Zucker auf 6-Monatstief - Langfristiger Aufwärtstrend intakt
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 28. Juli 2006 20:45 Uhr
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Der Zuckermarkt befindet sich immer noch in einer heftigen Korrekturbewegung und erreichte gestern ein neues 6-Monatstief bei unter 0,15 US-Dollar je Pfund.
Der Grund für die schlechte Stimmung unter den Zuckerhändlern war ein höher als erwarteter Zuckergehalt in den russischen Zuckerrüben. Russlands Zuckerernte dürfte in diesem Jahr den neuesten Schätzungen zufolge mit 3 Millionen Tonnen um 500.000 Tonnen höher ausfallen, als im letzten Jahr.
Russland größter Zuckerimporteur der Welt
Im letzten Jahr hat Russland nur 2,5 Millionen Tonnen Zucker produziert, aber 6,5 Millionen Tonnen verbraucht, musste also dementsprechend über 4 Millionen Tonnen importieren. Jetzt könnten die Importe um 500.000 Tonnen fallen. Eine solche heftige Bewegung wirkt sich natürlich gleich auf den kurzfristigen Zuckerpreis aus.
Spekulative Positionen wurden erheblich zurückgefahren
Der Rückgang der Preise hat dazu geführt, dass die Fonds und Kleinanleger ihre Zuckerpositionen verkauft haben, waren sie im September 2005 noch mit 188.000 Kontrakten engagiert, so ist diese Zahl mittlerweile auf rund 60.000 Kontrakte zurückgegangen.
Nachfrageüberhang bleibt bestehen
Nach wie vor gehe ich davon aus, dass der Zuckermarkt auch 2006 und 2007 mehr Nachfrage als Angebot besitzt. Das Produktionsdefizit für 2006 wird ausgehend von einer Nachfrage von rund 148 Millionen Tonnen auf 2 Millionen Tonnen geschätzt.
EU-Zuckermarktverordnung in Kraft
Seit dem 1. Juli 2006 ist nun offiziell die erste Stufe der EU-Zuckermarktverordnung gültig. Dem Markt könnten damit langfristig bis zu 5 Millionen Tonnen Angebot entzogen werden, die nur schwer durch neue Produktionssteigerungen ersetzt werden kann.
Fazit
Zucker trifft bei spätestens 12,5 Cent/Pfund auf seinen seit 2004 laufenden Aufwärtstrend. Eine technische Marke, die sicher stark beachtet werden sollte. Die fundamentalen Daten zum Zucker sind aber nach wie vor ausgezeichnet. Die weltweiten Lagerbestände sind immer noch rückläufig und was der wachsende Verbrauch aus China und Indien nicht vom Markt nimmt, dürfte in der Ethanolproduktion landen. Trotz der Verdoppelung der Kurse ist Zucker im historischen Vergleich immer noch sehr billig. Das Allzeithoch für Zucker lag im Oktober 1974 bei 64 US-Cent je Pfund. Das heutige Preisniveau liegt also immer noch fast 80 % unter den damaligen Rekordpreisen.