Zu viele ungelöste Probleme...

in Investoren Wissen
vom


 

Liebe Leser,

in den letzten Monaten hat sich aus wirtschaftspolitischer Sicht einiges in den westlichen Industrienationen getan. Spätestens seit Herbst 2008 gehört das Wort „Krise“ zum alltäglichen Sprachgebrauch... und zwar weltweit!

In dieser Artikelserie will ich deshalb den Blick auf die in meinen Augen bisher ungelösten wirtschaftlichen und politischen Probleme werfen, diese benennen und teilweise miteinander verbinden. Dabei beschränke ich mich nicht nur auf den Bereich Wirtschaft sondern blicke über den Tellerrand in Richtung Politik und der globalen Sicherheitslage.



Die nachfolgende Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und benennt die möglichen Gefahrenpotentiale nur oberflächig um einen kleinen Überblick zu geben.


Die Schuldenlast Griechenlands

Zahlreiche Studien diverser Volkswirte zeigen, dass selbst, wenn es Griechenland gelingen sollte die zugesagten Kredite in den nächsten Jahren zurückzuzahlen, die Schuldenlast des Landes in Relation zum BIP nicht abnehmen, sondern bestenfalls stagnieren wird. Griechenland wird somit in ein paar Jahren mit einer vergleichbaren Schuldenlast zu kämpfen haben wie heute. Und ich gehe genauso wenig wie Herr Ackermann davon aus, dass es den Griechen überhaupt gelingen wird, die Hilfkredite vollständig zurückzahlen.

Die Schuldenlast anderen PIIGS- Staaten

Neben Griechenland stehen bekanntlich noch Portugal, Italien, Spanien, Irland und mit Abstrichen auch Frankreich mit dem Rücken zur Wand. In allen Länder müssen die jeweiligen Regierungen massive Sparpakete verkünden. Und doch ist mehr als fraglich, ob diese Länder es jemals schaffen werden, die Nettoneuverschuldung in den nächsten Jahren auf Null zu senken ohne dabei die nationale Wirtschaft komplett abzuwürgen. Und denken Sie daran: keine Neuverschuldung bedeutet noch nicht, dass sich die Altschulden in Luft auflösen. Diese bleiben weiterhin bestehen und auch die Zinsen für diese müssen bedient werden.

Das 750-Milliarden Euro Rettungspaket:

440 Milliarden Euro von dem besagten Euro-Rettungspaket sollen die Euro-Mitgliedsstaaten in Form von Garantien und Krediten im Notfall zur Verfügung stellen. Auf Deutschland entfallen damit im Ernstfall Bürgschaften in Höhe von ca. 150 Milliarden Euro.  
Doch auch die PIIGS-Staaten müssen mit Milliardengarantien quasi für sich selbst bürgen. Das ganze Schauspiel erinnert mich ein wenig an der Baron Münchhausen, welcher sich selbst an seinem eigenen Schopf aus dem Morast zieht. Seien Sie versichert, dass wenn das Rettungspaket wirklich in Anspruch genommen wird, kein einziges PIIGS Land und vermutlich auch nicht Frankreich in der Lage sein werden, die erforderlichen Kredite zur Verfügung zu stellen. Der größte Teil wird dann am deutschen Michel hängen bleiben dessen Bonität dann hoffenlich noch genauso gut angesehen wird wie heute. 
Soweit ich dies aus der Ferne überblicken kann, gibt es zudem in den Vereinigten Staaten eine nicht unerhebliche Oppositionen gegen den Beitrag des IWF am Rettungspaket. Die USA sind der größte Nettozahler des Währungsfonds und besitzen eine Sperrminorität. Was würde wohl passieren, wenn der Druck auf die amerikanische Regierung so groß wird, dass die Hilfszusagen des IWFs revidiert werden müssen? Vor allem wenn öffentlich bekannt werden würde, dass der IWF weitere 320 Milliarden Dollar in den nächsten Monaten zur Stabilisierung bankrotter Staaten braucht.

Vom Wachstumsbeschleunigungsgesetz zum Sparpaket

Vor wenigen Monaten erklärten uns die Politiker und zahlreiche Wirtschaftswissenschaftler noch, dass staatliche Investitionsprogramme das Non-Plus-Ultra in der aktuellen Lage wären. Durch das zukünftige Wirtschaftswachstum könnten die Kosten für diese Programme leicht wieder hereingeholt werden, war der Tenor.
Heute weht jedoch ein anderer Wind. In nahezu jedem Land der Europäischen Union fangen die Regierungen in Form von Steuererhöhungen und Subventionsabbau an zu sparen. Motto hierbei: Es gibt keine Tabus. Gleichzeitig laufen die bisher stützenden Konjunkturprogramme in diesem Jahr vollends aus.
Ich habe ernsthafte Zweifel daran, dass die europäische Wirtschaft unbeschadet diese massiven Einsparungen überstehen wird. Die Gefahr, dass wir durch die Sparpolitik in eine deflationäre Spirale rutschen könnten, ist nicht gerade klein.

Globale Verschuldung

Neben der Südschiene der Eurozone (und früher oder später wohl auch der BRD) steht auch vielen Staaten in Osteuropa, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Japan das Wasser bis zum Hals. Die halbe Welt versinkt in einem Meer aus Schulden. Bisher hat der Markt nur die süd- und osteuropäischen Staaten abgestraft. Nicht auszumalen, wenn Japan oder Großbritannien genauso unter Druck geraten wie zuletzt Griechenland. Die ex- und implizite Staatsverschuldung ist in diesen Ländern noch höher und nachhaltige Lösungsansätze sind bisher kaum zu erkennen.
Genauso wenig wie in den Vereinigten Staaten. Dort hat die berühmte Schuldenuhr letzten Monat die 13 Billionen Dollar Marke überschritten. Und die ex- und implizite Schulden betragen sogar 570% des amerikanischen BIP. Diese Verpflichtungen werden niemals bedient werden können. Zumindest nicht mit einer stabilen Währung.

Bankenkrise 2.0

Wenn man es genau nimmt, dann ist die Bankenkrise eigentlich noch gar nicht beendet. Noch immer schlummern Milliarden an faulen Papieren in den Büchern der großen Banken. Dazu gesellen sich Staatsanleihen von vielen ausfallbedrohten Staaten wie z.B. Griechenland oder Portugal. Barclays sieht alleine im europäischen Bankensektor eine Eigenkapitallücke von 3 Billionen Euro.
Und am Horizont erscheinen bereits die nächsten Gewitterwolken. Der US-Gewerbeimmobilienmarkt, welcher ca. 6,7 Billionen Dollar groß ist (im Vergleich dazu, betrug das Volumen an US Subprime Hypotheken nur 1,3 Billionen Dollar) hat erhebliche Schwierigkeiten. Die Ausfallquote für Anleihen, welche mit Gewerbeimmobilien gedeckt sind (CMBS), steigt seit Monaten kontinuierlich an. Die Deutsche Bank schätzt, dass bis 2013 Anschlussfinanzierungen von 1,4 Billionen nötig sein werden, wobei bis zu 65% davon als „Junk“ einzustufen sind.
Auch droht die Bankenkrise in Spanien zu eskalieren. Beinahe täglich kommen neue Meldungen rein, dass eine weitere Sparkasse o.ä. zwangsfusioniert oder verstaatlicht werden muss. Und die Prognosen zeigen, dass wir erst am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Nächste Woche setze ich die Aufzählung in der Bereichen Politik und globale Sicherheitslage weiter fort.

Beste Grüße


von
Alexander Hahn
Alexander Hahn

Alexander Hahn ist Mathematiker, stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefredakteur des kostenlosen Newsletters Value Daily.

Information zu alt? Chance verpasst? Geld verschenkt?


ähnliche Beiträge:

Artikel bewerten
Durschnittliche Wertung:
0 Sterne
Wertungen:
0 insgesamt
Artikel weiterempfehlen
Kommentar abgeben

* = Pflichtfeld, bitte unbedingt ausfüllen

Kommentare Kommentar abgeben

Kommentar von Ralf Wunschick

Es ist schon erschreckend, in welchem Ausmaß der Verschuldung der sogenannten Industrienationen fortschreitet. Ebenso erschreckend ist der blinde Aktionismis einiger Regierungen - unsere ganz vorne an . Sei es das Verbot von Leerverkäufen oder die geplante Spekulationssteuer, welche letztendlich nur die "kleinen Investoren" treffen würde. Ich bin froh, dass sich mit Herrn Ackermann wenigstens einer findet, der unbequeme Wahrheiten und Tatsachen ausspricht. Nicht populär heutzutage, dafür ehrlich !

Antworten
Kommentar von thomas

Sie zählen ständig alle möglichen Probleme und Fehler der Politik auf. Das sind ellenlange Abhandlungen, wo ich mich dann am Ende frage, was das mir und den anderen Lesern bringen soll. Die Welt verlassen können wir nicht. Lösungen bieten sie auch nicht an. Den gesamten Schulden stehen übrigens Gläubiger entgegen. Wir haben Milliardäre die NIE IM LEBEN ihr Vermögen zu Recht erhalten haben. Ich habe mit diesen Supereichen kein Mitleid, wenn v.a. auf deren Kosten die Ungleichgewichte irgendwann aufgelöst werden.

Antworten
Antwort von WT:

Den gesamten Schulden stehen Gläubiger gegenüber? Ja, die Landesbanken, die HRE (wir erinnern uns: in Staatsbesitz!), die Commerzbank (wir erinnern uns: in Staatsbesitz!), die Versicherungen, die in Anleihen investieren müssen wegen der "sicheren" Verzinsung... Ich finde es schon richtig, auch mal Nicht-Politikersprech zu lesen und eine kritische Meinung dazu zu hören, was usn die Politiker den ganzen Tag so erzählen!

Kommentar von Hartmut Fischer

Kleiner Hinweis zu Spanien: Aus 3 Millionen leerstehender Wohnungen rechne ich leicht 300 MilliaRDEN notleidender Baukredite hoch.

Antworten
Kommentar von WT

Hallo Herr Hahn, danke für Ihre Analysen! Sie schreiben, dass Sie Zweifel daran haben, dass die europäische Wirtschaft die massiven Einsparungen überstehen wird. Im Beitrag "Langfristiges Investieren" schreiben Sie aber, dassstaatliche Ausgaben sehr ineffizient sind ("Von 2 Euro Staatseinnahmen kommen 1 Euro beim Begüstigten an"). Dürften sich demnach Einsparungen nicht auch nur wesentlich weniger auswirken als bislang angenommen? Wäre gespannt auf eine Antowrt von Ihnen! :-) Ansonsten bitte weiter so!

Antworten