Zinssenkungen gegen die Rezession?
Bill Bonner in Investors Daily
vom 06. September 2002 18:00 Uhr
ENL5454
Hier ist etwas Interessantes, das ich in einem Internet-Forum gefunden habe: Die kurzfristigen US-Zinssätze sind um ca. 4 % gefallen, seit Alan Greenspan im Januar 2001 mit den Zinssenkungen begonnen hat. Niedrigere Zinssätze werden normalerweise als Mittel gegen Rezessionen betrachtet, da die Konsumenten sich leichter verschulden können. Aber es gibt auch hier zwei Seiten der Medaille. Auf der einen Seite müssen die Schuldner natürlich weniger Zinsen für ihre Kredite und Hypotheken zahlen. Aber auf der anderen Seite erhalten die Sparer für ihre Guthaben ja auch weniger Zinsen. Ein kluger Kopf hat errechnet, dass die niedrigeren Zinsen die Sparer – meist alte, pensionierte Investoren – rund 176,7 Milliarden Dollar kosten, das sind 484 Millionen Dollar pro Tag. Niedrige Zinssätze haben den Konsumenten erlaubt, Dinge, die sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben, zu kaufen. Sie haben aber auch Sparer davon abgehalten, Dinge zu kaufen, die sie vielleicht gewollt hätten, mit Geld, das sie hätten haben sollen.
Ein Leser hat mir diesen Ausschnitt aus einem Artikel zugesendet: "Seite 25 im Economist vom 10. August 2002. Der Artikel 'A stigma that never fades' betont, dass die Zahl der Gefängnisinsassen in den USA von 110 pro 100.000 in 1973 auf 700 pro 100.000 aktuell angestiegen ist! Zum Vergleich: Kanada 102 pro 100.000, Großbritannien 132 pro 100.000, Frankreich 85 pro 100.000 und Japan 48 pro 100.000."
Das bedeutet, dass statistisch gesehen eine Person in den USA (dem Land der Freiheit) 14 Mal wahrscheinlicher ihre Freiheit verliert als in Japan.
*** Maria, meine Tochter in Mailand, hat eine Bekannte aus Paris getroffen. Ihr geht es ganz gut.
"Sie haben mich gefragt, ob ich für ein Foto-Shooting nach Finnland gehen würde," erzählte sie mir am Telefon. "Aber ich weiß nicht. Ich denke, dass ich langsam nach Hause kommen will ..."
*** Als ich im Warteraum der Model-Agentur in Mailand saß, konnte ich meine Augen nur schwer auf meine Ausgabe des "Grant's Interest Rate Observer" konzentrieren. Es gab interessantere Dinge.
Die Hose einer blassen Blondine drohte runterzufallen, zum Beispiel. Das muss ein neuer Trend sein, dass Hosen so locker getragen werden, dass sie fast runterrutschen. Deshalb zog sie an alle paar Minuten an ihrer Hose – bis diese schließlich doch ganz rutschte.
Eine andere Frau – eine dünne, schwarzhaarige Schönheit mit fast keiner Oberlippe – trug ein sehr knappes Oberteil, das riskierte, zu einem breiten Gürtel zu werden.
Ich habe noch nie so viele Bauchnabel gesehen. Aber trotzdem gefielen sie mir nicht wirklich. Sie waren zu jung, zu dünn ... da war nichts Mysteriöses oder Romantisches um sie herum. Merkwürdigerweise wirkten die Models unelegant, geschlechtslos. Nach ein paar Minuten war es mir völlig egal, ob ihre Klamotten völlig herabfielen oder nicht.
Der Blick durch das Fenster zeigte mir jedoch wirkliche Schönheit ... ich konnte die Augen kaum abwenden. Das Außergewöhnliche war, dass es so gewöhnlich war. Da gab es Hunderte, Tausende sehr schöne Gebäude in Mailand. Aus grauem Stein, mit großen Fenstern und mit allen möglichen Pilastern, Medaillons, Rosetten. Ein einziges Gebäude hatte mehr Verzierungen als eine ganze Stadt im mittleren Westen der USA – und dennoch war der Charme eher simpel. Anders als die Models, erinnern die alten Häuser in Mailand jedoch auch an Niedergang – wie die Jahreszeiten und der Aktienmarkt.