Zucker: Primärmarktdefizit
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. Mai 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
heute möchte ich mich, nach dem gestrigen Update der Zuckerprognose, wie versprochen mit der aktuellen fundamentalen Ausgangslage am Zuckermarkt beschäftigen.
Primärmarktdefizit wird erwartet
Die Internationale Zucker Organisation (International Sugar Organisation; ISO) geht in ihrer aktuellen Prognose vom 15. Mai davon aus, dass im laufenden Erntejahr 2008/09 mit einem Angebotsdefizit von rund 7,8 Millionen Tonnen zu rechnen ist.
Für das Erntejahr 2009/10 prognostiziert die ISO ein Primärmarktdefizit von 4,75 Millionen Tonnen.
Ausschlaggebend: der Faktor Indien
Der zweitgrößte Zuckerproduzent und größte Zuckerverbraucher der Welt, Indien, zeichnet maßgeblich für diesen Produktionsrückgang verantwortlich. Denn Indien hat gegenwärtig mit schweren Missernten zu kämpfen.
So geht der indische Zuckerverband mittlerweile so weit, im schlimmsten Fall mit einem Produktionsrückgang von bis zu 45% zu rechnen. Das entspräche einer Gesamtproduktion von 14,5 Millionen Tonnen.
Indien muss auf dem Weltmarkt zukaufen
Bei einem prognostizierten Verbrauch von 22,5 Millionen Tonnen und Restbeständen von nur rund 10 Millionen Tonnen Zucker, ist Indien mittlerweile gezwungen auf dem Weltmarkt hinzuzukaufen.
Bislang kaufte Indien rund 2 Millionen Tonnen auf dem Weltmarkt dazu. Doch die Prognosen gehen deutlich in die Richtung für weitere Zukäufe. Indien hatte bereits zuvor angekündigt mindestens 3 Millionen Tonnen hinzukaufen zu müssen.
Auch China kauft
Nun gab kürzlich auch noch die chinesische Regierung bekannt, ihre Zucker-Vorräte weiter aufstocken zu wollen. Dies sei Teil des Konjunkturprogramms und entspricht vollauf dem bisherigen Vorgehen der Chinesen, die bereits auf breiter Front ihre Rohstoff-Lagerbestände günstig aufstocken. (und nicht nur die Metall- und Ölbestände aus strategischen Überlegungen; im Falle einiger Agrarrohstoffe ist China selbst aufgrund von Missernten gezwungen auf dem Weltmarkt hinzuzukaufen - Beispiel Sojabohnen).
Zudem wird ein Rückgang der Anbauflächen erwartet
Die Indian Sugarmills Association (ISMA) erwartet zudem noch einen deutlichen Rückgang der Anbauflächen für Zucker, davon ausgehend, dass indische Farmer zunehmend anderen Agrarrohstoffen den Vorzug geben werden.
Die ISMA prognostiziert einen Rückgang der Anbaufläche um 70.000 Hektar auf 2,14 Millionen Hektar.
Das Primärmarktdefizit, welche den Prognosen zufolge, im kommenden Erntejahr zwar wieder geringer ausfallen dürfte, unterstützt den aktuellen Aufwärtstrend der Zuckerpreise vollauf.
Dennoch gilt es insbesondere auch einen Blick auf den weltweit größten Zuckerproduzenten Brasilien und damit verbunden die Prognosen für die Ethanolnachfrage zu werfen.
Lesen Sie bitte im zweiten Teil weiter...
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