Zu schön um wahr zu sein
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 15. April 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Zu schön um wahr zu sein.
Das war das Problem mit den jüngsten Finanznachrichten. So haben zum Beispiel viele Unternehmen Quartalszahlen vorgelegt, die "besser als erwartet" ausgefallen sind – es sah fast so aus, als ob sie das so eingeplant hätten.
Ich habe gestern im Investor's Daily geschrieben, dass die Konsumausgaben der Amerikaner ihren Höhepunkt erreicht haben. Ich werde darauf gleich zurückkommen.
Denn es sieht so aus, als ob der amerikanische Konsument seinen Konsum doch noch weiter erhöht hat – mit anderen Worten, er ruiniert sich selbst noch schneller als zuvor. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im März um 1,8 % gestiegen. Der arme durchschnittliche amerikanische Konsument hat keineswegs mehr Geld zum Ausgeben erhalten – denn sein Lohn ist nicht gestiegen, seine Kostenblöcke sind nicht geringer geworden –, aber dennoch hat er mehr Geld in den Konsum gesteckt.
Wo ist dieses Geld hergekommen? Dank an Bush und die Fed. Die Fed hat den Konsumenten etwas geboten, was diese kaum ablehnen können: Freies Geld, also Kredite zu Niedrigstzinsen.
Die Leitzinsen der Fed liegen weiterhin bei 1 % – deutlich unter dem aktuellen Niveau der Inflation auf Konsumentenpreisebene. Das ist ein "Notfall-Niveau", wie ich gehört habe. Aber die Fed sagt nicht, worauf sich dieser Notfall bezieht.
Wenn ich die Zeitungen lese, dann sehe ich überhaupt nichts von einem Notfall. Das Leben geht weiter, wie immer. Die Leute verschulden sich. Die Leute geben Geld aus. Die Leute fallen immer tiefer ins Schuldenloch.
Das muss irgendwann zu einem Ende kommen. Ich weiß nicht, wann. Was ich weiß, ist, dass es nicht im März endete. Stattdessen ist die amerikanische Fantasie-Wirtschaft noch fantastischer geworden.
So sind die Immobilienpreise in San Diego gegenüber ihrem Vorjahreswert um über 16 % gestiegen. In Los Angeles sind sie um unglaubliche 29 % gestiegen. Selbst in der Gegend von Baltimore lag der Preis für ein durchschnittliches Haus um rund 20 % über seinem Vorjahreswert.
Das sind natürlich große News. Das bedeutet, dass ich auf mein Haus mehr Hypotheken aufnehmen könnte. Ich bin mir nicht sicher, was ich dann angeben würde, wenn ich nach dem "Verwendungszweck für den Kredit" gefragt würde ... oder ob mir diese Frage überhaupt von der Bank gestellt würde. Aber die Verlockung, sogar eine bestehende Hypothek einfach zu erhöhen – um das Geld dann auszugeben – ist offensichtlich für den durchschnittlichen Verbraucher sehr stark.
Allerdings korrigiert sich übermäßiges Glück von selbst. Die letzten News waren so gut, dass die Investoren davor Angst bekamen. "Jetzt wird die Fed keine Wahl haben", sagen sie sich selbst, "sie wird die Leitzinsen erhöhen müssen ... vor den Präsidentschaftswahlen, nicht danach."
Das Schreckgespenst höherer Zinsen ist wie ein erschöpfter Zombie plötzlich an der Wall Street erschienen. Die Aktienkurse fielen. Der Goldpreis ist gefallen. Nur der Dollar stieg – in Antizipation höherer Zinsen am US-Anleihenmarkt.
Ist das nicht faszinierend, liebe(r) Leser(in)? Ich meine die Art, wie alles funktioniert. Die Dinge scheinen immer besser zu werden ... aber nur so lange, wie die Leute fürchten, dass sie schlimmer werden. Dann, wenn die Verbesserung nicht mehr geleugnet werden kann ... dann wird es plötzlich schlimmer. Und dann sieht es aus, als ob sie Recht gehabt hätten!
Nein, die Konsumausgaben sind im März nicht fallen, womit ich gerechnet habe. Und auch der Dollar hat seine jüngste Rally nicht beendet. Aber halten Sie diese Gedanken fest, liebe(r) Leser(in); wir werden darauf zurückkommen.
Und jetzt nach Nordamerika, wo mein US-basierter Kollege Ihnen mehr News präsentiert: