Zocken und Wetten
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 8. Juli 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die gestrige, fulminante Tagesrally am Aktienmarkt wurde ausgelöst durch… jetzt muss ich wirklich überlegen… Konjunktur eher mau (Frachtratenindex im freien Fall), Bankenstresstest und Quartalsberichte stehen erst noch bevor, aha – ich hab`s : …ausgelöst durch „steigenden Risikoappetit der Investoren“. Also vor allem der Kurzzeit-Investoren (im Volksmund auch etwas abwertend „Zocker“ genannt). Diese Anlegergruppe ist übrigens sehr launenhaft in ihrem Appetitverhalten, wie der zerpflückte Tageschart des DAX` der letzten Monate zeigt.
Interessant erscheint mir in dem Zusammenhang, dass in den USA im Zuge der dortigen Bankenreform in Kürze die sogenannte „Volcker-Rule“ wirksam werden dürfte. Sie verbietet den Banken den Eigenhandel (also den Wertpapierhandel mit eigenem Geld). Die US-Banken sind bereits dabei, ihre besten Profi-Zocker auf den Handel mit Kundengeldern umzustellen. Wobei sich da für alle Seiten nicht viel ändern dürfte. Eventuell werden die gehandelten Volumina an den Börsen kleiner. Vielleicht finden die betroffenen Banken auch einen Weg, über Dritte verdeckten Eigenhandel zu betreiben?
Immerhin ist der Eigenhandel mit Abstand der größte Profitbringer in 2009 gewesen und der einzige Grund, warum bei vielen Instituten überhaupt Jahresgewinne ausgewiesen werden konnten. Bricht das Geschäft von Gesetzes wegen weg, müssen sich die US-Banken größte Ertragssorgen machen. Sie haben sich weit von ihrem Kerngeschäft (der Kreditvergabe) entfernt. Ich hoffe, der Gesetzgeber kann das mit der Volcker-Rule wieder ein Stück weit beheben.