Zombieland
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. März 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Das größte Einkaufszentrum der Welt ist fast vollständig leer", heißt es in einer Schlagzeile, die gerade ihren Weg durch das Internet bahnt. Dieses Einkaufszentrum ist nicht einer der großen amerikanischen Konsumtempel. Es befindet sich überhaupt nicht in den Vereinigten Staaten. Stattdessen liegt es im Reich der Mitte... und ist fast doppelt so groß wie die Mall of the Americas".
Die Welt hat im Jahr 2009 nicht geendet. Von zwei Dingen heißt es in den meisten Berichten, sie hätten die Welt gerettet - die Konjunkturprogramme im Westen und China im Osten.
Harvard Wirtschaftswissenschaftler Robert Barro, der im Wall Street Journal schreibt, denkt über die Auswirkung der Konjunkturausgaben in den Vereinigten Staaten nach. Das Programm der amerikanischen Regierung aus dem Jahr 2009 sollte ursprünglich 787 Milliarden Dollar kosten. Heute geht man davon aus, dass sich die Rechnung am Ende auf 863 Milliarden Dollar belaufen wird. Wie viel kann man von so viel Geld kaufen, fragt er sich.
Die anfänglichen Ausgaben taten ihre Wirkung, weil die Regierung das Geld ausgegeben hat, ohne deswegen die Steuern anzuheben. Aber das Geld muss von irgendwoher kommen. Die Steuern werden unvermeidlich steigen müssen. Sowohl die Ausgaben als auch die Steuern sind den Multiplikatoren unterworfen, schreibt Barro. Mr. Barro geht davon aus, dass jeder Dollar, der von der Öffentlichkeit ausgegeben wurde, am Ende 1,50 Dollar in verpassten Privatausgaben ausmachen wird. Das ist ein schlechtes Geschäft... so etwas wie ein kostenloses Mitttagessen gibt es nicht", schließt er daraus.
Die Konjunkturausgaben kosten die Vereinigten Staaten am Ende Geld. Wie sieht es in China aus? Die Geschichte mit China ist zu großen Teilen auch eine Geschichte der Konjunkturprogramme. Chinas Konjunkturprogramme sind, verglichen mit dem Bruttoinlandsprodukt, die größten, die die Welt je sah - sie sind viermal so groß wie die amerikanischen Konjunkturprogramme.
Wenn das Kreditvolumen der Banken von Zentralplanern bestimmt wird, dann bedeutet das Schwierigkeiten. Aber im vergangenen Jahr haben die chinesischen Behörden angesichts eines Abschwungs bei der Nachfrage ihres Hauptkunden unter den Banken verbreitet, sie sollten mehr Kredite vergeben. Das Kreditvolumen hat sich ungefähr verdoppelt - auf 1,4 Billionen Dollar - und das ist - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - der größte Anstieg aller Zeiten. Es entspricht ungefähr einem Viertel der gesamten Leistung des Landes.
Die Investitionsausgaben waren über lange Zeit überproportional in der chinesischen Wirtschaft. Während die Amerikaner zu viel Geld ausgegeben haben, haben die Chinesen zu viel in die Fabriken investiert, um die Dinge herzustellen, die die Amerikaner dann kaufen konnten - genauso wie die Japaner vor ihnen. Investitionsausgaben sind in China seit 2001 um 200% gestiegen, China wurde zum größten Käufer von Rohmaterialien - und das mit großem Abstand.
Chinas Leistung macht nur weniger als 10% der gesamten weltweiten Leistung aus, aber China verbraucht ungefähr 30% des Aluminiums der Welt, 40% des Kupfers und 47% des Stahls. Wohin geht all das Material? Dank Chinas visionären Zentralplanern, geht es dahin, wo es nicht am nötigsten gebraucht wird - in mehr Infrastruktur und noch mehr Leistungsfähigkeit. Im vergangenen Jahr stammen 90% des chinesischen Wachstums aus festen Investitionsausgaben.
Es gibt in den Vereinigten Staaten ungefähr fünfmal so viele Flüsse und fünfmal so viele Autos... aber China hat heute fast genauso viele Brücken und drei Viertel der Straßenoberfläche Amerikas. Aber wenn die Kredite locker sind, und man die Duldung der örtlichen Behörden hat, sowie den Segen der zentralen Regierung, dann baut man einfach mehr.
Im vergangenen Jahr standen ungefähr einer von vier Quadratmetern Büroraum in Peking leer - ungefähr 10 Millionen Quadratmeter Zombie-Fläche. Überall in der Stadt sieht man dunkle Gebäude...das Minsheng Financial Center...Zement - und Glastürme auf der Finanzstraße... Das China Life Plaza... die Bank of Communications.
In diesem Jahr werden die Leerstände auf 30% anwachsen... vielleicht sind es auch 50%, je nachdem wessen Schätzungen man Glauben schenkt. In Ostpeking verdoppeln die Behörden die Größe des zentralen Geschäftszentrums, auch wenn die Leerstände schon heute bei 35% liegen. Insgesamt wird diese Stadt 1,3 Millionen weitere Quadratmeter Gewerbefläche hinzufügen.
Außerhalb von Peking vervielfachen sich die Zombies auch. Ganze Städte stehen leer. Und in dem Vorort Huairou, einem nachgemachten Alpendorf... ragt ein 70 Meter hoher Uhrenturm über den industriellen Vororten. Unter dem Namen Spring Legend - Frühlingslegende" müssen die Verfasser die gleichen Leute sein, die auch die Inschriften der Glückskekse verfassen: Die Luft ist hier so frisch, sie dringt direkt ins Herz ein", heißt es auf dem Verkaufschild. Normalerweise würde man solche Beschreibungen für Gewäsch halten. Aber in den industriellen Vororten Chinas ist die Luft oft so sauer, dass sie auch direkt in den Kopf dringt.
Die Politiker des Landes ermitteln die Verfügbarkeit von Kapital. Die lokalen Vertreter haben ein Händchen dafür, das Geld zu investieren". Normalerweise sind bei Entwicklungsprojekten Banker, Bauunternehmer und Lokalpolitiker mit von der Partie. Ungefähr so wie bei Japans großen öffentlichen Arbeitsprojekten der vergangenen 20 Jahre. Die Lokalregierungen sind schwer verschuldet - wobei die Schulden der Lokalregierungen ungefähr ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Aber sie geben auch weiterhin Geld aus. In Huaxi plant man beispielsweise immer noch, das zweithöchste Gebäude der Welt zu bauen - nur wenige Fuß niedriger als Dubais Monument. Huaxi ist auch der Ort, an dem die New Sky Village entsteht... ein weiteres Projekt, das sich in den giftigen Wolken verliert.
Die Immobilienpreise steigen immer noch steil an. Die Leute spekulieren immer noch. Schiffe mit Erde und Steinen sind immer noch auf dem Weg in die chinesischen Häfen. Der Boom der Kapitalausgaben dauert auch weiterhin an.
Es sieht aus wie Wachstum.... Aber es ist Zombiewachstum. Die Leute bauen Brücken ins Nichts anstatt für gewinnträchtige Unternehmen zu arbeiten. Beton wird verwendet, um Städte zu bauen, in denen niemand lebt. Die Ersparnisse werden nicht verwendet, um eine neue Bank zu gründen, sondern dazu, eine alte Bank zu stützen.
Japan macht das schon seit Jahren so. Ermutigt durch die falschen Hinweise der Regierung in den Achtzigern, hat die Privatindustrie in Japan Zombies hervorgebracht. Und als die Blase dann irgendwann geplatzt ist, hat die Regierung sie auch weiterhin am Leben gehalten. Sie saugen seither das Leben aus allem, was lebt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von GHH (15.03. 2010 11:01 Uhr):
Vielen Dank, Herr Bonner, für die unablässige Bemühung, die Menschen über die Wirklichkeit in der globalen Ökonomie aufzuklären. Der heutige Bericht über die US + China läßt einmal mehr erahnen, welch ungeheure Ausmaße und welche Dauer der Crash haben wird... Und nicht nur das, sondern erkennbar & unabweisbar wird damit auch die totale Ratlosigkeit von Politik und Wirtschaftsplanung. Game over ist der einzige Schluß, den man ziehen kann. Daß es so lange dauert, gibt aber jedem eine Chance, mit den illusionen aufzuräumen & sich - wie auch immer - vorzubereiten. Nochmals danke. gb
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