Zucker: Gewinner in 2009
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 9. März 2010, 20:00 Uhr
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heute möchte ich mich, wie versprochen, nach unserer langen Griechenland-Debatte, wieder den Rohstoffmärkten zuwenden. Genauer: den Agrarrohstoffmärkten! Und noch genauer: dem Zuckermarkt!
Sie erinnern sich bestimmt: bevor wir vor zwei Wochen mit unserer Griechenland-Debatte begonnen hatten, hatte ich gerade den Jahresrück- und Ausblick zu den Getreidesorten abgeschlossen. Ursprünglich hatte ich vorgesehen, mich noch einem Rück- und Ausblick zu den Soft Commodities zu widmen, doch dann kam mir die aktuelle und akute Griechenland-Problematik sozusagen "in die Quere".
Nun schreiben wir bereits den 9.März und es mutet so langsam ein bisschen spät an, für die üblichen Jahresrück- und Ausblick-Texte. Dennoch möchte ich die Soft Commodities an dieser Stelle nicht außen vor lassen. Dementsprechend sehen wir uns ab heute die Entwicklung bis dato bei den einzelnen Agrarrohstoffen an, wovon ausgehend ich dann eine Prognose stellen werde.
Beginnen wir also heute mit dem Zucker!
Zucker: in 2009 der Überflieger
Wenn Sie schon länger Rohstoff-Daily lesen, dann wissen Sie, dass ich im vergangenen Jahr immer wieder Zucker-Updates veröffentlicht hatte. Kein anderer Agrarrohstoff begeisterte mich im letzten Jahr mehr. Und damit lag ich auch richtig! Denn seit meiner ersten positiven Prognose vom 3.11.2008 hatte der Zuckerpreis bis zu seinem Hoch Ende Januar 2010 um rund 140% zugelegt.
Dennoch hatte ich zwischenzeitlich mehrmals zu Gewinnmitnahmen geraten, was ebenfalls keine schlechte Idee war, im Angesicht der Preisentwicklung im letzten Monat. Auch mein absolutes Top-Preisziel bei 30 US-Cent pro Pfund wurde schließlich Ende Januar 2010 erreicht.
Sehen wir uns noch einmal auszugsweise meine Zuckerprognosen-Updates vom vergangenen Jahr an:
Zunächst also noch einmal ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 18. November 2008:
" Das wichtigste für einen Anleger in Rohstoffen ist eigentlich, dass er in der Lage ist zukünftige Entwicklungen vorherzusehen, die nicht auf dem Radarschirm der Spekulanten auftauchen. So werden Sie in den aktuellen Statistiken und Erwartungen wenige Anhaltspunkte finden, die für einen massiven Anstieg der Zuckerpreise und eine Investition in Zucker sprechen. Die Erwartungshaltung der Analysten ist konservativ, denn diese erwarten bis Ende 2009 im Schnitt nur einen Zuckerpreis von rund 13 bis maximal 15 US-Cents.
...
Den größten Rückgang in der Produktion wird voraussichtlich Indien verbuchen müssen. Hier steht in einzelnen Analysen etwas von einem bis zu 16% Rückgang der Produktion. Da man sich in Indien wegen der tiefen Zuckerpreise auf Alternativen konzentriert. Da Indien im letzten Jahr mehr als 30 Millionen Tonnen Zucker produziert und damit weltweit Rang zwei nach Brasilien und vor China einnahm, müssen Sie solche Aussagen extrem ernst nehmen. Dies würde bedeuten, dass das US-Landwirtschaftsministerium USDA einmal mehr mit der Schätzung der indischen Produktion von 28 Millionen Tonnen (10% Rückgang) daneben liegen würde. Der Ausfall für die Weltproduktion würde dann allein durch Indien bedingt rund 5 Millionen Tonnen ausmachen und die Unterversorgung würde dann entsprechend auf Richtung 7 Millionen Tonnen steigen. Nur höhere Preise würden hier bei den Produzenten einen Anreiz für mehr Anbaufläche schaffen. Deshalb könnte Zucker, wenn das Szenario eintritt, auch einer der größten positiven Überraschungen in den nächsten 2 Jahren werden. Sollte der Zuckerpreis entgegen dieser Prognosen aber weiter fallen und wieder unter 10 US-Cents stehen, würden die Produktionssenkungen noch sehr viel drastischer ausfallen und ein Preis von unter 10 US-Cents ist zwar nicht ausgeschlossen, würde aber auf jeden Fall nur temporär sein. Da nirgendwo sonst in der Welt die Absatzpreise eine so große Rolle für die Preisprognosen spielen, wie bei den Agrarrohstoffen, ist es deshalb wichtig, dass man einen Rohstoff wie Zucker immer nur am unteren Ende eines Bandes kauft. Immer dann wenn keiner einen starken Anstieg erwartet. Und dann muss man viel Geduld aufbringen, bis die Unterversorgung von Spekulanten erkannt wird und der Preis auf ein neues höheres Niveau steigt. Dieses könnte bei Zucker zwischen 15 und 20 US-Cents liegen."
Am 11. Februar hielt ich es für angebracht ein erstes Update der Prognose abzugeben. Hier ein Auszug aus dem Rohstoff-Daily vom 11.02.2009:
" Im November hatte ich noch geschrieben, dass man bezüglich der indischen Zuckerproduktion mit einem Rückgang von 16% rechnet. Im letzten Wirtschaftsjahr produzierte Indien rund 30 Millionen Tonnen Zucker. Mittlerweile liegen die Schätzungen für die diesjährige indische Zuckerproduktion bei nur noch 16 Millionen Tonnen. Das ist so ernst, dass das Land mittlerweile zum ersten Mal seit drei Jahren gezwungen ist Zucker zu importieren.
...
Der Zuckerpreis hat sich mittlerweile gut erholt und notiert aktuell bereits bei 13,50 US-Cents pro Pfund. Damit haben wir also schon einmal die verhaltenen Erwartungen der Analysten erreicht. Und das in sehr kurzer Zeit. Auch technisch gesehen spricht in meinen Augen vieles dafür, dass der Aufwärtstrend sich noch weiter fortsetzen dürfte. Am 5. Februar hat der Preis über seinem 125-Tage-GD geschlossen und das höchste Level innerhalb der vergangenen vier Monate erreicht."
Gefolgt vom nächsten Update am 18.Mai 2009! Auszug:
"Tatsächlich ist die Prognose insoweit bislang völlig aufgegangen. Sugar 11 zur Lieferung im Juli erreichte am 12. Mai ein neues Kontrakt-Hoch bei 16 US-Cent pro Pfund.
...So gesehen dürfte auch der Zuckerpreis noch genügend Fantasie bis in Richtung der 18 US-Cent in sich tragen. Zumindest so lange es nicht zu einem starken und anhaltenden Stimmungseinbruch an den Märkten im Allgemeinen kommt - und natürlich immer abgesehen von zwischenzeitlichen Rücksetzern."
Schließlich riet ich zu Gewinnmitnahmen! Der Preis war mittlerweile über 18 US-Cent gestiegen. Auszug aus der Ausgabe vom 15.Juli 2009:
"Eigentlich sieht das Bild für Zucker, sowohl technisch als auch fundamental, gar nicht so schlecht aus für sogar noch höhere Preisnotierungen.
...
Alles in allem erfreut sich der Markt aktuell noch immer recht bullischer fundamentaler Faktoren. Ein Umstand der dazu führen könnte, dass wir in den kommenden Wochen sogar das obere Preisziel bei 20 US-Cent pro Pfund erreichen könnten.
Dennoch gilt es nicht übereuphorisch zu werden und stattdessen einen kühlen Kopf zu bewahren!
Dies ist zwar kein Börsenbrief und dementsprechend gebe ich hier auch keine Handlungsempfehlungen ab, dennoch würde ich persönlich in diesem Moment daran denken, nun endlich Gewinne mitzunehmen und noch eine kleine Position offen zu lassen."
Nächstes Update vom 01. September 2009:
Doch die Rallye läuft unaufhaltsam weiter. Gestern hat der Zuckerpreis sogar ein 28-Jahres-Hoch bei 24,85 US-Cent pro Pfund erreicht.
Bemerkenswert ist vor allem, dass wir es hier im Zuckermarkt tatsächlich mit starken fundamentalen Faktoren zu tun haben, welche diese Preisentwicklung unterstützen. Und diese Faktoren verlieren vorerst nicht an Gültigkeit und Brisanz.
...
Die Faktoren stehen vorerst gut für eine Weiterführung des Aufwärtstrends, mit dem Ziel bei 30 US-Cent pro Pfund. Sollten Sie nach ersten Gewinnmitnahmen (zwischen 38 % Plus und 66% Plus) noch eine Long-Position halten, wäre aktuell (nach der Verdoppelung seit Jahresbeginn) sicher kein schlechter Zeitpunkt um weitere Gewinnmitnahmen durchzuführen und eine Restposition weiterhin zu halten."
Schließlich schrieb ich am 16.12.2009 das letzte Mal über Zucker und hielt es für angebracht darauf aufmerksam zu machen, dass neue Entwicklungen im Zuckermarkt auf einen baldigen Preisrückgang hindeuten könnten:
"Seit dem letzten Update vom September hat sich der Preis in einer Range zwischen 22 und 24 US-Cent pro Pfund bewegt. Beeindruckend dagegen die Bewegung von letzter Woche, als der Preis über die 24-Cent-Marke nach oben ausbrechen konnte. Nach wie vor hält sich der Preis auch über dem 125-Tage-GD was ein weiteres Zeichen der Stärke ist.
Allerdings sind die Bewegungen der letzten Tage durch ein deutliches spekulatives Interesse getrieben. Die COT-Daten zeigen, dass die Spekulanten ihre Netto-Long-Position weiter ausgebaut haben, während die Commercials ihre Netto-Short-Position verstärkt haben.
In Indien zeichnet sich eine interessante Situation ab. Zwar rechnet man immer noch mit einer deutlichen rückläufigen Produktion und erneut bedrohen starke Regenfälle in den Provinzen Maharashtra und Madhya Pradesh die Feldarbeit, doch Indien hat mittlerweile seit 45 Tagen keine Käufe mehr auf dem Weltmarkt getätigt. Hohe Preise, aber auch logistische Probleme sind dafür ausschlaggebend. Offenbar steigen die Lagerbestände an den indischen Häfen deutlich an.
Nun sind die trendfolgenden Spekulanten natürlich in der Lage den Markt noch weiter nach oben zu pushen, setzt dann aber nicht wieder eine deutliche physische Nachfrage ein, könnten die Preise auch leicht wieder zurückrutschen."
Was zu beweisen war...
Lesen Sie im 2.Teil weiter!
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