Zu den Defiziten befragen Sie besser ihren Klempner
unserem Korrespondenten Bill Bonner, Investors Daily vom 15.03.2006 18:00
ENL5292
Der Vorsitzende der Zentralbank von Kanada, David Dodge, sagt, die Welt riskiere eine "wahre Rezession". Und Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank glaubt, dass die Weltwirtschaft "den Preis wird bezahlen müssen."
Beide Männer legen ihren Finger auf das gleiche Problem – das amerikanische Handelsbilanzdefizit. Und beide Männer werden schon bald wieder die Gelegenheit haben, ihre Finger dazu zu nutzen. Diesmal in Richtung Ben Bernanke – wenn er beim G10 Treffen in dieser Woche auftaucht.
Das US Handelsbilanzdefizit beläuft sich auf einen jährlichen Satz von ungefähr 800 Milliarden Dollar. Grob könnte man sagen, dass das der Betrag ist, den die Amerikaner im Jahr am Weltmarkt mehr ausgeben, als sie einnehmen. Sie sollten sich, wenn Sie zu diesem Thema eine vernünftige Meinung einholen wollen, an einen Installateur wenden. "Ich vermute, die USA sollten endlich aufhören, so viel Geld auszugeben", wird so jemand wohl sagen. Die ganze Angelegenheit ist wirklich ziemlich einfach. Wenn man Geld, das man nicht hat, für Dinge ausgibt, die man nicht braucht, dann ist es wahrscheinlich, dass man Probleme bekommt. Das haben sogar die bereits genannten Zentralbanker erkannt.
Aber wenn man einen amerikanischen Wirtschaftler fragen würde – sagen wir mal, Ben Bernanke selbst – dann erhält man vermutlich eher eine verwirrte und lächerliche Antwort.
Das Defizit ist wirklich ziemlich einfach. Es braucht erst einige Jahre einer höheren Ausbildung, dass man es nicht mehr versteht. Ben Bernanke glaubt, wie auch viele andere Wirtschaftler an der Wall Street und bei der US-Regierung, dass das Defizit nicht wirklich ein Problem darstellt. Ganz im Gegenteil, es stellt sogar eine sehr vertrauenswürdige und sogar schmeichelhafte Situation dar: Sie stellen die Dinge her, wir nehmen sie. Sie schwitzen, wir denken. Sie sparen, wir geben das Geld aus. Diese 'sie' sind viele Millionen Menschen im Ausland, aber die herausragendsten unter ihnen sind die Chinesen. Während die Amerikaner eine Wirtschaft betreiben, die zu 71 % aus Verbraucherausgaben besteht, geben die Chinesen nur 50 % ihres Bruttoinlandsprodukts aus. Der Rest wird gespart – ein Betrag, der ungefähr 1,1 Billionen Dollar entspricht.
Auf dem Niveau der chinesischen Haushalte wir der Unterschied noch deutlicher. Sie sparen 30 % von dem, was sie verdienen. Wir (die Amerikaner, ich bin ja selber auch einer) sparen weniger als nichts ... die Sparrate der Haushalte liegt bei minus 0,4 % im Jahr. Das letzte Mal, das wir eine so geringe Sparrate erlebten war während der dunklen Jahre der Weltwirtschaftskrise, als die Familien keine andere Wahl hatten als ihre Ersparnisse anzugreifen, um die Schulden zu bezahlen.
Ben Bernanke erkennt an diesen Zahlen nichts, was ihm missfallen müsste. Die Chinesen können sich glücklich schätzen, dass wir so viel Geld ausgeben. Was würden sie denn mit ihren Ersparnissen machen, wenn sie sie nicht an uns verleihen könnten? Und er könnte noch hinzufügen: Was würden sie mit dem ganzen Schrott machen, den sie herstellen, wenn wir nicht bereit wären, und zu verschulden, um das alles kaufen zu können.
"Sie sind beide verrückt", sagte gestern ein Kollege zu mir. Der eine gibt Geld aus, das er nicht hat. Der andere verkauft Dinge an Leute, die nicht dafür bezahlen können. Vielleicht stellen Amerika und China die beiden Seiten der gleichen Täuschung dar. Die eine Seite gibt zu viel aus, die andere spart zu viel. Aber wenn die Täuschungen auch genau umgekehrt sind, dann sind sie dennoch nicht gleich.
Es gibt einen großen Exodus der Macht und des Wohlstands vom Westen in Richtung Osten. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich an dem Ende befindet, das immer mehr Wohlstand ansammelt, oder an dem Ende, an dem der Wohlstand verloren geht. Die chinesischen Schatzkammern häufen Kredite an, die amerikanischen Debite. Die chinesischen Verbraucher haben Ersparnisse, die sie ausgeben können, wenn sei wollen. Die amerikanischen Verbraucher haben nur Kredite ... die ihnen nur so lange zu den gegenwärtigen Zinssätzen zur Verfügung stehen, wie der Markt und der Wille der Kreditgeber noch dazu bereit ist. Die Chinesen sind Besitzer ... die Amerikaner werden immer mehr zu Mietern.
Die Chinesen sind frei von Schulden, die Amerikaner sind an die Schulden gefesselt.
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