Zu was das Aufgeben alter Weisheiten führen kann
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 27. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Ich möchte nochmal auf die Thematik Aufgeben alter Weisheiten" und den damit zusammen hängenden Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 zurückkommen. Eine neue Ära" war in den zwanziger Jahren angebrochen: Das Auto als Massenprodukt, die flächendeckende Versorgung mit Elektrizität und das Radio waren bahnbrechende Neuerungen jenes Jahrzehnts. Im Jahre 1929 waren leichtsinnige Investoren dazu bereit, im Durchschnitt 33 Dollar für jeden Dollar Ertrag zu bezahlen (was einem KGV von 33 entspricht) - und glaubten dabei immer noch, dass es sich um einen fairen Preis handele.
Dann aber kam der Crash und am Ende des Endes des Jahres fragten sich die Investoren: Was bloß hat mich glauben lassen, dass General Electric so viel wert ist?" Der durchschnittliche Anleger hat auf diese Frage nie eine Antwort gefunden, weder damals noch heute.
Gruppen von Menschen denken weder, noch handeln sie wie Individuen dies tun. So verrückt einzelne Menschen sein können, in der Gruppe sind sie noch viel verrückter. Ihre veränderte Denk- und Handlungsweise im Gruppenverbund trägt alle Züge einer tumben Einfachheit, ja nicht selten die des Schwachsinnigen oder Wahnhaften. Gustave Le Bon schrieb zu dieser Thematik folgende Zeilen:
Die Menge denkt in Bildern. Diese Bilder provozieren wiederum eine Kette von anderen bildhaften Assoziationen, die inhaltlich jedoch nichts mit den vorangegangenen zu tun haben. Unser logisches Denken zeigt uns deutlich die fehlenden Zusammenhänge zwischen den Bildern auf, doch ist die Masse beinahe blind für diese Wahrheit und verwechselt den eigentlichen Gehalt eines Geschehens mit den Hirngespinsten, die der die Realität deformierende kollektive Geist ihm überstülpt."
Und weiter: Bevor der Heilige Georg den Kreuzfahrern auf den Stadtmauern Jerusalems erschien, war er sicher nur von einem von ihnen wahrgenommen worden. Durch die Kraft der Suggestion wurde dieses Wunder jedoch sogleich von allen als reale Erscheinung akzeptiert. Nach diesem Schema funktioniert die kollektive Halluzination, der man so häufig in der Geschichte begegnen kann, immer. Es handelt sich um Hirngespinste, die alle Charakteristika des Authentischen zu tragen scheinen, da es Phänomene sind, die Tausende beobachtet zu haben glauben."
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rejhons Franc C (27.08. 2010 11:59 Uhr):
Also ehrlich - dieser Beitrag ist hammermäßig gut. Und ich mit meinen inzwischen 76 Jahren - davon rund 30 Jahre Börsenerfahrung - schließe mich dem voll an. Weiter so. F.Rejhons
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