische Autokonzern Tata wie angekündigt einen Neuwagen für umgerechnet 2.200 Dollar auf den Markt bringen möchte.)
Und wenn alle diese neuen Wagen 10% Ethanol tanken…dann können Sie sich ausrechnen, wie stark die Ethanol-Nachfrage in Indien steigen wird…
Indien ist ein Zuckerproduzent. In guten Erntejahren exportiert Indien Zucker, in schlechten Erntejahren reicht die indische Zuckerernte gerade für den Bedarf im eigenen Land.
Aufgrund des Bevölkerungswachstums geht a) die Anbaufläche in Indien zurück und b) steigt die Zucker-Nachfrage der Bevölkerung.
Und nun braucht Indien riesige Mengen Ethanol…welches sich aus Zucker herstellen lässt. Mit anderen Worten:
Indien dürfte ab spätestens 2008 ziemlich sicher als Exporteur von Zucker auf dem Weltmarkt wegfallen!
Denn auch bei einer guten Zuckerernte in Indien wird dieser Zucker für die Ethanolproduktion gebraucht werden. Nichts mehr mit indischen Zuckerexporten.
Da Märkte Entwicklungen bekanntlich vorwegnehmen (im Börsenjargon „antizipieren“ genannt), dürfte dies den Zuckerpreis ab sofort beflügeln. Und zwar nicht zu knapp: Denn wenn mit Indien einer der großen Zucker-Produzenten als Exporteur sozusagen dauerhaft wegfällt, dann ist das wirklich bullish für den Zuckerpreis. Und der notiert einstellig, und damit immer noch auf günstigem Niveau (auch wenn er seit meinem letzten Hinweis auf Zucker bereits rund 10% angezogen hat).
Beste Grüße,
Michael Vaupel
P.S.: Ich freue mich, einen US-Kongressabgeordnenten als Gastautor für den Trader´s Daily gewonnen zu haben:
Dr. Ron Paul. Er vertritt einen Wahlkreis in Texas, hat sich stets gegen den Irak-Krieg ausgesprochen und möchte nun als Präsidentschaftskandidat antreten (allerdings dürfte er, ganz unter uns, bei der parteiinternen Vorwahl wenig Chancen haben). Er schreibt für uns über "Dollar-Diplomatie und Dollar-Hegemonie".